Kommunalwahl 2020

Bürgermeister-Kandidat Jan Schäfer im Interview

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Jan Schäfer tritt erstmals für die FDP als Bürgermeister-Kandidat in Neuenrade an.

Neuenrade – Drei Bewerber bemühen sich um das höchste Amt im Neuenrader Rathaus. Alle stellen sich im Vorfeld der Wahl den Fragen der SV-Redaktion. Hier: Herausforderer Jan Schäfer (FDP).

Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) will wieder gewählt werden und tritt noch einmal an. Auch ein alter Bekannter bewirbt sich noch einmal. Thomas Wette (SPD) möchte ins Bürgermeisteramt. Er ist 2009 schon einmal angetreten. Der dritte Kandidat ist Jan Schäfer (FDP), der 29-jährige Polizist will ebenfalls an die Spitze der Neuenrader Verwaltung. 

Alle drei kommen im großen SV-Interview zu Fragen zu ausgewählten Neuenrader Themen zu Wort. Heute: Jan Schäfer. 

Arbeitsplätze, Einzelhandel, Industrie, Gastronomie, Infrastruktur: Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Wirtschaft in Neuenrade zu stärken? 

Die Stadt muss ausreichend Gewerbeflächen in unterschiedlichen Größen vorhalten, bei denen auch die Möglichkeit besteht, diese Flächen zu kaufen und nicht nur zu mieten. Wenn keine Flächen vorhanden sind, werden sich auch keine Unternehmen oder Unternehmensgründer hier ansiedeln. Die Betreuung der Unternehmen muss besser sein als in anderen Städten, um den Wettbewerb für sich zu entscheiden. Mit dem durch private Investoren verlagerten Stadtkern ist ein guter Schritt für die Entwicklung getroffen worden. Auch die Ausweitung des Kerns durch das Projekt Niederheide ist positiv für Neuenrade. Die Stadt sollte aber durch eigene Investitionen selbst einen Beitrag leisten, die Innenstadt aufzuwerten. Je attraktiver die Stadt, umso mehr Kaufkraft (Einzelhandel, Gastronomie) bleibt in Neuenrade. Es ist natürlich leicht zu sagen, man kann für dieses und jenes in andere Städte fahren. Aber die Bürger sollen sich hier wohlfühlen. Damit diese auch hierbleiben wollen. Wer in Neuenrade arbeitet und sich hier wohlfühlt, wird in Neuenrade auch sesshaft werden. 

Lokale Familienpolitik: Was ist hier für Neuenrade nötig, gibt es etwas zu verbessern? 

In Neuenrade sind Baugrundstücke knapp. Daher muss es ein Ziel sein, den Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich in Neuenrade ansiedeln zu können und Wohngebiete zu erweitern. Des Weiteren sollten Betreuungszeiten in der Kita so sein, dass diese auch attraktiv für berufstätige Eltern sind. Die Betreuung und Aktionen im Rahmen des Zelius (Gruppe Naturforscher, „Game-Nachmittage“, usw.) und durch Vereine sind gut. Daran muss man anknüpfen. 

Was tun Sie, um den Zusammenhalt der Neuenrader zu fördern. Stichwort Moscheebau, Integration und das Verhältnis Kernstadt und Dörfer? 

Integration ist grundsätzlich keine Einbahnstraße. Die Stadt Neuenrade, mit einer ganzen Reihe von ehrenamtlichen engagierten Helfern, gibt sehr gute Möglichkeiten, sich zu integrieren. Diese Möglichkeiten müssen auch genutzt werden und gewollt sein, damit die Integration funktioniert. Das funktioniert nur, wenn von außen Hilfe kommt und diese von innen auch angenommen und respektiert wird. Dann gelingt die Integration. Bezüglich des Moscheebaus sind Kompromisse getroffen worden. Zum einen die Verlagerung aus der Kernstadt hin zum Schöntaler Weg, sowie die Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes. Für die Stadt Neuenrade gilt bei der Genehmigung nur das Baurecht. Moralische Bedenken spielen bei der Genehmigung keine Rolle, auch wenn man geteilter Meinung sein kann. Neuenrade und seine Dörfer sollte man als Ganzes betrachten. Beispielsweise fördern gegenseitige Besuche von Veranstaltungen das Miteinander in unserer Stadt und unterstützen ein friedliches Miteinander und Kennenlernen, sodass auch Bürger, die zugezogen sind, schnell ein Heimatgefühl empfinden und hier bleiben wollen. 

Jugendförderung (15 bis 20-Jährige): Wie ist das Angebot, welche Möglichkeiten sehen Sie? 

Ich finde, dass die Mitarbeiter des Jugendzentrums und die Verantwortlichen des Jugendnetzwerks Neuenrade gute Arbeit mit viel Herzblut machen. Allerdings müssen die Grundvoraussetzungen durch die Stadt deutlich verbessert werden. Beispielsweise gibt es kaum eine Möglichkeit für Jugendliche, außerhalb weniger Veranstaltungen, sich abends zu treffen und auch zu feiern. Daher müssen Jugendliche oft auf das Schulgelände der Hönnequell-Schule und den Stadtpark ausweichen. Durch das auf dem Land schlecht ausgebaute Netz im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist es auch nicht so einfach, in andere Städte zu gelangen. Ich möchte aber vor allem eines: Jugendliche sollen sich in Neuenrade wohlfühlen. Es ist natürlich nicht möglich, das Angebot einer Großstadt zu bieten. Aber auch in Neuenrade geht deutlich mehr. Wir könnten uns daher zum Beispiel die Etablierung eines Jugendcafés in Neuenrade vorstellen. Sportvereine haben ebenfalls eine wichtige Aufgabe. Dort haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Sportarten auszuüben und ihre Freizeit vielseitiger zu gestalten. Dies ist fast ausschließlich durch Ehrenamtliche möglich. Die finanzielle Förderung der Vereine ist daher sehr wichtig und in der Vergangenheit zu kurz gekommen. 

Medizinische Versorgung: Ist mit dem MVZN nun der Stein der Weisen gefunden? 

Das MVZN wird mit dem neuen Standort Hinterm Wall ein guter Baustein in der Gesundheitsversorgung unserer Stadt werden. Natürlich lässt sich durch ein Medizinisches Versorgungszentrum das Problem der Gesundheitsversorgung in Neuenrade nicht komplett beseitigen. Neben dem MVZN brauchen wir weiterhin Ärzte, die sich hier niederlassen (außerhalb des Versorgungszentrums). Einem Arzt im Angestelltenverhältnis fällt es leichter, zu einer anderen Einrichtung zu wechseln, als Ärzten die sich hier niedergelassen haben und zum Beispiel Eigentum haben. Ein ausgeglichenes Verhältnis ist daher sehr wichtig. 

Lokale Klimapolitik: Welche Ansätze haben Sie? 

Jede Kommune sollte seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der Energiewandel ist unumgänglich und alternativlos. Man sollte diesen Wandel aber mit Sinn und Verstand vollziehen. Ein Energiemix ist dabei ein entscheidendes Kriterium. Neuenrade hat viel ungenutztes Potenzial bei der Fotovoltaik als Energieträger. Hier sollte geprüft werden, welche städtischen Gebäude sich als Standort eignen. Des Weiteren ist die Windkraft ein zweiter wichtiger Energieträger. Hier sollten jedoch sinnvolle Standorte gewählt werden. Das bedeutet mit einem möglichst geringen Eingriff für Mensch und Natur. Beim Klimaschutz sollte der Umweltschutz nicht unberücksichtigt bleiben. Leider ist dies bei dem Standort Kohlberg passiert. Falls man sich dann noch für die unsinnige Lösung der Umgehungsstraße entscheidet, wäre die Natur von Neuenrade nachhaltig geschädigt. Das Kapital der Stadt Neuenrade ist die Natur. Und dieses Kapital sollte man schützen. Weiterhin zeigen die Verkaufszahlen der E-Bikes, dass viele Menschen auf das Rad umsteigen. Der Ausbau der Radwege, auch mit Anbindung an andere Städte, wäre eine gute Möglichkeit dies weiter zu fördern. 

Um die Stadtfinanzen ist es durch die Corona-Krise schlecht gestellt: Wie wollen Sie das städtische Angebot für den Bürger aufrecht erhalten? 

Neuenrades Finanzlage ist im Vergleich zu anderen Städten im Verhältnis gut. In den letzten Jahren (zum Beispiel 2019 ein Plus von 2 Millionen Euro) konnte man Überschüsse erwirtschaften. Man muss am Ende des Jahres zunächst sondieren, wie sich die Einnahmen der Stadt tatsächlich entwickeln. Des Weiteren wurden durch die Landesregierung Fördergelder in Aussicht gestellt. Daher gibt es erst einmal keinen Grund „den Kopf in den Sand zu stecken“. Man darf nicht den Fehler machen, aufgrund der Pandemie keine Investitionen zu tätigen. Falls man dies tut, wird sich die Einwohnerzahl in Neuenrade stärker verringern und auch Unternehmen werden abwandern. Dadurch werden die Einnahmen der Stadt noch weiter sinken und somit auch die Möglichkeit Investitionen zu tätigen. Man würde so in einen „Teufelskreis“ geraten. 

Wo sehen Sie Neuenrade in fünf Jahren? 

Das ist natürlich abhängig vom Wahlergebnis und somit von Entscheidungsträgern. Bei einer positiven Entwicklung haben wir sinnvoll getätigte Investitionen in der Kernstadt und auch auf den Dörfern, auf die wir stolz sein können und um die uns andere Städte beneiden, sodass wir die Menschen in unserer Stadt halten und neue Menschen zu uns kommen, weil wir eine Stadt haben, in der man sich wohlfühlt. Sollten die jetzigen Verantwortlichen wieder gewählt werden, dann stehen wir da, wo wir jetzt auch stehen...

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