Fabian Raphael spricht über Beruf und Heimat

Besuch bei Neuenrader Radiosprecher im Kölner WDR-Studio

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Die Arbeit beim Radio ist für Fabian Raphael Beruf und Hobby zugleich. Seit drei Jahren unterhält und informiert er morgens knapp eine Million Hörer in Nordrhein-Westfalen. Der 43-Jährige legt sehr viel Wert darauf, sich im Sendegebiet so gut es geht auszukennen.

Köln – Entspannt sitzt Fabian Raphael auf seinem Hocker im Studio. Ein Bein hat er auf den Boden gestützt, das andere ist an den Hocker gelehnt. Außerhalb des Glaskastens, in dem er sitzt, herrscht Unruhe. Nach draußen schaut er aber nicht.

Sein Blick schweift vom Bildschirm seines Computers zu seiner Kollegin. Sie lächeln sich kurz an, dann leuchtet eine rote Lampe auf. Raphael spricht in ein Mikrofon. Rund eine Million Menschen hören dem Mann aus Neuenrade zu, als er die Staumeldungen „aus dem Westen“ verkündet. 

Raphael ist Radiosprecher bei WDR 2. Seit drei Jahren führt er gemeinsam mit Sabine Heinrich durch die Morgenshow. Heinrich ist die Moderatorin, Raphael ihr sogenannter „Sidekick“. „Das Konzept mit dem ,Sidekick’ sorgt im Rundfunk für mehr Dynamik“, erklärt Raphael. „Es kann viel interessanter sein, wenn sich zwei Personen einen Ball zuspielen, als wenn ein Moderator kein Gegenüber hat“, findet er. 

Die Tatsache, dass er und Heinrich sich schon seit vielen Jahren kennen, vereinfacht ihnen die Arbeit im Studio: „Wenn einer von uns beiden einen Fehler macht, kann der andere mit einem kurzen Spruch die Situation wieder auflockern“, sagt der Wahl-Kölner. 

Beim WDR fühlt sich Fabian Raphael zuhause. Er wohnt derzeit in Köln, sieht sich aber nach wie vor als Sauerländer.

Die Arbeit beim Sender ist eng getaktet: Auf jeweils mehreren Bildschirmen hat das Sprecher-Duo alles im Blick. „Hier sehe ich, wie viel Zeit mir bis zum nächsten Beitrag bleibt“, erzählt Raphael und deutet auf einen seiner Monitore. 

Darauf zu sehen ist ein Computer-Programm, in dem er den Ablauf der gesamten Radiosendung als Playlist sieht. „Rund anderthalb Minuten haben wir noch, bis das nächste Lied vorbei ist und das Mikro an ist. Solange können wir hier noch unter uns über alles Mögliche sprechen“, erklärt Raphael. 

„Sobald das Rotlicht wieder leuchtet, geht aber alles direkt auf Sendung. Dann kommt nämlich eine Anmoderation oder der nächste Beitrag“, erzählt er, während sein Blick wieder prüfend über den Computerbildschirm fällt. „Radio ist eigentlich wie ein Hobby für mich. Es macht mir einfach unglaublich viel Spaß“, sagt der 42-Jährige, der in Werdohl geboren und in Neuenrade aufgewachsen ist. Im Studio blüht er regelrecht auf, auch wenn er, wie er sagt, „keine Rampensau“ ist. 

Führen bis zu eine Million Hörer durch den Morgen: Das WDR 2-Duo Fabian Raphael und Sabine Heinrich.

Um Worte muss er während der Sendung nicht ringen. Er versucht die Dinge meistens umgangssprachlich zu beschreiben, so als würde er es einem Freund erzählen: „Oft steht in Meldungen, zum Beispiel so etwas wie: ,Ein Pkw blockiert den linken Fahrstreifen’. Einem Freund würde ich das so nie erzählen. Da sage ich: ,Pass auf – da steht ein Auto auf der Überholspur.’ Ich hoffe, die Hörer damit besser zu erreichen.“ 

Um 2.30 Uhr geht der erste Wecker

Und wenn Raphael „die Hörer“ sagt, dann meint er auch die Frühaufsteher unter ihnen: Für Heinrich und ihn ist die Nacht kurz. Pünktlich um 4 Uhr beginnt für das WDR 2-Duo die fünfstündige Sendung. Das frühe Aufstehen bereitet ihm keine Sorgen: „Man gewöhnt sich daran“, erzählt er. Um 2.30 Uhr gehe bei ihm der erste Wecker, manchmal bleibt er aber bis viertel vor drei liegen. 

Während er sich für die Arbeit fertigmacht, hat er in der Regel schon die eine oder andere Kurznachricht übers Handy mit Heinrich ausgetauscht: „Wir erkundigen uns, ob der andere schon wach ist. Man möchte sicher gehen, dass keiner verschläft. Auch wenn das bisher noch nie vorgekommen ist.“ Sobald im Studio die rote Lampe leuchtet, ist nämlich sehr viel Konzentration angesagt. 

Panne wegen fiktiver Warnung

Denn Pannen will er während der Live-Sendung vermeiden. Auch wenn ihm das nicht immer gelang: „Als ich in den 1990ern beim Lokalradio angefangen habe, habe ich einmal in einem Radiostudio das Moderieren geübt – unter anderem eine frei erfundene Warnung vor gefährlichem Rauch. Plötzlich kam ein Kollege herein und fragte, ob ich auf Sendung bin. Das Mischpult hatte sich – ohne dass ich es bemerken konnte – auf Sendung geschaltet. Das war natürlich peinlich, ist aber lange her.“ 

Damals war er noch für Radio MK unterwegs. Angefangen hat seine journalistische Laufbahn beim Süderländer Volksfreund. An diese Zeit erinnert er sich gerne zurück. Bis heute fühlt er sich dem Sauerland sehr verbunden. In der Sendung mit Heinrich spielt das oft eine Rolle. „Es hat sich mit der Zeit so eingespielt, dass wir verschiedene Rollen einnehmen. Sie ist die Frau aus der Großstadt, ich der Wandervogel aus dem Sauerland“, erklärt Raphael und schmunzelt. 

Das sei aber auch nicht weiter schlimm: „Ich kann mich sehr gut damit identifizieren. Wenn ich meine Eltern besuche, gehe ich meistens mit meiner Mutter auf dem Kohlberg spazieren. Radio und Wandern, das ist im Grunde das, was ich am liebsten mache und auch am besten kann.“

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