Ansturm vor dem Jahreswechsel

CO2-Steuer lässt Spritpreise steigen: Tankstellenkunden verärgert

Rosemarie Kreikhof tankt jetzt immer nur noch Sprit für 30 Euro. Die Neuenraderin hat für die neue CO2-Steuer, die mit Jahresbeginn eingeführt wurde, wenig Verständnis.
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Rosemarie Kreikhof tankt jetzt immer nur noch Sprit für 30 Euro. Die Neuenraderin hat für die neue CO2-Steuer, die mit Jahresbeginn eingeführt wurde, wenig Verständnis.

„Ich halte nichts davon“, sagt Rosemarie Kreikhof, als sie mit ihrem Auto an der Zapfsäule an der Shell-Tankstelle an der Neuenrader Straße steht. Die Neuenraderin findet die zum Jahreswechsel eingeführte CO2-Steuer „mies“, da nimmt sie kein Blatt vor den Mund.

Denn die Umweltsteuer auf die Emission von Kohlendioxid sorgt dafür, dass die Spritpreise deutlich ansteigen. „Aber wir können ja nichts dagegen machen“, klagt sie und zuckt mit den Schultern.

Jedenfalls habe sie sich vorgenommen, „jetzt viel häufiger mit dem Roller zu fahren“. Zumindest bei gutem Wetter und auf kürzeren Strecken. „Der schluckt nicht so viel und das ist dann billiger“, hat sie sich ausgerechnet. Derweil schaut Kreikhof konzentriert auf die Anzeige auf der Zapfsäule. „Bisher habe ich mein Auto immer vollgetankt“, berichtet sie. „Aber jetzt ist bei 30 Euro Schluss“, sagt die Neuenraderin. Dann winkt sie ab und schiebt hinterher: „Aber es wird ja alles immer teurer.“

Fahren die Menschen jetzt weniger Auto?

Marco Brückner, Pächter der Shell-Tankstelle in Neuenrade, sieht die neue Steuer differenzierter. „Aus beruflicher Sicht finde ich sie natürlich schlecht“, redet er nicht um den heißen Brei herum. „Denn vielleicht fahren die Leute nun ja doch weniger“, begründet er dieses klare Urteil.

Mirko Brückner ist der Pächter der Shell-Tankstelle in Neuenrade.

„Privat fände ich derartige Maßnahmen für den Umweltschutz prinzipiell gut, wenn das Geld denn auch dort ankäme, wo es hin soll“, führt er aus. „Aber die Einnahmen aus dieser Steuer landen ja doch wieder bloß im großen Topf“, befürchtet er. Erfahrungen wie etwa mit dem gerade für die meisten Bürger abgeschafften Solidaritätsbeschlag hätten bewiesen, dass derartige Staatseinnahmen letztlich gar nicht zweckgebunden eingesetzt würden.

Vergleich mit den Zahlen aus dem Januar 2020

Derweil hat Brückner an seinem Computer die Zahlen vom Januar 2020 mit denen des aktuellen Monats verglichen und festgestellt, „dass die absolut vergleichbar sind“. Zu Beginn eines Jahres kämen sowieso weniger Menschen zum Tanken. Die einen hätten noch Urlaub und müssten nicht wieder zur Arbeit. Bei den anderen herrsche nach den Feiertagen ohnehin Ebbe im Portemonnaie.

„Und vor dem Jahreswechsel 2020/21 gab es hier auch noch einen Ansturm“, erklärt der Tankstellen-Pächter. „Wir haben gezielt Werbung damit gemacht, dass es nach dem Jahreswechsel teurer wird, zu tanken“, erläutert er. Ob seine Kunden aber nun langfristig gesehen zurückhaltender tanken würden, sei eben noch abzuwarten.

Pächterin: „Leute haben andere Dinge im Kopf“

Auch die Tankstellen-Betreiber in Werdohl wagen noch keine Bilanz in Bezug auf die CO2-Steuer. „Die Leute haben sowieso andere Dinge im Kopf. Wir haben Corona! Die Menschen sind im Homeoffice. Und da ist es sowieso derzeit etwas ruhiger bei uns“, schildert Elke Dicke, Pächterin der Westfalen-Tankstelle an der Lennestraße 17. „Und die meisten Kunden haben das in den paar Tagen noch gar nicht registriert, glaube ich, dass der Sprit jetzt etwas teurer geworden ist.“

Auch Zemir Avdibegovic von der BFT-Tankstelle am Mühlenweg 2 kann noch keinen konkreten Umsatzrückgang diagnostizieren: „Zu Beginn eines Jahres ist sowieso immer etwas weniger los“, sagt er, überlegt dann kurz und schiebt hinterher: „Aber im Augenblick ist es vielleicht doch noch etwas ruhiger als sonst im Januar.“

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