Zeitfenster für Veränderungen einräumen

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Zwei Männer mit Entertainerqualitäten: Bürgermeister Klaus Peter Sasse auf dem altrosafarbenen Sofa und Ludger Heitmann als Moderator.

NEUENRADE ▪ Er war der dritte Peter, der dritten „Rosa-Sofa“-Veranstaltung des forumneuenrade, der am Dienstagabend auf der altrosafarbenen Couch in der Villa am Wall Platz nahm –Bürgermeister Klaus Peter Sasse stellte sich vor einem etwa 30-köpfigen Publikum den Fragen von Moderator Ludger Heitmann. Die Vornamen-Gleichheit sei allerdings reiner Zufall, stellte der Gastgeber klar. Demzufolge waren auch die Fragen nicht dieselben, die der Moderator den Vorgänger-Petern gestellt hatte.

Einen großen Teil des Interviews beherrschte die geplante Umgehungsstraße, sowie die Neugestaltung der Ersten Straße. „Ich bin ein Befürworter der Umgehungsstraße“, sagte der Erste Bürger der Stadt. Doch nach wie vor heißt es: abwarten. Die Landesregierung will im Herbst final entscheiden, ob die Maßnahme realisiert wird. „Und der Herbst geht bis zum 21. Dezember“, muss sich auch der Bürgermeister in Geduld üben. Dass die neue Straße die Lebensqualität der in direkter Umgebung wohnenden Neuenrader beeinträchtigen könnte, glaubt Sasse nicht. Entgegen anders lautender Gerüchten wird er im Fall einer Realisierung auch nicht aus seiner Straße wegziehen. „Direkt vor deiner Haustür soll die Umgehungsstraße herführen“, sagte Heitmann. Doch Sasse betonte: „Da, wo ich jetzt wohne, lebe ich seit meinem sechsten Lebensjahr. Ich fühle mich da wohl und will auch nicht weg.“ Zwar gibt er zu, durchaus ein unangenehmes Gefühl gehabt zu haben, dennoch vertraut er den Verkehrsplanern, die davon überzeugt sind, dass die Lärmschutzmaßnahmen greifen werden. „Ich freue mich auf die Umgehungsstraße – auch hinter meinem Haus“, betonte Sasse.

Bezüglich der Ersten Straße stellte der Bürgermeister, wie bereits bei einer öffentlichen Versammlung im Kaisergarten vor einigen Wochen, noch einmal klar, dass er die Stadt in der Vorreiterrolle sieht. „Man muss der Stadt ein Zeitfenster einräumen, um etwas zu verändern“, appellierte er an die Versammlung. In einem ersten Schritt will die Verwaltung das Ambiente der Ersten Straße verbessern. Das hässliche Pflaster soll ausgetauscht, die Straßenbeleuchtung verschönert und der Gehweg verbreitert werden. Das Stadtoberhaupt verspricht sich davon, dass der ein oder andere Einzelhändler oder Vermieter merkt, dass die Stadt etwas tut, und dann nachzieht. Sicher sei allerdings: „Die Einzelhandelsstruktur wird sich verändern“. Parkplätze direkt vor den Geschäften – wie beispielsweise in der Nachbarstadt Balve – sind in Neuenrade nicht umzusetzen. Die bestehenden Parkplätze direkt hinter der Ersten Straße haben aufgrund ihrer nahen Lage zur Einkaufsstraße dennoch Potenzial. „Deshalb laufen erste Überlegungen, die Durchlässigkeit von den Parkmöglichkeiten zu verbessern.“ Positiv sei in diesem Zusammenhang, dass Neuenrade im Vergleich zu anderen Kommunen zwar ebenfalls Bürger verliere, „aber wir verlieren wenig. Wir liegen hier an der Spitze und halten die Substanz“, sagte Sasse. Zudem seien die Strukturen „gesund“. Mehr als 100 Arbeitsplätze seien in den zurückliegenden Monaten geschaffen worden.

Erledigt hat sich für den Bürgermeister das Thema „Dichtigkeitsprüfung“. Nachdem ein neues Gesetz besagt, dass nur noch in Wasserschutzgebieten entsprechende Prüfungen durchzuführen sind, oder, wenn Kommunen dies verlangen, geht Sasse davon aus: „Ich glaube, das Thema ist erstmal vom Tisch.“ Er könne sich nämlich nicht vorstellen, dass es im Rat der Stadt eine Mehrheit dafür gibt, die sage: „Jetzt wollen wir unsere Bürger ärgern“.

Zum Stand der Planungen hinsichtlich eines Neuenrader Museums sagte Sasse: „Es ist spruchreif. Aber ob es gelingt, steht noch nicht fest.“ Dennoch, die Idee sei geboren, wichtige Urkunden zur Stadtgeschichte in einem modernen Konzept zu präsentieren. Die Industriegeschichte solle in einem weiteren Part dargestellt werden, der sich Informationen über die Historie der Hönnetalbahn anschließen würden, die letztendlich den Grundstein für die Entwicklung der Industrie in der Stadt legte. Einzelausstellungen zu verschiedenen Themen könnten das Neuenrader Museum dann auch komplettieren. „Wenn wir die Finanzierung hinkriegen, folgt die Umsetzungsphase“, so Sasse.

Von Susanne Riedl

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