Dreifache Mutter verurteilt

Gürtelschläge auf den Hosenboden wegen Problemen in der Schule

(Symbolfoto)
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(Symbolfoto)

Offenbar überfordert war eine dreifache Mutter, als sie vor fast zwei Jahren in Neuenrade ihrem damals elfjährigen Sohn mit einem Gürtel auf den Hintern schlug. Da häusliche Gewalt zumeist in geschlossenen Räumen stattfindet, gibt es eher selten Strafverfahren, die solche Übergriffe als gefährliche Körperverletzung ahnden. Doch in diesem Fall war es anders.

Neuenrade ‒ Ein Nachbar machte ein Video von dem Geschehen, das als Beweismittel im Amtsgericht Altena zur Verfügung stand. Es gab deshalb nicht viel zu leugnen. Über ihren Verteidiger legte die 29-Jährige ein Geständnis ab und erklärte die damalige Situation: Ihr Sohn sei damals in der Schule stark verhaltensauffällig gewesen. Es habe deshalb ständige Anrufe der Lehrer gegeben, und ihrem Sohn habe der Schulverweis gedroht.

Kurz vor den Schlägen, die „keine erzieherische Maßnahme“ gewesen seien, habe es erneut einen Anruf von der Schule gegeben. Mittlerweile hätten sich die Probleme aber gelegt. Nach der „kurzen Frustrationsattacke“ habe die überforderte Mutter „massiv mit dem Jugendamt zusammengearbeitet“, ergänzte Verteidiger Marco di Venanzio. Schon im Dezember 2019 habe die Behörde einen „wohlwollenden Bericht“ zur weiteren Entwicklung geschrieben. Mittlerweile komme der Junge auch gut mit seinem Stiefvater aus. „Es ist nicht zu erwarten, dass sich so etwas noch mal wiederholen wird.“

Richter Dirk Reckschmidt verwies auf ein wichtiges Gut: „Der Familienfrieden ist offenbar wiederhergestellt.“ Für einen Moment schien eine Einstellung des Verfahrens gegen die ansonsten unbescholtene Mutter – eventuell mit einer Auflage – möglich. Doch Staatsanwältin Beatriz Föhring versetzte sich in die Situation vor zwei Jahren: „Das war kein Augenblicksversagen, sondern ein massiver Übergriff zum Schaden eines Kindes.“

Und so beantragte sie die Mindeststrafe für eine gefährliche Körperverletzung: sechs Monate, die natürlich zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Richter Dirk Reckschmidt schloss sich diesem Antrag an und verurteilte die 29-Jährige entsprechend.

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