Kulturgut

Buch über die Heimat auf plattdeutsch: Niggenraoe und Wibelwää

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Das Buch

Neuenrade – Hürin, Niggenraoe und Wibelwää: Keine Fantasienamen, sondern alte Namen, die kaum jemand mehr kennt. Ein Buch macht sich auf die Spuren der plattdeutschen Ortsnamen.

Viel Arbeit steckt in dem rund 220 Seiten starken Buch, das im Woll-Verlag erschienen ist. Paul Hufnagel hat 1500 sauerländische Ortsnamen in plattdeutscher Sprache gesammelt und dokumentiert – von Städten und Orten des Hochsauerlandkreises über den Märkischen Kreis bis zum Kreis Soest. Hinzu kommen 160 historische Fotos. 

Sechs Jahre sind vom Beginn der Recherche bis zum fertigen Buch vergangen. Für Neuenrade, oder besser gesagt „Niggenraoe“ (eine von sieben Varianten), hat ihm der ehrenamtliche Stadtarchivar und Plattdeutsch-Freund, Dr. Rolf Dieter Kohl, geholfen. Auch Fotos zur Illustration Neuenrades hat er besorgt. Das Titelbild des Büchleins ziert sogar eine alte Fotografie vom Neuenrader Rathaus.

Dr. Rolf Dieter Kohl

Es ist schon eine erstaunliche Fleißarbeit, die der Mann aus Eslohe gemeistert hat. Jede Menge Recherche war nötig, um die plattdeutschen Ortsnamen herauszufinden.

"Ein Kulturgut, das nicht in Vergessenheit geraten sollte"

Der Grund für Hufnagels Engagement: „Diese historisch gewachsenen Namen sind ein Kulturgut, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.“ Zudem gibt es in den plattdeutschen schriftlichen Aufzeichnungen nur wenige Ortsbezeichnungen. Ein intensiver Austausch mit Heimatforschern und Plattdeutschexperten erfolgte. 

Dass das Sauerländer Platt auf bestem Wege ist, auszusterben, hält Hufnagel für wahrscheinlich. Bei seinen Recherchen hat er festgestellt, dass die Zahl der plattdeutschen Kreise abnimmt und dass jene, welche die Sprache sprechen, schon recht alt sind. Wer wisse schon, wie es in zehn Jahren um die Sprache aussehe?, fragt Hufnagel. Er hofft, dass der eine oder andere Jüngere durch das Buch den Bezug zur Sprache seiner Vorfahren findet.

Dass es von einem Ort mehrere Namensvarianten gibt, hat auch seinen Grund. Denn häufig wurde damals im nächsten Tal oder Dorf schon wieder eine andere Plattvariante gesprochen. Hufnagel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Fehlerlosigkeit. Mancher plattdeutsche Ortsname ist wohl schon im Strudel der Geschichte verschwunden. 

So lauten die plattdeutschen Namen

Blintorf, Kundtorf, Ollenaffeln, Affelen: So heißen die plattdeutschen Namen der Neuenrader Ortsteile. Die Nachbarstadt Balve hat auch ein paar hübsche plattdeutsche Namen: Birmen, Boineln, Frolingkusen. Schön ist auch Hürin für Höveringhausen. In Werdohl gibt’s Namen wie Disselnbliäk oder Lurrmet. Nachrodt-Wiblingwerde glänzt mit Aohöhn, Jörsche (Oevenscheid) oder Wibelwää. Altenaer Ortsteile nennen sich auf Platt Äwink, Doohle oder Nettensch

Wer Anregungen hat oder konkrete Informationen zu Orten, soll sich per E-Mail bei Paul Hufnagel melden: paulhufnagelco@aol.com. 

von Peter von der Beck

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