95 Britische Pferdestärken: Neuenrader fährt MG B

Peter Elmer schätzt die übersichtliche Steuerung seines Roadsters. Für die Elektrik aus dem Jahre 1963 sind drei Kippschalter ausreichend. - Fotos: Schnücker

NEUENRADE - Überzeugte Autofans scheuen keinen Weg, um ein ganz besonderes Auto zu erwerben. Einer von ihnen ist Peter Elmer. Der jetzt im Ruhestand lebende Kfz-Meister ist ein Freund englischer Autos, seinen einstigen Beruf hat er kürzlich zum Hobby gemacht. Vor wenigen Tagen ist er über den Ärmelkanal von der großen Insel zurück gekehrt - und zwar mit einem MG B, Baujahr 1963, den er in der Nähe der Stadt Peterborough erwerben konnte.

Der knallrote Roadster steht inzwischen in seiner Garage und wartet darauf, dass der TÜV seinen Segen gibt, damit er auch auf deutschen Straßen gefahren werden kann.

Die Liebe zu Automobilen Made in England kommt bei Peter Elmer nicht von ungefähr. Im benachbarten Lüdenscheid führte er 34 Jahre die freie Werkstatt „Auto-Allrad Elmer“. Zum Blickfang vor seiner Werkstatt wurde ein Land-Rover, der eigentlich als Abschleppwagen gedacht war. Anfang der 80er Jahre setzte der Geländewagenboom ein, dass Offroad-Feeling kam auf. Viele Kunden kamen mit ihrem britischen Auto und erkundigten sich nach Service- und Reparaturarbeiten. Peter Elmer und seine kleine Werkstatt mit dem passenden Werkzeug wurden bei Freunden englischer Autos bekannt, Insider bezeichneten seine Dienstleistungen als „very british“. Für ihn war das eine Art Markenzeichen, das Garant für neue Kunden war. Ob MG, Mini, Morris, Triumpf oder sogar Jaguar: Britische Autos standen für ihre Wartungen und Reparaturen in seiner kleinen Werkstatt.

Mit Eintritt in den Ruhestand hat Peter Elmer seine Leidenschaft für den zweisitzigen MG-Roadster mit übernommen. Der Duft von Benzin und sportlichem Fahrgefühl ohne viel Komfort hat ihn nicht mehr losgelassen. Er mag den MG, auch wenn der jetzt erworbene rote Flitzer weder über ABS, EPS, Airbags, noch über Sicherheitsgurte verfügt – Außenspiegel müssen nachträglich eingebaut werden. Aber auch den trockenen britische Humor hat Peter Elmer übernommen. Selbst der Tatsache, dass der Roadster („Der fährt sich wie ein Gokart“) das Steuer auf der rechten Seite hat, macht ihm nichts aus und augenzwinkernd stellt er fest, „bei uns in Deutschland hat es den Vorteil, dass man sofort auf der sicheren Seite aussteigt.“

Was ihn an seinem MG begeistert, ist die einfache Technik der damaligen Zeit. Die Elektrik ist mit nur zwei Sicherungen abgesichert und gerade mal drei Kippschalter (für Licht, Wischer und Heizgebläse) zieren neben Tachometer, Drehzahlmesser und Tankanzeige das Cockpit. Der MG B (B = Serie der Baureihe) war vor 50 Jahren nicht nur aufgrund seines Designs ein Hingucker, auch seine Fahrleistungen ließen das Herz der Sportwagenfreunde schneller schlagen, schwärmt Peter Elmer von seinem Auto. Von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigte er in etwas mehr als elf Sekunden, die Handhabung zählte zu seinen Stärken und mit 1798 ccm und dreifach gelagerter Kurbelwelle und zwei SU-Vergasern leistete er 95 bhp (bhp = britisch horsepower), was etwa 96 deutschen Pferdestärken entsprach und das Auto bei 5400 Umdrehungen pro Minute auf rund 160 Kilometer in der Stunde beschleunigte, fasst Elmer die technischen Details zusammen.

Insgesamt stehen jetzt zwei MG in der Garage von Peter Elmer. Seine neuste Erwerbung bezeichnet er ebenfalls als „Schnäppchen“: Baujahr 1963, Rostflecken oder ähnliches gibt es nicht, 2001 wurde das Auto in England restauriert, 37 Jahre stand es bei einem gut situierten Briten in der Garage und wurde in dieser Zeit lediglich 340 Meilen gefahren. Aber das Wort Oldtimer weist Peter Elmer weit zurück. Wenn er von seiner neuesten Errungenschaft erzählt, spricht er von einem „classic car“ – da denkt er eben „very british“.

Von Udo Schnücker

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