Nur noch Außendienst

„Beratungsdiebstahl“ als Problem: IT-Fachmann schließt Ladenlokal

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IT-Fachmann Hans Jacksties gibt das Ladenlokal auf und wird künftig verstärkt auf Heimservice setzen. Sein Geschäftsmodell wird mobiler, auch weil die Akzeptanz von Ladenlokalen schwindet und der unentgeltliche Serviceaufwand hoch ist.

Neuenrade – Hans Jacksties gehört zu jener seltenen Spezies, welche die IT-Entwicklung von Beginn an seit den 1980er-Jahren persönlich mitgemacht hat.

Ob Commodore, VC20, Sinclair, Prozessrechner oder Lochkarten – was vor allem für jüngere Leute wie aus einem längst vergangenen Zeitalter klingt – gehört für den inzwischen 61-Jährigen zu seinem Lebenslauf. Angesichts schnell wandelnder Zeiten, muss Jacksties nun seine Geschäfte neu ausrichten. Sein Ladenlokal in der Hönnestadt hat Jacksties für den Publikumsverkehr schon geschlossen. 

Er ist viel herumgekommen und hat viel gesehen und gemacht, sein Wissen hat er auch weitergegeben: So hat Jacksties 13 Jahre IT-Kurse an der Volkshochschule (VHS) Lennetal gegeben. Er war zudem Projektmanager in einem IT-Systemhaus, hat Programme für Produktionsplanung und Auftragsbearbeitung geschrieben. Mit Mitte 40 hieß es dann plötzlich: Er sei zu alt und habe die Stellen zu oft gewechselt. An einen Angestelltenjob war somit nicht zu denken. 

Schritt in die Selbstständigkeit

So machte sich Jacksties schließlich mit seinem umfassenden Wissen selbstständig. Zunächst von zu Hause aus übernahm er Rollouts – eine Art Markteinführung – für kleine Anbieter. Das bedeutete zum Beispiel Richtfunkstrecken aufzubauen und Info-Veranstaltungen in den Dörfern durchzuführen. Im Hochsauerlandkreis kümmerte er sich um ein Nischenprodukt. Breitband in Dörfern ab 20 Anschlüssen. Auch baute er Netze aus für die Deutsche Breitband in Hemer oder Dresden. Das erste Ladenlokal eröffnete er 2009 an der Bahnhofstraße, 2014 zog er zur Ersten Straße. Auch fünf Auszubildende (durchaus auch Ältere) bildete er bis dato zu IT-Systemelektronikern aus. 

Der schnelle technologische Wandel bei Soft- und Hardware erforderte auch von Hans Jacksties mit seinem Unternehmen immer wieder Wandlungsfähigkeit. Das, die Entwicklung im Einzelhandel, aber auch die Tatsache, dass „die Akzeptanz zu einer bezahlten Dienstleistung in dieser Gegend – auch durch ältere Kunden – nicht gegeben“ sei, führte jetzt zur Entscheidung von Jacksties, das Ladenlokal an der Ersten Straße zu schließen. „Die Akzeptanz, dass Service Geld kostet, ist nicht gegeben.“ Auch private Umstände spielten noch eine Rolle. 

Bestellt wird häufig im Internet

Der IT-Fachmann führt dabei die gleiche Klage, wie viele andere Fachhändler. Kunden lassen sich umfassend über Produkte beraten und bestellen letztlich doch im Internet. Dieser „Beratungsdiebstahl“, wie es Jacksties und andere Fachhändler nennen, spielte bei seiner Entscheidung ebenfalls eine Rolle. Doch das Ladenlokal ist nicht essenziell für das Geschäftsmodell von Jacksties. Mit zwei Angestellten und eine Halbtagskraft im Büro und den verstärkten Außendiensttätigkeiten bleibe auch ohnehin kaum Kapazität, um das Ladenlokal offen zu halten. Geld für Miete und Nebenkosten fließen in die Geschäftsumstellung. Gesteuert wird künftig von seiner Heimstatt aus. Dort gibt es Lager und Werkstatt. Mobilität und der Service für daheim ist das Gebot der Stunde. „Der Kunde bekommt unseren Service eben in gewohnter Umgebung.“ 

Der IT-Fachmann kümmert sich zum Beispiel um Heimnetze mit Service vor Ort und Betreuung per Fernwartung. Zum Programm gehört Reparatur/Wartung von Software und Rechnern aller Art, auch um Windows 7 kümmert er sich weiter. Er berät bei Sonderlösungen wie öffentliches W-Lan auf Sportplätzen oder wartet Heimnetzwerke. Smart Home gehört für ihn zum Standardprogramm. Für große, europaweit agierende Dienstleister wie British Telecom ist er im Außendienst tätig, kümmert sich um den Vor-Ort-Service. So baue er beispielsweise größere Kommunikationssysteme auf. 

Genug Arbeit für den IT-Fachmann

Wohin die Reise geht in dieser schnelllebigen Zeit, in der es sich noch nicht einmal lohnt, Produkte zu bevorraten, weil sie so schnell veraltet sind, da hat Jacksties präzise Vorstellungen. Das Glasfasernetz werde weiter ausgebaut, das Leben der Menschen werde weiter vernetzt. Dass ein Haus künftig „500 W-Lan-Stellen“ haben wird, ist für den 61-Jährigen kein Science-Fiction. Genug Arbeit für den IT-Fachmann.

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