„The Burrell“ trennt sauber ein Brett nach dem anderen

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Der Bauernmarkt lockte wieder viele Familien nach Affeln, die vom reichhaltigen Angebot begeistert waren.

AFFELN ▪ In der Luft lag eine wunderbare Mischung aus Diesel und frisch geschnittenem Holz, die die Menschen scheinbar in ihren Bann zog. Sie blieben stehen, staunten, zückten ihre Kameras, um die handwerklichen Fähigkeiten flugs auf den Chip zu bannen.

Kleine wie große Besucher bestaunten zu Tausenden beim historischen Bauernmarkt in Affeln die vielen Demonstrationen und das umwerfende Angebot, das von den herrlichen Dampfkartoffeln bis zum Glühwein reichte. Vielleicht hatte der Standbetreiber aber auch bereits einen leichten Sonnenstich als er das ungewöhnliche Getränk im brennenden Schein der Sonne lauthals anpries.

Die Befürchtungen, die angekündigten Rekord-Temperaturen könnten auf das Besucherinteresse drücken, waren schon zu Beginn der Veranstaltung verflogen. Viele nutzen die erträglichen Temperaturen am Vormittag und strömten bereits vor dem offiziellen Start um 11 Uhr auf das Gelände. Zu sehen gab es wahrlich genug.

Bauernmarkt in Affeln

Thema des diesjährigen Bauernmarktes war die Holzverarbeitung im Wandel der Zeit. Kontrastreicher hätten die Demonstrationen kaum arrangiert werden können. Angefangen beim hochmodernen Harvester, der in Sekundenschnelle Bäume entastete, die Stämme auf Normmaß kappte und anschließend an den Forwarder übergab, der sie dann mit einer unglaublichen Leichtigkeit auf der Transportfläche stapelte. In seinem Schatten stand eine Dampfmaschine der Familie Levermann, die ein kleines Sägewerk antrieb.

Historischer Bauernmarkt in Affeln

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Klemens Levermann hatte sich mit der Dampfmaschine einen Traum verwirklicht. In vier Jahren hatte der gelernte Schmied sein Wunderwerk der Technik im Maßstab eins zu zwei nachgebaut – garantiert ohne Computertechnik. Sein „The Burrell“ getauftes, fahrbares Kraftwerk glich einem Drachen. Es spie kein Feuer, dafür aber reichlich Dampf, und entließ eine unvergleichliche Geräuschkulisse über den Acker. Ein Stunde Vorarbeit war nötig, bis die 130 Liter in dem Kessel auf Betriebstemperatur von 150 Grad geheizt waren. Dann herrschten acht bar Druck im Bauch des Stahlmonsters. Es war bereit zum Sägen. Über einen Treibriemen setzte sich das Sägeblatt in Bewegung und trennte sauber ein Brett nach dem anderen vom Stamm. Damals im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Dampfmaschinen, liefen die Uhren etwas langsamer. Der GPS-gesteuerte Pilot des Harvesters konnte da nur müde lächeln. Klemens, Frank, Markus und Oliver Levermann war das egal, sie zogen die Menschen in Scharen in ihren Bann.

Ein paar Meter weiter dominierte die manuelle Handarbeit. Dort standen Zwei-Mann-Sägen zum Testen bereit. Eine schweißtreibende Arbeit bei fast 40 Grad im Schatten. Viel leichter hatte es der Kettensägenkünstler auch nicht. In voller Schutzmontur ließ er vor den staunenden Augen der Passanten aus einem Holzklotz ein filigranes Eichhörnchen entstehen.

Die vielen Demonstrationen waren zweifelsohne beeindruckend. Doch damit war das facettenreiche Programm, das der Affelner Landmaschinenverein mal wieder auf die Beine gestellt hatte, nur angerissen. Vom Trödelmarkt über die vielen Stände und die zahllosen geschichtsträchtigen Traktoren bis zum glänzend besuchten Bauerncafe reichte das Spektrum. ▪ maj

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