Ungewöhnliches Tanztheater

"Blackout" in Neuenrade: Das passiert, wenn plötzlich der Strom ausfällt

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Was in einer U-Bahn-Station alles passieren kann, wenn plötzlich der Strom ausfällt, demonstrierten die Tänzern der Wiener flow motion dance company am Donnerstag bei ihrem Auftritt im Kaisergarten.

Neuenrade – Drei Frauen und drei Männer betreten eine U-Bahn-Station. Plötzlich fällt der Strom aus: Gitter versperren den Ausgang in die Außenwelt – die Reisenden sind gefangen.

Sie beginnen, sich die Zeit zu vertreiben – an einer Bahnsteigkante, die am Donnerstagabend mit der Kante der Bühne im Kaisergarten zusammenfiel. Der Stromausfall gab dem ungewöhnlichen Tanztheater seinen Titel: „Blackout“. 

Es war ein ungewöhnliches Spektakel mit unterschiedlichen Lichtquellen und Projektionen, mit denen die Aktionen der Tänzer immer wieder zu verschmelzen schienen. Schon der Beginn machte deutlich, dass es um die Welten zwischen dem durch einen Zwischenfall herausgeforderten Alltäglichen und der digitalen Welt ging: Einsen und Nullen huschten über die Projektionsfläche hinter den Tänzern. 

Projizierte Figuren aus der Steinzeit

Im Laufe des Abends sollten sich die digitalen Spielmaterialien ändern: So schoben die Tänzer projizierte Figuren aus der Steinzeit der Computerspiele hin und her, bauten Klötzchen aufeinander und spielten Ping-Pong mit leuchtenden Rechtecken. Leuchtstäbe symbolisierten mit ihren ausgeklügelten Farbabfolgen Fackeln, Schwerter, die wiedergewonnene Energie eines Herzens oder auch die Umrisse einer startenden Rakete. 

Die vielen Besucher bekamen im Kaisergarten-Saal ein Spektakel mit unterschiedlichen Lichtquellen und Projektionen zu sehen, die im Lauf des Abends immer anspruchsvoller wurden.

Tänzer und Techniker waren bei der Koordination von Bewegungen und Projektionen sehr gefordert. Schon in seiner Begrüßung hatte Josef Brockhagen auf den immensen technischen Aufwand dieser Show hingewiesen: Für den Laster mit der Ausrüstung musste die Straße Hinterm Wall vorübergehend gesperrt werden. Und nicht nur drei, sondern neun Techniker waren mit dem Aufbau beschäftigt. 

Projektionen immer anspruchsvoller

Im Laufe des Abends wurden die Projektionen immer anspruchsvoller, und die erzählten Geschichten komplexer: Die Öffnung einer Bühne am Rande des U-Bahn-Schachtes schuf eine Projektionsfläche, auf der eine der Tänzerinnen mit Spraydose eine digitale Farbwelt schuf, die sich zu einem Wohnzimmer zusammenzog. Beim Lauf durch den digitalen Urwald musste sie diversen Hindernissen ausweichen. 

Mischwesen aus technischen Konstruktionen und biologischen Formen tauchten auf: Ein Schmetterling, ein Wal, ein Elefant. Auf der Basis eines fiktiven Eingeschlossenseins der Akteure ergaben sich so immer neue Welten und Wirklichkeitsebenen, die spielerisch zusammenwirkten. 

Ein fast sprachloser Abend

Josef Brockhagen hatte Recht mit seiner Bemerkung über „eine Welt, wie sie noch nie in einer Show präsentiert wurde“. Auch für das Publikum wurde das Ganze zu einem ungewohnten und zuweilen irritierenden und herausfordernden Erlebnis. Der kraftvolle Beifall zeugte von einer großen Aufgeschlossenheit, die nicht nur den anmutigen und sportlichen Tanzdarbietungen der Gruppe aus Wien galten. 

Zwei Besucher kamen dem Geschehen besonders nahe: Erst ergänzte eines der in der ersten Reihe sitzenden „Vip-Kids“ die Simon-and-Garfunkel-Zeile „Hello darkness, my old ...“ durch den fehlenden „friend“. Denn in einem fast durchweg sprachlosen Programm sangen die drei Tänzer ausnahmsweise. Und ganz am Ende verabschiedete sich eine Besucherin von der letzten verbliebenen Tänzerin mit einem kraftvollen „Tschüss“. 

Die schaute in die große Runde im bestens gefüllten Saal und schien darüber zu staunen, dass es auch jenseits der Bahnsteigkante eine mit so vielen Gesichtern belebte Welt gab.

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