Blintroper Huhn zieht drei Gänseküken groß

Mit Argusaugen bewacht die Henne ihre drei Adoptiv-Küken.

NEUENRADE ▪ Die Natur schreibt wundersame Geschichten. So geschehen jetzt in der Borketalstraße. Dort zieht ein Huhn Gänseküken groß.

Idyllisch am Borkebach gelegen, widmet sich der 55-jährige Josef Fröndt dort seinem Hobby, dem Federvieh. Auf seiner kleinen Farm tummeln sich rund vierzig Hühner, fünf Gänse, drei Enten und ein Erpel. Zuwachs hat diese bunte Schar bekommen. Nämlich fünfzehn Entenküken, fünf Gänsekinder sowie zehn Hühnerküken bereichern die Runde. Da ist mächtig was los zwischen dem satten Grün des Fröndtschen Gartens. Ein wenig abgesondert vom Trubel lebt eine kuriose Kleinfamilie. Drei der Gänsekinder nämlich werden von einer der Hennen groß gezogen und scheren sich wenig um ihre eigentlichen Artgenossen. Knapp drei Wochen sind diese süßen Federbällchen jetzt alt und genießen sichtlich die Gegenwart ihrer Mutter, der sie schon bald über den Kopf gewachsen sein werden.

Und dieses Kuriosum hat eine ganz simple Vorgeschichte. Damit die Glucken im Stall nicht sämtliche selbst gelegten Eier ausbrüten, diese sollen ja gekocht auf Josef Fröndts Frühstückstisch landen, legte er drei Gänseeier im Hühnerstall aus. Ohne Hintergedanken, dass da vielleicht mal ein Gänseküken schlüpfen wird. Nein, die Hennen sollte nur vom Hühnerei abgelenkt werden und sich auf den großen Gänseeiern niederlassen, bis die tägliche „Eier-Ernte“ über die Bühne gebracht war. Doch dann war es plötzlich geschehen: Nicht nur ein Gänslein, nein gleich drei an der Zahl schlüpften aus den Eiern.

Der Rentner staunte nicht schlecht und richtete der „Patchworkfamilie“ einen eigenen, luftigen Unterstand her. Dort wacht nun Mutter Henne über ihre Brut und wird arg laut, wenn ein böser Feind, und sei es auch nur ein mit der Kamera bewaffneter Zeitungsmensch, ihren Zöglingen zu nahe kommt.

Lustig ist es mit anzusehen, wenn das gemischte Grüppchen auf Wanderschaft im weitläufigen Wiesengelände unterwegs ist. Auf recht wackligen Beinchen noch, marschieren die Kleinen der Mutter hinter drein oder nehmen bei schönem Wetter ein genüssliches Sonnenbad. Derweil tummeln sich die beiden anderen „Gänsegeschwister“ unter den Entenkindern und weder sie noch die vier anderen Hofgänse um Gänserich Karl-Friedrich scheren sich um die Abtrünnigen.

Diese Gruppe allerdings hat auch etwas nicht alltägliches auf Lager. Wenn der Hunger auf Brotreste ruft, marschiert der Trupp, angeführt von eben Karl-Friedrich, den Hang hinunter und direkt an Fröndts Küchenfenster. Forderndes Schnabelklopfen gegen die Fensterscheibe bewirkt dann auch ziemlich unmittelbar, dass der Broteimer mit Krumen gefüllt wird und der tägliche Festschmaus beginnen kann. Bleibt abzuwarten, ob die drei Fremdgänger sich in Kürze auch der Gruppe Karl-Friedrichs anschließen, dann nämlich, wenn sie ihrer Mutter auf den Kamm spucken können und deren Autorität im wahrsten Sinne des Wortes den Borkebach hinunter gespült würde. ▪ Ulrich Töpel

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