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Blatt hat sich gedreht: Berufskolleg und Firmen werben um Azubis

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Von: Peter von der Beck

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Karl-Josef Nöcker (3.v. r.) und auch Oberstudienrat Marcus Kretschmer (2.v.r) präsentieren die Vorzüge einer dualen Ausbildung im Metallbereich.
Karl-Josef Nöcker (3.v. r.) und auch Oberstudienrat Marcus Kretschmer (2.v.r) präsentieren die Vorzüge einer dualen Ausbildung im Metallbereich. © Peter von der Beck

Es gab schon mal andere Zeiten: Da waren junge Leute froh, wenn sie einen Ausbildungsplatz ergattern konnten. Bei Banken und Sparkassen kamen zig Bewerbungen auf eine ausgeschriebene Stelle. Inzwischen hat sich der Wind aber komplett gedreht.

Neuenrade – Ähnliches galt, wenn auch in geringerem Maße, für Lehrstellen in der Metallindustrie. Ausbildungsfirmen wurden gar gegründet, um den Schulabsolventen eine Perspektive zu bieten.

Dass sich der Wind komplett gedreht hat und mittlerweile sogar ein Arbeitnehmer- oder Azubimarkt entstanden ist, zeigt sich bei Ausbildungsmessen oder den einschlägigen Online-Portalen. Inzwischen kümmern sich die Firmen gezielt um ihre Auszubildenden. Dabei kooperieren auch inzwischen verschiedene Akteure miteinander, um die jungen Leute anzuwerben. So arbeiten das Berufskolleg für Technik des Märkischen Kreises, die Hönnequell-Schule und örtliche Arbeitgeber zusammen.

Dabei wurden Neuntklässler angesprochen, um junge Leute mit Interesse an Metallberufen bei einer speziellen Veranstaltung direkt in Kontakt zu potenziellen Ausbildungsbetrieben zu bringen. Organisiert hatten das Lisa Gerhard und Ann-Kathrin Peters. Das Berufskolleg für Technik hatte den engagierten Kooperationskoordinator und Oberstudienrat Marcus Kretschmer geschickt, der mit seiner Begeisterung sicher den einen oder anderen Schüler ansteckte. Das ganze Projekt hat auch einen Namen: BKT & Friends. Angesprochen ist die Generation der Neuntklässler.

Wie Kretschmer vom BKT durchblicken ließ, habe man nicht nur die jungen Absolventen im Auge, sondern das gesamte Umfeld, das möglicherweise zur Entscheidungsfindung beiträgt. Auch die Eltern spielten daher eine Rolle. Kretschmer verwies auf einen Elternday, der über den Märkischen Kreis organisiert werde. Kretschmer gab sich auch alle Mühe, mit gewissen Mythen aufzuräumen. Dass man für diese technischen Berufe unbedingt in Mathe und Physik Bestnoten vorweisen müsse, sei ein Gerücht.

Da lerne man am BKT konkrete Formeln und überall sei sicher Hilfe auf Seiten der Firmen und des Berufskollegs vorhanden. Ein gewisses technisches Verständnis, ein dreidimensionales Denken sei sicher hilfreich, um sich beispielsweise vorstellen zu können, wo das produzierte Frästeil eingebaut werde. Klar wurde auch bei den Vorstellungsrunden, dass nicht nur klassische Ausbildungen ein Weg sind, sondern auch duale Studiengänge. Nachfragen lohnt sich.

Vier Firmen – Julius Klinke, die Bültmann GmbH, die Kohlhage-Gruppe und das Drahtwerk Elisental – waren dann in der Aula vor Ort. Zum Teil hatten die Ausbilder/Personalchefs auch Azubis oder auch eine Werkstudentin mit dabei, um den Schülern Rede und Antwort zu stehen. Seitens des Berufskollegs hatte Kretschmer in Absprache mit den Firmen einen Fragenkatalog für die Schüler vorbereitet.

Damit konnte flott ein Gespräch in Gang kommen und die Schüler konnten sich an den Fragen orientieren. Zur Vorbereitung konnten die Schüler ihr technisches Interessensgebiet ankreuzen, sei es Technik/Maschinenbau, Informatik oder Berufsfeld Elektrotechnik.

Christof Bergmann, Prokurist im Drahtwerk Elisental, im Gespräch mit Schülern. Auch der ausgezeichnete Ausbildungsbetrieb kümmert sich proaktiv.
Christof Bergmann, Prokurist im Drahtwerk Elisental, im Gespräch mit Schülern. Auch der ausgezeichnete Ausbildungsbetrieb kümmert sich proaktiv. © Peter von der Beck

Außerhalb des Fragenkatalogs konnten sich die Schüler noch weitere Aspekte aufschreiben. Generell ging es bei dem Fragenkatalog dann um Inhalte der jeweiligen dualen Ausbildung aber auch um Fragen zur weiteren Anstellung: Talente, die hilfreich sein können, Weiterbildungsmöglichkeiten oder auch die nicht unwichtige Frage, ob denn die Firmen junge Leute nach der Ausbildung übernehmen.

Auch zu den Firmen selbst sollten sich die Schüler etwas überlegen. Gut zwei Dutzend Schüler, darunter nur zwei Mädchen, hatten sich für diese Runde angemeldet.

Bequem und auf Augenhöhe ließen sich die Schüler von den Firmenvertretern am Tisch informieren, stellten selbst Fragen. Bei Klinke lag als Anschauungsmaterial ein großes, mit zahlreichen Bohrungen und Fräskanten versehenes Aluminiumwerkstück auf dem Tisch. Auch das wird dort hergestellt: eine Kupplung für Roboterarme. Nur 15 Minuten Zeit gab es pro Runde, dann klingelte der Wecker und die Schüler rückten einen Tisch weiter.

Sie starteten bei Karl-Josef Nöcker von der Firma Julius Klinke – die vor allen Dingen Zerspanungsmechaniker sucht. Mit am Tisch saß Azubi Niklas Grote, der aus seiner Sicht erzählte. Einen Tisch weiter – am Bültmann-Tisch – stellten sich Julian Cordes und ein junger Kollege den Schülern. Gesucht werden dort unter anderem Elektroniker für Betriebstechnik.

Am nächsten Tisch wartete dann Kohlhage-Personalchefin Ina Bieling mit Verbundstudentin Celina Otto auf die wissensdurstigen Schüler. Hier sucht man Azubis für technisches Produktdesign oder auch Industriemechaniker.

An der Station Drahtwerk Elisental kümmerte sich Prokurist Christof Bergmann um die jungen Interessenten. Auch er hatte Anschauungsmaterial mitgebracht: Aludraht und Ziehsteine, zudem standen Flyer in einem Aufsteller mit dem „Ausbildungssteckbrief Elektroniker für Betriebstechnik“. Drahtzieher werden auch gesucht.

Wer an den Tischen vorbeiging, hörte durchaus auch Gespräche zum Thema Verdienstmöglichkeiten, die Frage nach Weiterbildungsmöglichkeiten wurde häufiger gestellt. Praktika waren Thema oder die Unterschiede zwischen Zerspanungsmechaniker und Industriemechaniker. Unterm Strich war es eine sachliche Atmosphäre. Es gab auf ausdrücklicher Empfehlung von Kretschmer keine Give-Aways für die Schüler – es sollte ein möglichst professioneller Rahmen sein, mit Konzentration auf das Wesentliche.

Den Schülern jedenfalls schien das Angebot BKT & Friends gut gefallen zu haben. Zumindest war von Nick und Etienne zu hören, dass das ganze „sehr cool“ sei. Man bekomme schon mal „einen Einblick“. Durchaus auch Kritik wurde laut: So fühlte sich einer der Azubis, die mitgekommen waren, am BKT ziemlich auf sich gestellt, das sei nicht so heimelig wie die Realschule, die er zuvor besucht habe.

Rechnet man die Zahl der Ausbildungsstellen, welche die beteiligten Firmen bei diesem Event im Angebot haben zusammen, so schlägt das Pendel an diesem speziellen Tag zugunsten der jungen Leute aus. Klar ist: Der Run auf die jungen Mitarbeiter hat begonnen. Gut findet auch Schulleiterin Eva Päckert dieses Angebot. Sie freut sich, dass ihre Schüler so umworben werden, dass Hemmungen im Kontakt zu Firmen abgebaut werden und dass die HQS den Jugendlichen viel bietet, um ihre eigenen Interessen zu erforschen.

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