Windkraftanlagen und das liebe Geld

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Renditebringer Windkraftanlage? ▪

NEUENRADE ▪ Nicht nur die Stadt Neuenrade bevorzugt das Konzept des Bürgerwindparks, auch die nordrhein-westfälische Regierung empfiehlt diese Projektform in ihrem Windenergieerlass aus dem Jahr 2011.

Als Grund nennen die Verantwortlichen immer wieder, dass lokal und regional Gewinne abfallen sollen. Doch wie hoch sind die Renditechancen für die Bürger? Und wie funktioniert dieses Anlagekonzept im Einzelnen?

„Der Anteil der Eigenmittel des Betreibers liegt in der Regel bei 20 Prozent“, erklärt Kai Hagen, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse im Märkischen Kreis. Die übrigen 80 Prozent kommen als Darlehen von der Bank.

„Wenn zum Beispiel eine Anlage drei Millionen kostet, dann müssen 600 000 Euro als Kapital eingeworben werden“, rechnet Kai Hagen vor. Hier kommen die Bürger ins Spiel: Mit von ihnen selbst gewählten Beträgen können sie sich an dem Projekt beteiligen und so in die GmbH einsteigen, die den Windpark betreibt. „Auch kleine Investoren sollten sich beteiligen können“, findet Hagen. Er hat schon viel Erfahrung mit dem Thema, zehn Bürgerwindparks hat er bereits finanziert.

Etwa fünf bis sechs Prozent Ausschüttung sind es seiner Erfahrung nach, die für die Bürger in den ersten Jahren an Rendite abfallen könnten. „Nach zehn Jahren geht das dann auch in den zweistelligen Bereich“, sagt Kai Hagen. „Dann ist das Hauptdarlehen getilgt und es bleibt mehr für die Ausschüttung.“ Wenn nach fünfzehn Jahren alle Darlehen abgezahlt sind, könnten auch 15 bis 20 Prozent Ausschüttung rausspringen. Wobei Kai Hagen zu bedenken gibt, dass die Bürger am Ende der Nutzungsdauer die ursprünglich geleistete Einlage nicht zurückbekommen.

Dass so ein Projekt funktioniert, stehe und falle mit der Auswahl eines seriösen Planungsbüros, so Hagen: „Ich kenne auch Anlagen, die nicht so laufen, wie sie sollten.“ Schuld daran seien meist Planungsfehler; auch könne das Projekt nicht laufen, wenn die Windernte zu gering ausfalle, um mit den Erträgen die Bankdarlehen abzuzahlen. „Und man sollte einen finanziell gefestigten Hersteller aussuchen“, ergänzt der Sparkassenvorstand. Denn wenn der Produzent der Windräder insolvent werde, entfielen auch alle Herstellergarantien auf die Anlagen sowie die Serviceverträge.

Die letzten Jahre seien eher windarm gewesen, berichtet Hagen. „Deshalb muss man immer vorsichtig planen und auch Reserven einbauen.“ Denn bei einem Bürgerwindpark handelt es sich um ein geschlossenes Finanzierungsmodell: Fallen die Gewinne nicht so aus wie geplant, müssten entweder die Bank oder die beteiligten Bürger Geld zuschießen. „Das sollte unbedingt vermieden werden.“

Das bestätigt auch Thomas Pfister von der Verbraucherzentrale NRW. Der Experte für nachhaltige Geldanlagen weist darauf hin, dass es riskanter ist, in Bürgerwindräder zu investieren als sein Geld bei der Bank anzulegen. „Es gibt keine Einlagensicherung“, erklärt Pfister. Bei Sparbüchern und Tagesgeldkonten seien Summen bis 100 000 Euro geschützt. „Eine Alternative, wenn man sein Geld ökologisch anlegen möchte, sind ökologische Banken“, empfiehlt er. Hier würde das Geld auch in Windparks oder Solaranlagen fließen, wäre aber geschützt.

„Ich und auch der Anleger kann keine Aussagen darüber treffen, welche Renditen für einen Bürgerwindpark realistisch sind“, sagt Pfister. Er rät den Bürgern, in jedem Fall nur entbehrliches Geld in den Bürgerwindpark zu investieren. „Man sollte auf keinen Fall seine Altersvorsorge in so einem Projekt anlegen“, warnt er.

Die Renditevorstellungen von Kai Hagen sieht er kritisch: „Solche Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen“, sagt er. „Es gibt dafür keine Garantie, weil die Rendite von so vielen Faktoren abhängt.“ Als es in der Vergangenheit windarme Jahre gegeben habe, hätten sich viele Windparkbetreiber getäuscht, was die Renditen angeht. Die Anleger müssten in jedem Fall bedenken, dass das Kapital in einem Bürgerwindpark langfristig gebunden sei. „Da sollten Sie aufmerksam in die Geschäftsbedingungen schauen, wann Sie das erste Mal kündigen können.“ ▪ Von Constanze Raidt

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