Bauen in und um Neuenrade

Bungalows, Baulücken und Baugebiete 

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Dietmar Brinkmann präsentiert die Pläne für das Baugebiet Auf dem Felde II in Affeln.

Neuenrade - Mit 69 Jahren ist Bauunternehmer Dietmar Brinkmann morgens der Erste und abends der Letzte auf der Baustelle. Brinkmann nutzt Baulücken wie kein Zweiter und bebaut bald auch das Baugebiet in Affeln.

Neuenrade - Kein Zweifel – Bauen und Baustellen sind sein Leben. Das Organisieren, Telefonieren, sich zu kümmern, Engpässe beseitigen, das Verhandeln, das Hemdsärmelige - all das ist seine Welt. 

Sicher könnte er sich mit einem ganz besonders dicken SUV auf den Baustellen blicken lassen, doch der 69-jährige Dietmar Brinkmann nimmt lieber mit einem Dacia Kastenwagen vorlieb („9500 Euro und läuft einwandfrei“). 

Das hat nichts mit Understatement zu tun – er sieht es wohl einfach nicht ein, mehr Geld zu bezahlen. 

Stadtbildprägende Bungalows

Brinkmann ist ein Begriff in Neuenrade. Und wer sich umschaut in der Umgebung, der wird gewahr, dass der Bauunternehmer mit seinen verklinkerten Bungalows mehr das Stadtbild geprägt hat, als andere aus der Branche. 

Seine kleinen Bungalows auf Bodenplatte sind ganz offenkundig ein Verkaufsschlager. Brinkmann selbst macht keinen Hehl daraus. „Jeden Tag bekomme ich zwei Anrufe von Leuten, die einen haben wollen.“ Die Kunden scheinen dabei zufrieden, wie jene Hausherrin in dem frisch gebauten Bungalow an der Werdohler Straße.

„Im Dezember lag die Bodenplatte, jetzt wohnen wir drin und es ist alles trocken.“ Brinkmann freut sich. Der Bauunternehmer ist sicher auch Experte für „Nachverdichtung“, sprich dem Ausnutzen von Baulücken.

Baulücken im Hinterhof

Nicht zu jedermanns Freude. Ärger hatte er schon zuweilen mit Anwohnern, in deren „Hinterhof“ plötzlich Bungalows gebaut wurden und die zuvor massiv Bedenken wegen der geplanten Bebauung oder der aus ihrer Sicht zu schmalen Zufahrt geäußert hatten.

Auch das Baugebiet Auf dem Felde II hätte der Unternehmer gerne „fünf Jahre eher“ in Angriff genommen. Doch Anwohner der Siedlung, die an das neue Baugebiet angrenzt, waren mit der Ausgestaltung und Konzeption des Baugebietes nicht einverstanden, sie äußerten Bedenken, seltene Vogelarten wurden entdeckt, ökologische Bedenken angeführt. Reaktionen, die Brinkmann als gegen die Gemeinschaft gerichtet empfindet.

Zudem: Ein in der Nähe ansässiger Landwirt reichte eine Normenkontrollklage wegen des Baugebietes ein, weil er später einen Rechtsstreit wegen Geruchsbelästigung befürchtete, da die neue Siedlung relativ nah an seinem Bauernhof liegt und er einen Mast-Stall bauen will. Sogar Geruchsgutachten wurden erstellt. 

Dorfentwicklung und Baugebiete

Es ging im Grunde um eine Art Rechtsgüterabwägung, Dorfentwicklung versus ebenfalls nachvollziehbarer und rechtssicherer Entwicklung eines landwirtschaftlichen Betriebs. Am Ende befanden die Richter „Auf dem Felde II“ für rechtens – Brinkmann hatte freie Bahn. Rückblickend bekommt der Bauunternehmer schnell einen dicken Hals, wenn er an den Ärger denkt. 

Er kann es nicht verstehen und redet sich schnell in Rage, verweist auf Stolpersteine, die man ihm in den Weg gelegt habe aber auch auf durchaus faire Verhandlungen. Hier bauen fast nur Affelner „Landflucht“ erwähnt er noch – das sei alles Quatsch und nur Leute, die keine Ahnung hätten, würden das Wort in den Mund nehmen. 

Es seien doch fast ausschließlich Affelner, die dort im neuen Baugebiet ihr Häuschen bauen wollten, er kenne gar jemanden, der sogar aus Mainz wieder hierher ziehen möchte. Es gehe bei diesem Baugebiet am langen Ende eben auch um die Nähe der Generationen, um Eltern, die Pflege der Eltern, es gehe um den Kindergarten, um die Schule in Altenaffeln und den Bäcker am Ort – all das werde auch durch ein Neubaugebiet am Leben erhalten und weiterentwickelt.

Den jungen Familien müsse die Gelegenheiten gegeben werden in ihrem Dorf weiter zu leben, die Dorfgemeinschaft zu erhalten. „Wenn der Ortsvorsteher für das Dorf um Hilfe bittet, dann melden sich sofort zehn Leute,“ sagt Brinkmann, um einen Aspekt einer lebendigen Dorfgemeinschaft zu erläutern. 

Nichts hält er daher auch von den planerischen Grenzen, die höheren Orts gezogen werden, um den Flächenverbrauch zu reduzieren und Neubaugebiete heuer eher Seltenheitswert bekommen. Wie dem auch sei: Jetzt wird mit der Erschließung des Baugebietes begonnen, Brinkmann lässt gerade auf dem Gelände des Baugebietes den Mutterboden abschieben, im Sommer werden zwei Häuser gebaut. Dabei hält er eine gewisse Reihenfolge ein. „Die haben am längsten gewartet“. 

Platz für 18 Häuser

18 Häuser werden dort gebaut, die Grundstücksgrößen variieren von 500 bis 650 Quadratmeter, sechs Grundstücke werden von der Stadt im Losverfahren vergeben. Die Straße Auf dem Felde wird dabei in einem Bogen durch das neue Baugebiet verlängert, oberhalb und unterhalb der Straße sind die Baugrundstücke. Zudem gibt es Ausgleichsflächen, einen Spielplatz mit vorgeschriebenen Geräten und Brinkmann muss etliche Bäume pflanzen. 

„Jeder Baum wird dir vorgeschrieben“. Erschließung und Entwässerung muss natürlich nach modernsten Methoden erfolgen. In Neuenrade hat Brinkmann seit einigen Jahren alle Hände voll zu tun, überall baut er seine Häuschen – und nicht nur Bungalows. Auch mehrstöckige Gebäude kann er und Mehrfamilienhäuser. 

Damit ist er aktuell an der Werdohler Straße befasst, wo er innerhalb von wenigen Monaten gleich drei Häuschen realisierte und weitere baut. Brinkmann, der nach eigenen Angaben zehn Mitarbeiter beschäftigt, mit diesen fast alles allein baut und so eine weitgehende Unabhängigkeit von anderen Gewerken hat, verweist auf seine Projekte: Drei Häuser an der Jahnstraße, drei Häuser im Duda, eins an der Landwehr, zwei Auf der Hecke und noch zwei an der Uhlandstraße, gerne zeigt er noch die kleine Siedlung im Bereich Breslauer Straße, die gerade zum Großteil von ihm fertiggestellt wurde. 

Mit 90 Jahren nur noch halbe Tage

Der Bauunternehmer spricht gern mit neuen Hausbesitzern, fragt hier nach wie es geht, spricht dort über Mutterboden und macht Scherze – der 69-jährige Dietmar Brinkmann ist in seinem Element. 

Rein jahreszahlentechnisch könnte sich der Mann auf die Rente vorbereiten. Die Firmen-Nachfolge sei geregelt, sagt er und verweist auf seinen Nachwuchs. Doch er sei mehr als fit mit seinen 69 Jahren, sei morgens der erste an der Baustelle und abends der letzte. Erst später plane er kürzer treten: „Mit 90 werde ich dann erst einmal halbe Tage machen.“

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