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Bekannter TV-Journalist beleuchtet die Weltlage

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Von: Thomas Krumm

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Fernsehjournalist Elmar Theveßen sprach über die Weltlage vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs.
Fernsehjournalist Elmar Theveßen sprach über die Weltlage vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs. © Thomas Krumm

Die Volksbank in Südwestfalen macht sich nicht nur um die Geld- und Kreditwirtschaft in der Region verdient, sondern einmal jährlich auch um die Organisation hochkarätiger Vorträge und Diskussionen. Und so konnte Vorstandssprecher Karl Michael Dommes im Kaisergarten mit Elmar Theveßen einen der renommiertesten Fernsehjournalisten begrüßen.

Neuenrade ‒ Derzeit ist Theveßen Leiter des ZDF-Studios in Washington, von wo aus er dem deutschen Publikum in den Nachrichten regelmäßig den US-amerikanischen Blick auf die Weltlage vermittelt. Diese Perspektive sollte sich auch in seinem Vortrag zeigen, der sich schon im Titel ein großes Thema vornahm: „Wendepunkt 24. Februar 2022 – die Welt auf der Suche nach Stabilität“. Sein Ausgangspunkt war das Scheitern der Hoffnung, freiheitliche Gesellschaftsordnungen durch weltweite Handelsbeziehungen exportieren zu können. Nicht erst der Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine habe deutlich gemacht, dass dieses Konzept an „machtgierigen Führungsriegen“ der so adressierten Länder gescheitert sei. Elmar Theveßen verwies auf die kriegerischen Aktionen Russlands in Georgien und Moldawien (2008) sowie auf die Annexion von Teilen der Ostukraine und der Krim seit 2014.

Was Putin wolle, machten seine Vertragsentwürfe für Übereinkommen mit den USA und der Nato deutlich: Wiedererrichtung eines Großrusslands bis an die Grenzen der Europäischen Union. Theveßens klare Botschaft lautete: „Man muss sehr viel tun, um Putin zu stoppen.“ Für dieses Ziel brauche der Westen Einigkeit und Entschlossenheit.

Die Lage sei selbst für die Ukraine alles andere als aussichtslos: „Am 27. Februar war man fest davon überzeugt, dass russische Truppen eine Woche später an der polnischen Grenze stehen würden.“ Selbst die CIA habe das erwartet. Doch es kam anders: „Die russische Armee war sehr viel schlechter, als Putin dachte.“ Es zeige sich, dass der russische Präsident „auch keinen Plan“ habe. Die aktuelle Teilmobilisierung schüre Unzufriedenheit und Unruhen. Die Aushebung eines „letzten Aufgebots“ sei eher ein Zeichen von Schwäche als von Stärke. Die Ukraine sei deshalb „vielleicht in der Lage, diesen Krieg zu gewinnen“ und müsse in dieser Situation vom Westen stärker unterstützt werden. „Müssten wir nicht schwerere Waffen liefern?“ Es gebe keinerlei Vereinbarung unter den Nato-Partnern, dass man das nur gemeinsam tun könne.

Nichtsdestotrotz brauche der Westen „eine gemeinsame Strategie“ gegenüber dem, was in der Welt gerade passiere. Die Amerikaner hätten zum Ukraine-Konflikt eine klare Meinung: „In dieser Situation kann man nicht darüber diskutieren, ob man den Russen den Donbass überlässt.“

Es bedarf einer gemeinsamen Strategie. Und die muss sehr bald kommen.

Elmar Theveßen, Fernsehjournalist und Autor

Elmar Theveßen unterstrich auch die Bedeutung einer veränderten Wirtschaftspolitik, die sich unabhängig macht gegenüber wirtschaftlicher Erpressung durch andere Länder: „Wir brauchen eine diversifizierte Energieversorgung unabhängig von autoritären Regimen.“ Dieser Aspekt der Politik der derzeitigen Bundesregierung werde in den USA durchaus anerkannt. Angesichts ausbleibender Gaslieferungen aus Russland war es eine immense Leistung, den Füllstand der zuvor fahrlässig an die Russen verscherbelten deutschen Gasspeicher wieder auf das normale herbstliche Niveau anzuheben.

Es gibt weitere Bereiche, in denen die westlichen Demokratien unabhängiger werden müssen – allen voran die Produktion von Halbleitern und Mikrochips. Derzeit werden nicht nur in den USA, sondern auch in Magdeburg neue Fabriken für diese Elektronikbausteine errichtet, „die wir für unser Leben brauchen“. Taiwan sei wegen dieser Produkte keine unbedeutende Insel im Pazifik, sondern von großer Bedeutung für die Weltwirtschaft. Angesichts der Bedeutung des Handels mit China sprach sich Elmar Theveßen keineswegs für dessen Ende aus. Die USA verfolgten diesbezüglich aber ein klares Ziel: „Die USA trennen sich von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China in kritischen Bereichen, um unabhängig zu werden.“ Das autoritäre Regime in Peking soll „keine Hebel für Nötigung und Erpressung“ haben.

In Amerika herrsche Aufbruchstimmung angesichts der Umstellung auf erneuerbare Energien und weitere Investitionen in die Zukunft. Diese Aktivitäten betreffen auch uns: „Vieles kommt aus Deutschland.“ Ein positives Bild zeichnete der Referent von der Haltung, der Politik und den Investitionsprogrammen von US-Präsident Joe Biden. Wird er geschwächt werden bei den bevorstehenden Zwischenwahlen? Angesichts „faschistischer Züge in der republikanischen Partei“ sprächen sich „selbst führende Republikaner für demokratische Kandidaten aus“, berichtete der Gast.

Sorgen machte sich Elmar Theveßen über die vielen Differenzen innerhalb der Bundesregierung, in der Europäischen Union und zwischen Europa und den USA: „Es bedarf einer gemeinsamen Strategie. Und die muss sehr bald kommen.“

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