Borkenkäfer: Tausende Neuenrader Fichten gehen nach China

+
Jimin Qian, Mitarbeiter der Exportfirma Epfa Technology GmbH, überwachte gestern am Kohlberg die Verladung des Holzes in die Container der Sattelschlepper.

Neuenrade – Tausende Bäume fielen dem Borkenkäfer zum Opfer. Sie mussten alle gefällt werden - und werden nun von Neuenrade nach China gebracht. Das hat auch was mit den heimischen Holzhändlern zu tun.

Die Welt ist ein Dorf und die Globalisierung findet auch im Neuenrader Wald ihre Ausprägung. So trafen sich dieser Tage Containerfahrzeuge niederländischer und rumänischer Herkunft, allesamt mit rumänischen Fahrern besetzt, am unteren Kohlbergparkplatz. Dort wurden die Sattelschlepper mit Holzstämmen beladen. 

Das Neuenrader Fichtenholz wird dann ins belgische Antwerpen gebracht. Von dort wird es dann weiter nach Asien verfrachtet. Neuenrader Fichten werden dann in einigen Wochen irgendwo in China als Bauholz Verwendung finden. Mindestens fünf Nationen – Deutsche, Belgier, Rumänen, Niederländer und Chinesen sind also beteiligt. 

Dass es sich dabei um Borkenkäferholz handelt, ist dabei nicht besonders von Belang. Das Insekt, Albtraum aller Fichtenwaldbesitzer, hat sich aufgrund des trockenen Sommers im vergangenen Jahr stark in den heimischen Fichtenbeständen vermehrt. Darum wurden die Stämme gefällt und verkauft. 

Jimin Qian, Mitarbeiter der Exportfirma Epfa Technology GmbH, überwachte in dieser Woche die Verladung des Holzes in die Container der Sattelschlepper. 23 bis 24 Tonnen können sie transportieren, sagte einer der Fahrer, der mit Qian auf Deutsch und Englisch kommuniziert. Vier große Lastwagen standen in Warteposition, während Qian alles sorgfältig dokumentierte. 

Das Exportunternehmen wurde 1996 in Deutschland für den Export deutscher Hölzer nach China gegründet. Das Unternehmen habe langfristige und gute Beziehungen mit den Forstbetrieben in Deutschland und zu chinesischen Kunden aufgebaut, heißt es in der Selbstdarstellung des Unternehmens. Insgesamt 3000 Festmeter würden aus den Wäldern geholt, verladen und nach China exportiert, erläuterte Qian. Das Holz stammt aus öffentlichen Beständen und natürlich auch aus Privatbesitz. 

Die Holzmenge der Forstbetriebsgemeinschaft Altena-Neuenrade machen ungefähr 500 Festmeter aus, der Anteil des städtischen Holzes liege bei rund 80 Festmetern, erläuterte der zuständige Förster Franz-Josef Stein. Das Käferholz könne in der Bauindustrie durchaus Verwendung finden – als Schalholz, Kantholz und teilweise auch noch durchaus als Konstruktionsholz. 

Nur wenn sogenannte technische Schädlinge, welche die Struktur des Holzes schädigen, dann sei das Holz nur sehr eingeschränkt zu verwenden, sagte der Fachmann. Erhebliche Vorschriften für Export Es gibt eine ganze Reihe von Vorschriften, je nach Land, mit denen der Import von Holzschädlingen verhindert werden soll. Dazu schreibt der Landesbetrieb Wald und Holz NRW: „Für den Export von Rundholz nach China ist eine effektive Behandlung des Holzes gegen Schadorganismenbefall vorgeschrieben, und die Ware muss von einem Pflanzengesundheitszeugnis begleitet werden.“ Ferner müssen die Stämme frei von Erde, von „Quarantäneschadorganismen“ und sonstigen Schadorganismen sein.“ Gerhard Schumacher, Kämmerer der Stadt, in dessen Ressort auch die städtischen Holzbestände fallen, sagte, dass das Borkenkäferholz schnell weg müsse. 

Leider sei der Fichtenholzpreis aktuell nicht besonders gut, der Preis habe sich wegen der Borkenkäfer mehr als halbiert. „Der Festmeter kostet derzeit nur noch 40 Euro“. Der Kämmerer ließ auch durchblicken, dass er über den Export des Holzes, allein wenn er über den Transport nach China nachdenke, aus ökologischen Gründen nicht glücklich sei. Leider gebe es dazu aber keine Alternative, denn in der heimischen Holzindustrie seien die Kapazitäten ausgeschöpft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare