Borussia-Geschäftsführer Watzke lobt auch Schalke

+
Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des Bundesligisten. ▪

NEUENRADE ▪ „Als ich anfing, war die Chance, den Konkurs bei Borussia Dortmund abzuwenden, bei gerade einmal fünf Prozent“, gestand Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des Bundesligisten, bei seinem Gastspiel im Kaisergarten. „Der Verein hat jedes Jahr 25 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen.“

Er räumte zwar ein, dass der FC Bayern München mit zwei Millionen Euro ausgeholfen habe im Jahr 2003, „doch meine persönliche Dankbarkeit beträgt exakt 0,0 Prozent“. Bayern sei das einzige Bundesland, wo der BVB nicht unter den ersten drei der beliebtesten Fußballclubs stehe: „Da wollen wir das aber auch überhaupt nicht.“

Mit 40-minütiger Verspätung hatte zuvor Vorstandsvorsitzender Kai Hagen den prominenten Gast sowie „fast 400 Zuschauer in der ausverkauften Sparkassen-Arena“ begrüßt. In der folgenden Stunde ließ Watzke kein gutes Haar am Münchener Ligakonkurrenten und hatte viel Lob für die Nachbarn auf Schalke.

„Sportlich sind die richtig gut. Die haben Spieler mit Herz und Leidenschaft, etwa Matip und Draxler.“ Frotzeleien „in der Kneipe“ gehörten zwar dazu, sagte er zum Rivalen, „aber am Ende haben wir doch alle dieselben Gene“. Weiter lobte der BVB-Boss den S04: „Ich habe vor diesem Club und dessen Historie einen hohen Respekt.“

Auch sich selbst lobte der Sauerländer, der in Marsberg wohnt und Inhaber einer Firma ist: „Ich habe kein ganz kleines Selbstbewusstsein, verstehe was von Fußball und von Geschäftsführung.“ Das sollte er an diesem Abend unter Beweis stellen. „Aus der Krise an die Spitze“, so lautete das Motto seines Referates. „Als ich nach Dortmund kam, hatte der Verein 122 Millionen Euro Schulden, 80 davon waren fällig. Das Stadion war verkauft“, blickte Watzke zurück. „Heute kann ich innerhalb von drei Minuten einen neuen Spieler kaufen.“

Doch 2005, als er den Verein unter seine Fittiche nahm, habe er viel mit Gläubigern des Bundesligisten gesprochen: „Das war nicht wirklich lustig. Der Verein lag ja in einer Agonie. Jeder einzelne Spieler war verpfändet.“ Trotz dieser Worte betonte Watzke: „Ich bin nicht sonderlich emotional.“ Gleichwohl seien nur 60 Prozent seiner Entscheidungen vom Kopf gesteuert, der Rest käme aus dem Bauch.

„Über alle Maßen Glück“, so gestand er, habe er gehabt bei der Rettung des BVB: „2006 saß das Geld bei den Banken ja noch relativ locker. Zwei Jahre später hätte das alles nicht mehr funktioniert.“ Doch vor sechs Jahren war die Zeit noch eine andere: „Jede beschissene Internet-Firma, die noch nie einen Euro verdient hatte, kriegte doch einen Kredit.“

Die Banken hätten nur „eine Vision“ hören wollen. Anders seien nur die Sparkasse und die Volksbank, „deshalb sind das ja auch seit 22 Jahren die beiden Banken, mit denen ich mit meiner eigenen Firma ausschließlich zusammen arbeite“.

Dann behauptete der BVB-Geschäftsführer, „dass Geld sehr wohl Tore schießt.“ Das sehe jeder beispielsweise am englischen Club Manchester City. „Aber ich will hier auch nicht als Klugscheißer rüber kommen“, lenkte Watzke gleich wieder ein. Und so habe der Dortmunder Verein „die Fans nur auf den Weg mitnehmen können, weil wir ihnen versprochen haben, dass es auf dem Platz immer Kampf und aggressiven Fußball gibt“. Und er versprach: „Wir alle geben auch weiterhin alles bis zur letzten Patrone.

Die Profis müssten „echt“ erscheinen. Das Erlebnis im Stadion habe „intensiv“ zu sein. Jeder Mitarbeiter des BVB müsse sich zu diesen beiden Begriffen bekennen. „Und zu unserem Markenkern gehört auch, dass wir gegen die Abschaffung der Stehplätze in den Stadien sind.“

Deshalb habe er auch Trainer Jürgen Klopp geholt, „denn wenn Du gegen Mainz gespielt hast, hattest Du immer das Gefühl, die spielen mit zwei Mann mehr“. Überzeugt von den Qualitäten des Fußballlehrers habe er mit diesem „den Vertrag verlängert, als wir gerade acht Spiele hintereinander nicht gewonnen hatten“. Watzke spricht von seiner „Freundschaft“ zu dem Trainer.

Der 53-Jährige habe dafür gesorgt, dass alle Mannschaften des BVB auf demselben Gelände trainieren. „Der Mats Hummels soll jeden Tag den U9-Spieler sehen, das ist so gewollt.“

Watzke ließ auch Persönliches durchklingen beim Gespräch mit dem Publikumnach seinem Vortrag. So ist er mit Leib und Seele Westfale. Er sagte: „Nordrhein-Westfalen funktioniert doch nur, weil die Westfalen permanent das halten müssen, was die Rheinländer versprechen.“ Um seine langen Arbeitstage zu überstehen, „ernähre ich mich weitgehend von Red Bull und Milka“. Von Facebook und Twitter halte er hingegen nichts: „Es gibt doch heute überhaupt keine Privatsphäre mehr. Ich finde das schrecklich.“

Schließlich wurde Watzke vom Süderländer Volksfreund nach der Veranstaltung darauf angesprochen, dass am Sonntag zuvor bei der TV-Sendung „Doppelpass“ des Senders Sport1 bei der Einblendung seines Namens stets das Vereinslogo von Fortuna Düsseldorf zu sehen war. Er reagierte sehr überrascht. Darauf habe ihn noch niemand aufmerksam gemacht. „Aber bei Sport1 arbeiten ja auch nur 400-Euro-Kräfte“, entschuldigte er den Sender. Er könne jedoch alle Fans des BVB und von Fortuna Düsseldorf beruhigen: „Ich wechsele meinen Arbeitgeber nicht.“ ▪ Von Michael Koll

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare