Charmanter Kontrabass in der Villa am Wall

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Stipendiat Andreas Ehelebe und Pianist Costin Filipoiu.

Neuenrade - Zu einer Charmeoffensive für den Kontrabass wurde am Montagabend in der Villa am Wall das Konzert des diesjährigen Musikstipendiaten der Märkischen Kulturkonferenz – Andreas Ehelebe.

Hervorragend begleitet von dem Pianisten Costin Filipoiu, verblüffte der 22-Jährige das Publikum mit einem hochinteressanten Rundgang durch die Klangfarben und Spielweisen dieses Instruments, das viel zu selten aus dem Schatten der Begleitung heraustritt.

Ein Klassiker von Franz Schubert stand zu Beginn auf dem Programm: Seine Arpeggione-Sonate erinnert an das gleichnamige Instrument, das der Wiener Geigenbauer Johann Georg Stauffer 1823 erfand und das nach einer kurzen Blütezeit auch wieder verschwand. Was blieb, war Schuberts Sonate, die Andreas Ehelebe beeindruckend schön auf dem Kontrabass strich.

 Ein „Gitarren-Cello“, nannte der Bassist den Arpeggione, nachdem er sich im „gemütlichen Rahmen“ der Villa entschlossen hatte, nicht nur zu spielen, sondern dem Publikum auch ein wenig zu erklären. Melodisch in gewohnten Bahnen bewegte sich auch der Kontrabassist Giovanni Bottesini, der Mitte des 19. Jahrhunderts als reisender Solist auf Kuba und in den USA auftrat und für sich ein „Konzert für Kontrabass“ und ein „Capriccio di Bravura“ komponierte. Nach Kompositionen, die den Hörgewohnheiten des Publikums entgegenkamen, spielte Andreas Ehelebe ein Pflichtstück aus seinem kommenden Bachelor-Konzert: „6 Stücke für Kontrabass solo“ von Giselher Klebe. Es bot einen faszinierenden Rundgang durch die Klangmöglichkeiten des Kontrabasses, hatte hohe technische Anforderungen an den Solisten und forderte vom Publikum ein aufmerksames, unvoreingenommenes Lauschen.

 „Das nächste Stück ist wesentlich zumutbarer“, zeigte Andreas Ehelebe Verständnis für die geringfügig erhöhten Mühen, dieses Werk zu verstehen. Das letzte Stück stammte von Frank Proto – einem jungen Bassisten, der sich ebenfalls auf seine Prüfung vorbereitet hatte und dafür kurzerhand selbst ein Stück komponierte: „Sonate 1963“ In deren zweitem Satz legte Andreas Ehelebe den Bogen beiseite und bearbeitete sein Instrument ausnahmsweise im Stil eines Jazzmusikers.

Die anderen Sätze boten sehr unterschiedliche Tempi und ein hochvirtuoses Zusammenspiel von Klavier und Bass, das aufhorchen ließ. Als Zugabe spielten die Musiker den 4. Satz des Gambenkonzertes von Johann Sebastian Bach, der auch auf dem Kontrabass eine hervorragende Figur machte.

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