Zu Besuch im Atelier von Künstlerin Beate Overhoff in Affeln

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Künstlerin Beate Overhoff zeigt in ihrem Atelier eines der vielen Pferdebilder. Mittlerweile werden die Werke der Künstlerin allerdings zunehmend abstrakter. 

Neuenrade/Affeln - Auf großes Publikumsinteresse stieß im Frühjahr die Ausstellung der Künstlerin Beate Overhoff in der Stadtgalerie. „Pferde“ lautete der ebenso kurze wie treffende Titel, denn tatsächlich gab es in dieser Ausstellung kein Bild ohne Pferd. Schon dort zeigte sich, wie vielseitig das Schaffen der Malerin aus Affeln ist.

Die Spannweite der Darstellungsformen reichte vom zarten Strich, der das Pferd nur leicht andeutete, bis zur expressionistischen Ausdruckskraft von Farbflächen, die sich von den natürlichen Farben von Pferden freimachten. Franz Marcs Tierbilder dürfen sicherlich als Vorbilder solcher Freiheit genannt werden. 

Pferde in immer neuen Formen 

Bei allen Unterschieden der Darstellungsformen ergab die Ausstellung doch ein stimmiges Ganzes ohne große stilistische Ausreißer. Dass das aber nicht Beate Overhoffs letztes Wort in stilistischen und darstellungstechnischen Fragen ist, macht ein Besuch in ihrem Atelier deutlich. Ihr Ziel sei es, „Pferde in immer neuen Darstellungsweisen“ zu zeigen, erklärt die Künstlerin und zeigt ihre jüngsten Werke, mit denen sie sichtbar neue Wege beschreitet. 

Auf Bildern, die kunstvoll kräftige expressionistische Farben mit abstrakten Formen verbinden, erscheinen Pferdeköpfe nurmehr als eine Art Chiffre. Sie zentrieren den Blick, erheben aber längst nicht mehr den Anspruch auf eine naturalistische Nachahmung. Dass sie vielmehr Ergebnis eines offenen künstlerischen Prozesses sind, in dem die Malerin sich selber überraschen kann, macht die Vielzahl an unfertigen Bildern deutlich. „Das wird schon werden“, gibt sie sich gelassen im Hinblick auf die fälligen Überarbeitungen und bemerkt: „Je weiter man kommt, desto kritischer wird man mit sich selber.“ 

"Man muss üben"

Glücklicherweise lässt sie sich von solchen Skrupeln nicht aufhalten auf dem spannenden künstlerischen Weg. „Man muss üben – wie das Klavierspiel auch“, erklärt Beate Overhoff. Das im Sommer übrigens vorübergehend sogar mit der linken Hand, nachdem sich die Künstlerin den rechten Arm bei einem Sturz ramponiert hatte. 

In einigen Bildern taucht der Pferdekopf gar nicht mehr oder nur noch schemenhaft auf.

Nach den vielen Pferden taucht natürlich die Frage nach anderen Bildgegenständen auf: Im Keller staunt der Besucher über die Fülle an gemalten Urlaubserinnerungen. Vereinzelt versucht sich die Künstlerin auch an Stillleben und Aktgemälden mit ebenfalls sehr freien Darstellungsformen. Manche erinnern an Verfahren des Kubismus, bei denen sich die Räumlichkeit der Objekte auf der Fläche auflöst. 

Zusammenklang der Farben 

Und es gibt auch abstrakte Bilder, in denen nicht einmal ein Pferdekopf auftaucht. Sie beziehen ihren Charme allein aus ansprechenden Kontrasten und dem Zusammenklang der Farben sowie der geglückten Aufteilung der sich harmonisch ergänzenden oder sich bekämpfenden Flächen. 

Sich ergebenden Darstellungs-Sackgassen begegnet die Künstlerin zuweilen durch ein schlichtes Drehen des Bildes, wodurch sich neue Möglichkeiten eröffnen. So etwas geht mit einem Pferd, das ein klares oben und unten kennt, nicht so einfach. 

Ein Blick auf Overhoffs erste darstellende Bilder zeigt den Weg, auf dem sie sich trotz oder gerade wegen ihres unermüdlich variierten Bildmotivs „Pferde“ weit von den Anfängen entfernt hat. Im Haus in Affeln, das voll ist von ihren Gemälden, stößt der Besucher noch auf weitere Schätze: Ihr Vater Werner Tewes kopierte in akkurater Technik Meister der Kunstgeschichte. Und so hängen hier unter anderem eine Flusslandschaft nach Claude Lorrain und eine prächtige Morgenstimmung am Meer nach einem Vorbild von William Turner.

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