Zum Amphetamin-Kochen verabredet

Bis zu 25 Kilogramm: Neuenrader soll Drogen in seiner Wohnung hergestellt haben

Im Landgericht in Hagen läuft ein Prozess gegen einen vorbestraften Mann aus Neuenrade, der Drogen hergestellt haben soll.
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Im Landgericht in Hagen läuft ein Prozess gegen einen vorbestraften Mann aus Neuenrade, der Drogen hergestellt haben soll.

Neben der bereits weit fortgeschrittenen Aufklärung rund um eine Drogenküche in Herscheid beschäftigt sich das Landgericht Hagen seit dieser Woche mit einer Produktionsstätte am Schöntaler Weg in Neuenrade.

Neuenrade - Einem 51-jährigen Angeklagten wird Drogenbesitz und Beihilfe zum Drogenhandel vorgeworfen.

Zum Prozessauftakt gab der Neuenrader zu, dass er dem Betreiber der Küche in Herscheid und einem weiteren (flüchtigen) Beschuldigten im Herbst 2020 seine Wohnung als Werkstatt für das Anrühren einer großen Menge Amphetamin zur Verfügung gestellt hat. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei am 7. Dezember in seiner Wohnung knapp ein Kilogramm der Droge. Später kamen weitere vier Kilogramm aus seinem Keller dazu.

„Aus reiner Neugier“ verabredet

Schon im Ermittlungsverfahren klärte der 51-Jährige die Hintergründe umfassend auf. Bereits im Sommer 2020 habe er sich mit den beiden Mitbeschuldigten zum Amphetamin-Kochen in seiner Wohnung verabredet – „aus reiner Neugier“, wie er versicherte. Offenbar war er nicht nur wegen des genossenen Amphetamins „angespannt und aufgeregt“: „So etwas erlebt man nicht jeden Tag.“

Ein bis zwei Abende vor dem großen Rühren in Zehn-Liter-Eimern habe der Beschuldigte aus Herscheid Ausgangsstoffe und Arbeitsmaterialien in die Wohnung gebracht: Batteriesäure, Verpackungsmaterial, Pürierstab, Koffeinpulver. Dazu kam noch der Ausgangsstoff für die Droge: Jener Meister der Amphetamin-Küche, der über das notwendige Wissen verfügte und sich mittlerweile wohl in die Türkei abgesetzt hat, brachte Amphetamin-Öl in „ein bis zwei Plastikflaschen“ mit.

Das große Rühren am Schöntaler Weg

Im Ermittlungsverfahren hatte der 51-Jährige von etwa 25 Kilogramm der Droge gesprochen, die der Drogenkoch bei dem großen Rühren hergestellt habe. Nun senkte er die Menge auf etwa 16 Kilogramm. Diese Menge habe er in der folgenden Nacht in Portionen zu je einem Kilo verpackt, die der später Untergetauchte am nächsten Tag bei ihm abgeholt habe. Restmengen aus den beiden Eimern habe er behalten dürfen. Das war das knappe Kilogramm, das die Polizei bei ihm sicherstellte. Aber woher kamen die vier Kilogramm der Droge in seinem Keller? Der Angeklagte bemühte noch einmal sein Gedächtnis und berichtete von einem zweiten Produktionstag, an dem 25 Kilogramm Amphetamin zusammengerührt worden seien. Davon habe er diese vier Kilogramm abgezweigt und die fehlende Masse mit weiterem Koffeinpulver aufgefüllt. Ärger mit dem ihm ansonsten ganz unbekannten Begleiter des Herscheider Drogenkochs habe es nicht gegeben: „Ich habe nicht erwartet, dass der bei mir nochmal auf der Matte steht. Der wusste auch nicht, dass ich das abgezweigt hatte.“

Jener Lieferant und Zeuge, der vor allem wegen einer Drogenküche in Herscheid selbst vor Gericht steht, berief sich auf sein Aussageverweigerungsrecht. Der 51-Jährige beschrieb ihn als Lieferanten von Materialien und Zusatzstoffen. Mit dem Anrühren der Droge, dem Einschweißen und dem Abholen am nächsten Morgen habe er nichts zu tun gehabt.

Drogenentzug könnte einige Jahre Gefängnis verhindern

Da der vielfach vorbestrafte Neuenrader selber drogenabhängig ist, beantragten sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger die Einweisung in eine geschlossene Drogenentzugsklinik. Dieser Weg könnte ihm im Erfolgsfall vier bis viereinhalb Jahre Gefängnis ersparen.

Das Urteil gegen den Neuenrader soll am 3. Mai verkündet werden.

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