MJO mit beeindruckendem Pensum im Kaisergarten

Im Rahmen seiner Sommerkonzerttournee trat das Märkische Jugendsinfonieorchester am Sonntagvormittag im Saal des Hotels Kaisergarten in Neuenrade auf. 

Neuenrade - „Leider nicht von mir“ ist wohl die größte Anerkennung, die ein Komponist dem Werk eines Kollegen zollen kann. Dem Publikum seiner Sommerkonzerte präsentierte das Märkische Jugendsinfonieorchester (MJO) diesen Stoßseufzer als ein kleines Rätsel.

"Auf welches Werk, auf welchen Komponisten, auf welches Stück bezieht sich diese Bemerkung?“, leitete Moderator Felix Kriewald die Auflösung ein. Die Antwort gab die Zugabe der jungen Musiker, doch zuvor hatte das Orchester ein beeindruckendes Pensum im Kaisergarten zu absolvieren: Als Muntermacher fungierte die Rumänische Rhapsodie Nummer 1 des Rumänen George Enescu, der aus Melodien der rumänischen Volksmusik und abwechslungsreichen Rhythmen ein mitreißendes Werk schuf. 

Mit dem Kontrafagott aus der Pause 

Bevor es erneut um das Thema Muntermachen und Aufwachen ging, hatte Diana Rohnfelder, die derzeitige Musik-Stipendiatin der Märkischen Kulturkonferenz, ihren ersten großen Auftritt als Solistin bei Wolfgang Amadeus Mozarts „Konzert für Fagott und Orchester B-Dur“. 

Mit dem großen Bruder des Fagotts, einem leuchtenden Kontrafagott, kam sie aus der Halbzeitpause. „Wundern Sie sich nicht, dass Sie den Namen des Komponisten noch nicht gehört haben – er lebt nämlich noch“, schaute Felix Kriewald tief in die Tradition christlichen Denkens, die wahren Ruhm erst nach Tod und Auferstehung verkünden mochte. 

Töne aus unglaublicher Tiefe 

Hans-Peter Preus witziges „Beasty Beast is back“ machte natürlich dennoch Freude – als die musikalische Umsetzung der Trägheiten und ersten Geistesblitze, die ein Mensch beim Aufstehen so erleben kann. Aus unglaublichen Tiefen kamen die Töne, die Diana Rohnfelder ihrem Kontrafagott entlockte. Und das Sinfonieorchester spielte dazu einen feingewebten Teppich aus besonderen Klangeffekten sowie Jazz- und Funkrhythmen. Irgendwie kommt man morgens ja doch immer wieder hoch. 

Böse waren die ersten Reaktionen auf die 4. Sinfonie von Johannes Brahms. „Ganz wie der liebe Gott versteht auch Herr Brahms sich auf das Kunststück, aus nichts etwas zu machen“, ätzte Komponistenkollege Hugo Wolf. Und auch die Wiener Sinfoniker waren nicht restlos begeistert, als sie das Werk zum ersten Mal spielen mussten: „Es fiel ihm wieder mal nichts ein“, sang Felix Kriewald ihren Spott auf das eher sparsame melodische Material der Sinfonie. 

Die aktuelle Musik-Stipendiatin Diana Rohnfelder beeindruckte mit ihren Soloauftritten.

Der Weg von den traurig-tragischen Sätzen Eins und Zwei zum teilweise triumphalen Gestus der Sätze Drei und Vier war gewaltig und mit nur kleinen Ausrutschern wahrlich beeindruckend für ein Ensemble, das sich seine Programme in gut einwöchigen Probephasen erarbeiten muss. Unterstützt wurde Dirigent Thomas Grote diesmal vom ehemaligen Orchestermitglied Tim Hüttemeister. Er studiert mittlerweile das Fach „Dirigat“. 

Als Zugabe und Auflösung des Titel-Rätsels spielte das Orchester schließlich Johann Strauss’ unvergängliche Flussperle: „An der schönen blauen Donau“.

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