Bürgerpreis der Stadt Neuenrade geht an Friedensprojekt für Jugendliche

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Sie arbeiten für den Frieden. Das Projekt mit Sabine Protzer, Volker Grünberg, Freddy Sip, Martina Sutterlei und den Jugendlichen.

(Update)Neuenrade - Der Bürgerpreis 2017 der Stadt Neuenrade geht in diesem Jahr an ein besonderes Friedensprojekt: Die Kriegsgräberpflege in Ysselsteyn. Das Führungsteam und die Jugendlichen wurden ausgezeichnet.  

Sabine Protzer, Volker Grünberg, Freddy Sip, Martina Sutterlei erhielten als Führungsteam den Bürgerpreis und eben alle Jugendlichen, die in nunmehr 30 Jahren des Bestehens dieser Bildungsmaßnahme daran teilgenommen haben. 

Quasi stellvertretend für alle Jugendliche, die bisher daran teilgenommen hatten, nahmen gestern Karl Matyschak, Gianna Lempa, Darius Bott, Mandy Schönenberg, Raphael Vedder, Niklas Frese und Matthias Cremer-Schulte die Würdigung entgegen. Die Mitglieder des Hauptausschusses der Stadt Neuenrade hatten zuvor einstimmig für die Friedensinitiative votiert. In der Tat ist die Pflege von Kriegsgräbern eine „Arbeit für den Frieden“ wie es Bürgermeister Antonius Wiesemann bei seiner Laudatio formulierte. Denn die Jugendlichen würden durch diese Arbeit in ihrer Freizeit mit tausenden von Menschenschicksalen konfrontiert, mit dem Grauen des Krieges. Die jungen Menschen würden ihr so gestärktes Bewusstsein für den Frieden sicher weitertragen.

Seit nunmehr 30 Jahren gebe es dieses Friedensprojekt. Und dieses Team führe die Jugendliche, organisiere das Drumherum. Noch weitere Hilfe gebe es im Hintergrund. Unterstützung komme zum Beispiel auch vom Rotary Club und vielen weiteren Helfern. Sabine Protzer, die mit federführend mit dem Ysselsteyn-Projekt befasst ist, war gerührt und überwältigt. Damit habe sie nicht gerechnet, sagte sie. „Ich freue mich unglaublich über diese tolle Ehre“. Sie erinnerte in ihrer kleinen Dankesrede auch an den ursprünglichen Ideengeber, den ehemaligen Bürgermeister Hans Schmerbeck und andere Aktivisten, ließ dabei Klaus Peter Sasse nicht unerwähnt. Protzer ließ durchblicken, dass ihr Engagement auch im Sinne eines einigen Europa sei.

Durchaus politisch wurde es also an diesem Tag der Deutschen Einheit im Kaisergarten: So sprach der Stellvertretende Bürgermeister der ostdeutschen Partnerstadt Klingenthal, Gerhard Nöbel, in seinem Grußwort von den vielen Dingen, die seit der Einheit erreicht wurden, vergaß aber auch nicht, die Wahlergebnisse zu erwähnen, welche die AfD zu verzeichnen habe. Nöbel sagte, dass daher Veranstaltungen wie dieser Tag der Einheit wichtig seien. Dabei könnten die jungen Menschen daran teilhaben wie die Älteren die Wende erlebt hätten.

Nöbel zitierte auch den Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer vor dem Hintergrund der jüngsten Wahlergebnisse. Der hatte moniert, dass viele offenbar nicht sehen würden, was schon alles im Osten geleistet worden sei. Und das mit viel Solidarität aus dem Westen. Nöbel (CDU) sagte zudem: „Das Wahlergebnis hat uns sehr erschreckt.“

Neuenrades Bürgermeister Antonius Wiesemann hatte zum Tag der Deutschen Einheit viel Lob für den verstorbenen Altkanzler Kohl und dessen Leistung für die Einheit Deutschlands und Europas übrig. Die Wiedervereinigung sei gelungen. Deutschland gehe es gut und man dürfe dankbar sein, in diesem Staat zu leben. Und zur Prosperität trügen engagierte Bürger bei. Und das würden sie nicht nur auf Bundesebene tun sondern eben auch in Neuenrade. Und hier vor Ort sei auch alles bestens: Neuenrade stehe gut da. Besonders lobte er die Neuenrader Schulen: Bestens ausgestattet mit Top Noten durch die Bezirksregierung. Und, dass Neuenrade so gut dastehe, liege eben auch am Engagement vieler Bürger für ihre Stadt.

Dabei appellierte der Bürgermeister zwischenzeitlich in seiner Rede immer wieder an die jungen Neuenrader, sich einzubringen.

Apropos Engagement: Der Bürgermeister hatte noch einige Leute, die er für ihr Engagement lobte und nach vorne holte: Dr. Rolf Dieter Kohl, der seit zig Jahren als Stadtarchivar und Mitbegründer des Stadtmuseums, als Vorsitzender des Heimatvereins und der Bürgerstiftung wertvollste Arbeit für die Gemeinschaft leistet.

Höchstes Lob gab es auch für Dietrich Maurer (krankheitsbedingt nicht anwesend), der über Jahrzehnte im Rat nicht nur als Mitglied der Grünen das Thema Umweltschutz in Neuenrade in den Fokus rückt. Wiesemann bezeichnete Maurer als Querdenker, dessen Meinung parteiübergreifend Gewicht habe und der auch vorlebe, was er sage. Maurer habe für die Büchertauschbörse gesorgt oder den Walderlebnispfad wiederbelebt.

Dass sich junge Menschen engagieren, hob der Bürgermeister durch die Belobigung von Kevin Vogel hervor. Der Stadtjugendfeuerwehrwart – Gründungsmitglied dieser wichtigen Jugendorganisation, kümmere sich seit Jahren um den Feuerwehrnachwuchs Belobigt wurde auch Joel Prinz, der die Rabenkrähe Rudi, Wildkaninchen Alf und Rehkitz Feline aufzog und sich „mit ganzer Kraft für die Natur“ einsetzt. Dabei sei beachtenswert, dass er das auch weitergebe an Jüngere: In der Stadtbücherei gibt er einmal pro Monat das Kinderseminar Naturforscher.

Das Publikum im brechend vollen Kaisergartensaal jedenfalls würdigte die ehrenamtliche Arbeit der Neuenrader mit viel Applaus. Während der Veranstaltung gab es auch ein Musikprogramm, das die Musiker des Musikvereins Affeln gestalteten. Es gab aber auch Auftritte von Kyra Zauner und Viviane Heyn, die als Duo das Stück Skyfall sangen. Viviane Heyn präsentierte zudem noch ein Solo-Stück.

  

Peter von der Beck

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