Augenzeugen berichten

Großbrand bei Tyrolit: 220 Wehrleute im Einsatz - „Es knallte fürchterlich“

Industriebrand bei der Firma Tyrolit in Neuenrade
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Eine dicke Rauchwolke zog am Samstagabend über Neuenrade hinweg. Die Warn-App Nina schlug Alarm, denn der Rauch war nicht ungefährlich.

Auch am Tag nach dem Großbrand in der Firma Tyrolit waren Mitarbeiter einer Spezialfirma wie auch die Feuerwehr noch im Industriegebiet an der Osemundstraße im Einsatz. Augenzeugen berichten von lauten Knallgeräuschen und Stichflammen. Der Schaden ist immens.

Neuenrade - Bei einem Industriebrand in der Firma Tyrolit an der Osemundstraße wurde am Samstagabend die Galvanik zerstört, das Dach des Gebäudeteils ist eingestürzt. Weitere Gebäudeteile sind durch Rauch und Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Schaden ist immens, konnte aber noch nicht beziffert werden. Am Sonntagmorgen gegen 6 Uhr musste der Löschzug 1 (Innenstadt) sogar noch einmal ausrücken, um ein wieder aufgeflammtes Brandnest im Dachbereich zu löschen.

Großbrand in Neuenrade: Giftiges Löschwasser muss abgepumpt werden

Am Sonntag war die Firma Lobbe damit befasst, viel hundert Kubikmeter des giftigen, gefährlich grün schillernden Löschwassers aus Gebäude, aus der Kanalisation und dem Klärwerk abzupumpen. Ununterbrochen fuhren noch am Sonntag Sattelschlepper mit großen Tanks das kontaminierte Wasser ab. Die Polizei leistete dabei Amtshilfe, sorgte für freie Fahrt.

Die Firma Lobbe war die Nacht von Samstag auf Sonntag und am gesamten Sonntag mit Abpumpen und Löschwasserentsorgung befasst.

Stundenlanger Kampf gegen das Feuer - 220 Feuerwehrleute im Einsatz

Mehrere Stunden hatte die Neuenrader Feuerwehr seit Samstagnachmittag unter der Leitung des erfahrenen Stadtbrandmeisters Karsten Runte sowie weitere Wehren aus den umliegenden Ortschaften gegen das Feuer gekämpft, das gegen 16.30 Uhr gemeldet wurde.

Feuer bei Tyrolit: Die Feuerwehren aus Neuenrade und Werdohl greifen von zwei Seiten an.

Tyrolit-Mitarbeiter waren nicht im Gebäude. Gegen 20.30 Uhr war das Feuer unter Kontrolle. Feuerwehrtrupps untersuchten den Gebäudekomplex noch auf Brandnester. Insgesamt 220 Feuerwehrleute, einschließlich jener, die sich am Verfügungsraum am Baumarkt Arens & und Hilgert bereit hielten und Kollegen zum Teil ablösten, waren im Einsatz.

Dicke Rauchschwaden und ein stechender Geruch zogen über das Industriegebiet

Etliche Spezialisten waren am Ort des Geschehens. Messwagen nahmen Luftproben an diversen Messpunkten, denn dicke Rauchschwaden zogen während des gesamten Einsatzes über das Industriegebiet. Gott sei Dank stand der Wind günstig, die Schwaden wurden meist in Richtung Wald abgetrieben.

Großbrand bei Tyrolit: Halle brennt vollständig aus

Industriebrand bei der Firma Tyrolit in Neuenrade
Industriebrand bei der Firma Tyrolit in Neuenrade
Industriebrand bei der Firma Tyrolit in Neuenrade
Industriebrand bei der Firma Tyrolit in Neuenrade
Großbrand bei Tyrolit: Halle brennt vollständig aus

Gleichwohl lag in der Umgebung des Brandes ein stechender Geruch in der Luft. Über die Warn-App Nina waren Anwohner gebeten worden Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auch per Sirenenalarm waren die Anwohner gewarnt worden.

Zeugen berichten: „Stichflammen kamen aus dem Gebäude raus“

Die Polizei evakuierte Bewohner in der Nachbarschaft des brennenden Unternehmens, die dort in Werkswohnungen leben. Die drei älteren, zum Teil gehbehinderten Herrschaften wurden zunächst im Notfallbus des Märkischen Kreises, später dann im Hotelrestaurant Kaisergarten untergebracht, bis sich die Lage beruhigt hatte. Andere Anwohner kamen bei Verwandtschaft unter. Alle hatten nur das Nötigste oder gar nichts mit. Das Ordnungsamt der Stadt Neuenrade und Bürgermeister Antonius Wiesemann kümmerten sich.

Brigitte und Fredi Achenbach sowie Margot Sohre berichten von dem Großbrand. Brigitte Achenbach erklärt: „Wir wohnen direkt gegenüber. Wir hörten die Feuerwehr und ich ging auf den Balkon. Da knallte es fürchterlich und Stichflammen kamen aus dem Gebäude raus.“

Zeugen des Geschehens waren auch Benedikt Koch und seine Frau Sandra aus Balve. Sie hatten vielleicht als erste den Notruf gewählt: „Um 16.39 Uhr haben wir den Notruf gewählt, wir kamen aus dem Baumarkt und wollten nach Werdohl. Beim Vorbeifahren sah ich den dunklen Rauch, der mir komisch vorkam. Am Dach oberhalb des Parkplatzes schlugen bereits Flammen aus dem Gebäude und wir haben 112 angerufen. Sind dann aber auch weiter gefahren, um niemanden zu behindern. Wir haben auch versucht in der Firma anzurufen, falls da noch jemand drin gewesen wäre. Die Feuerwehr war echt schnell.“

Einsatz von Drohne und Messzug - Unterstützung aus Plettenberg, Werdohl, Balve und Hemer

Die Feuerwehr nutzte während des Brandgeschehens alle technischen Möglichkeiten: Neben den Messzügen wurde eine Drohne eingesetzt, um den Brandherd möglichst genau zu lokalisieren. Doch was sich genau im Gebäude abspielte, mussten die mit Atemgeräten und Schutzanzug ausgerüsteten Feuerwehrtrupps herausfinden. Zwischenzeitlich waren alle Atemschutzgeräte im Einsatz, sodass rasch für Nachschub gesorgt wurde. Mit insgesamt vier C-Rohren, von mehreren Seiten wurde der Brand bearbeitet, so Einsatzleiter Runte.

220 Feuerwehrleute waren wegen des Großbrandes am Samstagabend eingebunden, darunter auch Wehrkräfte aus Plettenberg, Werdohl, Balve und Hemer.

Gegen 18 Uhr waren dann große Teile des Brandes unter Kontrolle, die weitere Brandausbreitung wurde verhindert. Zusätzlich eingesetzt waren die Drehleitern aus Plettenberg und Werdohl, auch die Drehleiter aus Balve war aus ersatztechnischen Gründen nachalarmiert worden. Nach Eindämmung des Brandes hatte man noch versucht, die Umweltschäden durch Löschwasser gering zu halten.

Vor Ort war auch der Messzug des Märkischen Kreises mit Kreisbandmeister Michael Kling. Zudem war die Dekontaminationseinheit aus Hemer vor Ort. Mehrere Brandabschnitte waren zur Bekämpfung des Feuers gebildet worden. Wie gefährlich der Einsatz war, zeigte sich durch den Teileinsturz des Gebäudekomplexes.

Entlastung und Ablösung

Am Abend wurden dann Einsatztrupps der Neuenrader Wehr entlastet. „Ablösung kam durch drei Züge überörtlicher Hilfe“, sagte Runte. Auch Einheiten der Feuerwehr Lüdenscheid kamen noch. Auch für die Lüftung im Gebäude und die Betreuung der Wehrkräfte wurde gesorgt. Eine Entwarnung hatte es zwischenzeitlich dann durch den Messzug gegeben. Messungen hatten erwiesen, dass nichts Schlimmes in der Luft lag,.

Die Warnung, Fenster und Türen geschlossen zu halten, war daher wieder aufgehoben worden. Auch am Ort des Geschehens war der Ruhrverband, die untere Wasserbehörde, sowie RWE, weil dort eine Gasleitung verläuft. Für die Feuerwehr war es eine lange Nacht. Erst am frühen morgen gegen 4 Uhr war der Einsatz beendet.

Nach dem Großbrand in Neuenrade: So geht es weiter

Zur Brandursache konnte Sonntagabend der Einsatzleiter und Feuerwehrchef Karsten Runte nichts sagen: „Das war ein Vollbrand“. Da könne man auf Anhieb nichts ausmachen. Das müssten zudem die Experten dann herausfinden, sagte er.

Ob das Unternehmen Tyrolit teilweise weiter produzieren kann, war am Samstagabend noch nicht klar. Ein Verantwortlicher Mitarbeiter sagte, dass man versuche, den Lagerbereich in Betrieb zu halten.

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