Bewährungsstrafe nach Überfall auf DM-Markt und Europa-Beutezug

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Neuenrade - Obwohl eine Rumänin im Mai 2015 den DM-Markt in Neuenrade überfiel und anschließend noch in Europa auf Beutezug ging, kam sie jetzt im Amtsgericht Lüdenscheid mit einer Bewährungsstrafe davon, denn dem Richter waren die Hände gebunden.

Zu dritt bediente sich eine Diebesbande am 22. Mai 2015 im DM-Markt am Stadtgarten in Neuenrade. Während einer der Täter das Verkaufspersonal an der Kasse ablenkte, schleppte eine heute 39 Jahre alte Rumänin Kosmetikartikel und zwei Prepaid-Mobiltelefone für stattliche 877 Euro aus dem Laden, ohne die Waren zu bezahlen. 

Im Juni 2015 fiel die vierfache Mutter bei einer ähnlichen Aktion in Düsseldorf auf, wo sie nach einem Monat Untersuchungshaft Anfang 2016 zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt wurde. Über ihre Beteiligung an dem Diebstahl in Neuenrade war zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nichts bekannt, denn erst jetzt musste sie sich im Amtsgericht Lüdenscheid wegen des Bandendiebstahls im DM-Markt verantworten. 

Neun Monate Haft in Dänemark 

Die Zwischenzeit hatte sie offenbar intensiv und wohl in vergleichbarer Weise genutzt, denn dänische Strafverfolgungsbehörden hatten sie – vermutlich ebenfalls wegen Eigentumsdelikten – neun Monate im Gefängnis schmoren lassen. „Dann wurde ich nach Deutschland geschickt von Dänemark aus“, erklärte die vierfache Mutter, die nach einem Haftprüfungstermin in Flensburg seit Mai 2018 in deutscher Untersuchungshaft gesessen hatte. 

Den offenbar überzeugend nachgewiesenen Diebstahl im Jahr 2015 gab sie im Amtsgericht Lüdenscheid zu und kassierte dafür – wegen des hohen Wertes der Beute – eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten. 

Zusammenarbeit funktioniert nicht gut 

Konnte diese zur Bewährung ausgesetzt werden? Der Diebstahl in Düsseldorf ereignete sich nach der Tat in Neuenrade, weshalb die damalige Verurteilung nicht als Vorstrafe gilt. Über die Hintergründe der Verurteilung in Dänemark war nichts bekannt – auf der Ebene der Kleinkriminalität funktioniert die Zusammenarbeit der europäischen Strafverfolgungsbehörden scheinbar nicht besonders gut. Und so musste Richter Andreas Lyra aus strafrechtlicher Sicht von einer Angeklagten ohne Vorstrafe ausgehen, der unter dieser Voraussetzung eine Bewährungschance einzuräumen war. 

Das nicht justiziable Fazit des Richters lautete etwas anders: „Es entsteht natürlich der Eindruck, dass Sie durch Europa ziehen und klauen“, verabschiedete er die Angeklagte und gab ihr eine ernste Ermahnung mit auf den Weg: Beim nächsten Diebstahl drohe unweigerlich eine vollstreckbare Haftstrafe und der Widerruf der jetzt gewährten Aussetzung zur Bewährung. 

Haftbefehl ist aufgehoben 

Der Haftbefehl wurde aufgehoben, die Angeklagte verzichtete auf Justitias Fahrdienst und die sofortige Rückkehr ins Frauengefängnis Gelsenkirchen, wo sie bei Gelegenheit noch ihre Sachen packen muss.

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