450 Schwertransporte werden rollen

Ein Besuch auf der Windkraftbaustelle am Kohlberg

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Gigantische Teile wurden in den Wald transportiert und werden hier bis zum Aufbau des Großkrans gelagert.

Neuenrade – Schwerlastverkehr mitten im Wald am Kohlberg: Über verschlammte, mit Kies befestigte Wege fahren alle paar Minuten Betonmischer, zwischendurch Baustellen-Fahrzeuge aller Art und große Transporter mit Kran-Elementen.

Die Arbeiten für den Bau der insgesamt sechs Windräder durch den Investor SL-Naturenergie sind weiter in vollem Gange. Wie Lego-Männchen wirken die Bauarbeiter mitten im Wald zwischen all den gigantischen Bauteilen. Hinzu kommen Dixie-Klo, Bürocontainer und massive Bohlen, Baustellenabsperrungen. Ein Stromaggregat surrt. 

Groß und breit sind die neu geschaffenen Wege, zwei Betonmischer passen gut nebeneinander her. Nicht für alle sechs Windenergieanlagen sind schon die Betonfundamente fertig: Die Verschalung der Anlage Richtung Leveringhausen wird gerade befüllt. 100 Touren mit Betonmischern wurden allein am Freitag gefahren, berichtet einer der Bauarbeiter. 8,5 Tonnen fasst so ein Fahrzeug. 

Wege werden mit Kies befestigt

Am Donnerstag waren auch etliche Kieslaster von NBTK Ulbrich am unteren Wanderparkplatz am Kohlberg aktiv. Immerhin 25 Tonnen Kies fasst so ein Lastwagen. Mit dem Material werden die dortigen Wege befestigt, um die Windkraft-Baustelle von diesem Bereich aus zu erschließen. 

Das Fundemant dieser Windkraftanlage wird gerade gegossen.

Der Chef des zuständigen Unternehmens, der seinen Namen ungern in der Zeitung lesen möchte, sagte, dass man die Wege dort unten am Hang massiv habe verstärken und ausbauen müssen, weil sie den oberen Wanderweg nicht benutzen dürften. Der Sauerländische Gebirgsverein als Eigentümer habe auf das denkmalgeschützte und sanierungsbedürftige Ehrenmal verwiesen, das unter dem Baustellenverkehr leiden könnte. 

Lastwagen schaffen steilen Anstieg nicht

Der Unternehmer bedauert, dass er diesen Weg nicht nutzen kann, hätte er doch „jede Menge Ressourcen einsparen können“. Kritisch wird es bei diesem unteren Weg auch, weil hier eine Steigung von 18 bis 20 Prozent vorhanden ist. Zu viel für die Lastwagen mit den Kranteilen. Deshalb werden die Lastwagen von Spezialfahrzeugen mit riesiegen Rädern zur Baustelle gezogen: 450 PS-starke Zugfahrzeuge mit Allradantrieb. 

An der Windenergieanlage, die den Neuenrader Siedlungsgebiet am nächsten liegt, lagern überall Kranteile auf einem fußballfeldgroßen Areal. Hier steht bereits ein 220-Tonnen-Kran, mit dessen Hilfe ein zweiter und noch größerer Kran („Gitterkran“) aufgebaut wird. Dieser zweite Kran errichtet dann das Windrad, erläutert René Perlich von der Kranfirma Steil. 

Aufbau in mehreren Etappen

Zunächst wird die untere Hälfte der Windkraftanlage montiert, die auf knapp 100 Meter Höhe kommt. Dann werden noch zwei je 25 Meter hohe Stücke aufgesetzt. So kommt das Windrad auf knapp 150 Meter. Anschließend werden die Rotorblätter montiert, sodass das Windrad – mit hochstehendem Flügel – auf 199 Meter kommt. „Im Idealfall schaffen wir so einen Aufbau in vier Wochen. Hier gelingt uns das niemals.“ Dies bestätigt der Unternehmer: „Das ist große deutsche Ingenieurskunst, die hier passiert.“ 

Die Arbeiter der Kranfirma haben natürlich ein kleines Pausenbüro.

Derweil wird das Fundament des nordöstlichen Windrades im Akkord befüllt. Die Betonmischer fahren an ein Pumpfahrzeug heran, laden den Speis ab. Mit einem rhythmischen „Flupp“ wird der Inhalt in das mit gigantischen Metallringen verschalte Fundament gepumpt. Rund 850 Kubikmeter werden es am Ende sein. 

Transporte rollen wohl ab Ende März

Während im Wald die Betonarbeiten und die Montage von Monsterkränen zügig vorangeht, werden an anderer Stelle schon die ersten Schwertransporte vorbereitet. Dabei ist der Märkische Kreis involviert. Wie Ursula Erkens, Sprecherin des Kreises, auf Nachfrage erläuterte, stünden für die Schwertransporte noch keine konkreten Termine fest. 

Die zuständigen Mitarbeiter im Märkischen Kreis rechneten damit, dass Ende März die Transporte rollen. Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun – nicht nur auf der Baustelle. „Wir müssen uns auch mit dem Hochsauerlandkreis abstimmen und Streckeneinweiser in beiden Kreisen müssen noch geschult werden“, sagte Erkens. Es wird viel Arbeit geben, denn gleich „450 Transporte sind geplant“, sagte die Sprecherin. Zunächst einmal. Angeliefert wird natürlich nachts.

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