Kommunalwahl 2020

Bürgermeister-Kandidat Jan Schäfer im Porträt

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Jan Schäfer wandert gerne. Auch in den heimischen Wäldern.

Neuenrade – Jan Schäfer hält sich gerne im beschaulich-schönen Blintrop auf. Blintrop ist der kleinste Ortsteil Neuenrades, zählt gerade mal 360 Einwohner.

Die Häuser des Dorfes ziehen sich an den beiden Hauptstraßen entlang, die sich natürlich halbwegs in der Mitte kreuzen. Üppige ländliche Anwesen gibt es hier genauso wie das beschauliche Einfamilienhäuschen. Jan Schäfer mag es ländlich und er mag seine Schwiegereltern, deshalb kommt es nicht von ungefähr, dass er sich gerne dort aufhält. Hinter dem Haus gibt es eine große Terrasse, dort sitzt Jan Schäfer gerne. Hier, am Rande des Borketals, ist es extrem ruhig und Schäfer hat er einen schönen Ausblick ins Grüne. Sein Polo GTI parkt vor der Tür. 

Jan Schäfer kandidiert am 13. September bei der Kommunalwahl erstmals für das Bürgermeisteramt in Neuenrade. Als FDP-Kandidat geht er ebenso wie Thomas Wette (SPD) als Herausforderer gegen Amtsinhaber Antonius Wiesemann (CDU) ins Rennen. Schäfer, von Beruf Polizeikommissar, ist mit seinen 29 Jahren der jüngste der drei Bürgermeisterkandidaten. Mehrere Generation trennen ihn von den anderen Bewerbern. 

Neuer Lebensmittelpunkt ist Neuenrade

Schäfer stammt ursprünglich aus Menden und hat nun seinen Lebensmittepunkt in Neuenrade gefunden. Als klar war, dass seine Frau (Chiara Schäfer arbeitet bei einer Stadtverwaltung) beruflich in der Nähe bleibt, hat sich das Ehepaar vollends in der Hönnestadt niedergelassen und „hier festgesetzt“. Nach Menden will Schäfer nicht wieder zurück. „Ich bin da mal zu Besuch, das war es aber auch“, sagt er. Inzwischen sei ja klar, dass sein Lebensmittelpunkt eindeutig Neuenrade sei. Chiara und Jan Schäfer kennen sich schon lange, seit fünf Jahren sind die beiden verheiratet. Beide sind in der FDP. 

Die Schäfers repräsentieren mit ihrem Leben eine Generation: Mit beiden Beinen im Berufsleben, recht gut situiert und reisefreudig. Jan Schäfer gewährt einen Einblick in sein Privatleben: „Wir reisen gerne. Meine Frau und ich haben das Reisen für uns entdeckt.“ Und er hat schon einiges aufzuzählen: Island, Namibia. Schottland und Costa Rica gehören dazu – also nicht die klassischen Mainstream-Destinationen wie Mallorca oder Kroatien. Da ist schon ein bisschen Abenteuer dabei. 

An Land, Leuten und Natur interessiert

Dazu wandert das junge Ehepaar sehr gerne. „Wir sind an Land, Leuten und Natur interessiert“, sagt Jan Schäfer. Und sie verschmähen deutsche Reiseziele nicht. Im Gegenteil: So waren sie schon mal für vier Tage zum Wandern im Naturpark Eifel. Für Jan Schäfer hat das Reisen und Wandern durchaus seine Bedeutung: „All das ist auch eine Erweiterung des Horizontes. Es ist interessant zu sehen, wie es andere machen“. Costa Rica, so erwähnt er, decke zum Beispiel 99 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien. 

Der Bürgermeisterkandidat hat neben dem Wandern noch eine besondere Vorliebe: „Meine Leidenschaft ist die Musik.“ Insbesondere ein Genre hat es ihm angetan. „Es geht dabei schon in Richtung Heavy Metal.“ Drei Mal war man schon in Wacken. Das ist jenes legendäre Dorf in Schleswig-Holstein, das einmal im Jahr ein spezielles Festival anbietet und von zig Metal-Fans besucht wird. 

Arbeit bei der Polizei ein Kindheitstraum

Es gibt aber auch den ganz anderen Jan Schäfer, den Polizisten: Er hat sich früh dafür entschieden, es ist eine Art Kindheitstraum. Immer schon habe er gesagt: „Wenn ich Abi mache, dann werde ich auf jeden Fall Polizist.“ Und er hat das durchgezogen: „Ich habe mich überall beworben: In Hessen, Niedersachsen, bei der Bundespolizei und in Nordrhein-Westfalen. Hier hat es gleich geklappt. Häufig ist es ja Familientradition, wenn jemand Polizist wird. Bei mir ist das gar nicht so. Ich wollte vor allem eine abwechslungsreiche Arbeit und ich wollte auch einen gesellschaftliche Beitrag leisten. Jeden Tag in irgend ein Büro zu gehen, das hätte ich mir nie vorstellen können“, sagt Schäfer. Und der Beruf als Polizist sei so vielfältig: „Man weiß nie, was der Tag bringt. Ich würde diesen Job wieder ergreifen.“ 

Wer hierzulande Polizist werden will, muss nach dem Aufnahmetest auch die Uni meistern. Schäfer absolvierte ein duales Studium, ein Verwaltungsstudium mit der Fachrichtung Polizei. Er hat seinen Bachelor an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Hagen gemacht. 

Berührt von den jüngsten Diskussionen

Schäfer, der den Beruf des Polizisten aus Idealismus ergriffen hat, ist von den jüngsten Diskussionen um die Polizei berührt: Da geht es um strukturellen Rassismus in der Behörde, also das Ansehen der Polizisten. Die viel diskutierte Glosse in der Zeitung Taz, die Polizisten mit Müll vergleicht zählt sicher dazu. All das ärgert Schäfer durchaus, doch er bleibt sachlich: „Klar, die Diskussionen lassen einen nicht kalt.“ Struktureller Rassismus, diesen Vorwurf hält er für eine Pauschalisierung. Die Polizei sei ein Querschnitt der Gesellschaft. Es gebe daher auch Vorfälle, aber das seien Einzelfälle. Diese Debatte sei „aus den USA herübergeschwappt“. „Das kann man nicht übertragen, unsere Strukturen nicht vergleichbar. Man schafft ein Problem, das eigentlich gar nicht da ist“, sagt Schäfer. Wenn etwas schief laufe, so werde es doch aufgedeckt und es werde doch auch ermittelt. Er jedenfalls sehe Kollegen, die sich einsetzten und auch mehr machten. Für ihn ist die Diskussion unfair und pauschal. 

Jan Schäfer sieht auch einen Unterschied von städtischen Ballungszentren zum ländlichen Raum. So sei der Zuspruch zur Polizei auf dem Land sicher gegeben: „Ich habe auch hier Gewalterfahrung gemacht. Doch vom Gefühl her kann ich sagen, dass der Zuspruch der Bevölkerung da ist.“ 

Gerne auf der Straße im Einsatz

Schäfer ist heimatverbunden. Als es seinerzeit darum ging, Wünsche zu äußern, entschied er sich zum einen für die Schutzpolizei und zum anderen wollte er im Märkischen Kreis bleiben und arbeitete zum Beispiel schon in Hemer. Schäfer freut sich, Polizist zu sein. Gerade weil ihm auch die Arbeiten auf der Straße „so viel Spaß macht“. Er könne viel helfen. Das Spektrum reiche dabei von der Aufnahme eines Verkehrsunfalls bis hin zur Hilfe bei häuslicher Gewalt. Die Arbeit bei der Polizei hat seine Erwartungen erfüllt – auch wenn es nicht immer ungefährlich ist. Seine Frau Chiara vertraut ihm da: „Jan meistert das und passt auf sich auf.“ Eine restunsicherheit aber bleibt. „Deshalb lege ich Wert darauf, immer im Guten mit meiner Frau auseinander zu gehen. Denn man weiß nie, wie der Dienst wird.“ 

Für Politik musste man Jan Schäfer nie motivieren – er war immer politisch interessiert und sympathisierte auch schon immer mit den Liberalen. Doch der konkrete Einsatz für diese Partei kam erst später. Eine gewisse Rolle hat wohl auch Michael Hammer gespielt. Der ist ebenfalls Polizist und Arbeitskollege. Hammer engagierte sich erst bei der Freien Wählergemeinschaft Neuenrade, wechselte dann aber samt Ratsmandat zur FDP und ist dort jetzt Vorsitzender des Ortsverbandes Neuenrade. 

Eine Freundschaft hat sich entwickelt

Zu Michael Hammer entwickelte sich neben der beruflichen Beziehung auch eine Freundschaft. Und so wollte Schäfer auch irgendwann aktiv werden in der FDP Neuenrade und entschloss sich zur Kandidatur. Jedoch nicht ohne sich mit seiner Frau abgesprochen zu haben. Sein Umfeld war dabei durchaus überrascht – wie seine Kollegen. „Gleich im zweiten Satz hieß es dann: Ja, finden wir gut. Das können wir uns auch vorstellen.“ Dass er als Außenseiter ins Rennen geht, ist ihm bewusst. Aber das sei ja mal ein Generationswechsel. So könne man Zukunft gestalten. Und die FDP habe auch junge und motivierte Leute in ihren Reihen, das jüngste Mitglied sei 19 Jahre alt. 

Politik war und ist nun auch noch mehr Teil seines Privatlebens. Mit Freunden diskutiert er, durchaus politisch auch mal mit der Familie beim Grillen oder wenn man eben so zusammensitze. 

Experte in Sachen Sicherheit

Dass der Bürgermeisterkandidat Schäfer Polizist ist, macht ihn in Sachen Sicherheit durchaus zum Experten. Nicht von ungefähr hat man sich seitens der FDP, die über eine gewisse Konzentration im Polizeiberuf verfügt, Gedanken gemacht zur Sicherheit in Neuenrade. Vor allem vor dem Hintergrund der Serie von Sachbeschädigungen im Städtchen und wie man dem Einhalt gebieten könnte, gab es einen Vorstoß, den sich natürlich auch Schäfer zu eigen macht. 

So befürwortet er die Ordnungspartnerschaft zwischen Polizei und Ordnungsamt und befürwortet Videoüberwachung. Zudem ist Schäfer für einen zweiten Bezirksdienstbeamte, der derzeit in Neuenrade fehlt. Schäfer hält gerade das für elementar. „Diese Beamten sind ein wichtiges Bindeglied, es ist eine wichtige Stelle. Damit könnte man mehr Präsenz in der Stadt zeigen“, betont der 29-Jährige. Die Aufgabe als Bezirksbeamter sei nicht zu unterschätzen und es sei schwierig in Neuenrade mit nur einem Beamten zu agieren. 

Schwerpunkte sollten gesetzt werden

Bei der Ordnungspartnerschaft gelte es eben Schwerpunkte zu setzen; vielleicht in den Abendstunden und an den Wochenenden. Das könne man verbessern und verstärken. Generell sei aber das Verhältnis gut, die Wege seien kurz. 

Was die Angelegenheit mit der Videoüberwachung anbelangt, so ist die Aussage des liberalen Bürgermeisterkandidaten klar: „Ich bin gegen eine flächendeckende Überwachung. Besser ist die anlassbezogen Videoüberwachung einzusetzen.“ Er sieht das pragmatisch: „Es ist ein Mittel.“ Es gebe schließlich auch in Neuenrade Angsträume – auch da könne man mal was aufstellen. 

Management einer Kleinstadtverwaltung

Schäfer macht sich nicht bange vor dem Management einer Kleinstadtverwaltung, sollte er die Wahl gewinnen. Da verweist er auf sein Fachstudium – auch wenn er das in der Fachrichtung Polizei abgeschlossen habe. Und so kann er auch etwas zum städtischen Haushalt in Coronazeiten sagen: „Das wird schwierig. Ein pessimistischer Plan liegt auf der Hand. Doch Neuenrade hat viel Eigenkapital, mehr Eigenkapital als andere Städte.“ Zudem gebe es viel mittelständische Industrie, die Handlungsspielräume seien größer. Es gelte daher „eine Lage zu schaffen“, dass sich die Menschen in der Hönnestadt wohlfühlten und wohnen bleiben möchten. Dafür der Bildungsbereich und die die Möglichkeiten für die Jugend gestärkt werden. Ansonsten würde er die Stadt Neuenrade situationsabhängig steuern. „Wir wollen es mit Sinn- und Verstand und zusammen mit allen anderen Parteien. Jeder hat gute Ideen. Wir müssen Kompromisse finden und umsetzen. Wir müssen sachpolitisch agieren“, sagt Schäfer. 

Sein Ziel: „Neuenrade soll für Bürger attraktiv bleiben, trotz des prognostizierten demografischen Wandels und der negativen Einwohnerentwicklung.“ Man müsse mehr machen, auch außerhalb von Fördermaßnahmen und besser sein als andere Städte in der Umgebung: „Wir müssen uns mehr trauen. So eine Stadt ist kein Unternehmen. Wir sollten ruhig mal Geld aufnehmen, wir haben negative Zinsen.“ 

Schäfer sieht sich als Moderator

Um all das auszuhandeln würde er als Moderator agieren. „Ich bin für ein Miteinander. Die gesamte Diskussionskultur sollte anders sein. Und am Ende soll die beste Lösung gewinnen. Ich bin eher an der Sache orientiert und agiere nicht nach Parteilinie“, sagt der 29-Jährige entschlossen. 

Und er sei vor allem für Transparenz, für die frühzeitige Beteiligung der Menschen. So könne eine deutlich größere Akzeptanz geschaffen werden. Möglichst viel soll daher im öffentlichen Teil der Rats- und Ausschusssitzungen verhandelt werden. Und auch aus Bevölkerung kämen gute Ideen. Die Bürger gelte es verstärkt zu beteiligen, eben auch für dauerhafte Projekte.

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