Aldi-Markt und Wohnbebauung

Bauprojekt Niederheide: Der Ratsbeschluss steht, die Grünen beginnen dennoch eine neue Diskussion

An der Niederheide möchte sich der Discounter Aldi ansiedeln, zudem soll Wohnbebauung realisiert werden. Der Ratsbeschluss steht auch bereits. Die Fraktion der Grünen sieht jetzt aber plötzlich nochmals Redebedarf.
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An der Niederheide möchte sich der Discounter Aldi ansiedeln, zudem soll Wohnbebauung realisiert werden. Der Ratsbeschluss steht auch bereits. Die Fraktion der Grünen sieht jetzt aber plötzlich nochmals Redebedarf.

Eigentlich ist die Sache erledigt. Der Bebaungsplan für das Bauvorhaben Aldi nebst Wohnbebauung an der Niederheide ist rechtskräftig.

Gleichwohl machen Bündnis 90/Die Grünen wieder Druck. Fraktionschefin Christiane Vollmer: „Ich habe gemerkt, dass die Position der Grünen in dieser Angelegenheit in der Vergangenheit nicht klar zum Ausdruck gekommen ist, deshalb drängen wir auf nachhaltige Verbesserungen.“

Schon vom Grundsatz her sei man bei den Planungen nicht ausreichend auf die Bedürfnisse der Anlieger und die Aufenthaltsqualität des überplanten Areals eingegangen, machte Vollmer deutlich. Die Grünen sehen viele Möglichkeiten einer nachhaltigen Stadtentwicklung. „Die Interessen sind nicht ausgewogen berücksichtigt, zum Beispiel bei Rad- und Fußverkehr.“

Alter Wunsch nach Offenlegung der Hönne

Ulrich Naumann, für die Bündnisgrünen im Planungsausschuss, holt noch einmal den Wunsch, die Hönne, welche am Rande des Areals fließt, offenzulegen wieder hervor. Und nicht nur das: „Die geplante großflächige Versiegelung, das Verkehrskonzept mit einer Linksabbiegerspur auf der Bahnhofsstraße, die so erforderliche Fällung von alten Bäumen und die verpasste Chance einer Offenlegung der Hönne – das sind einige der Gründe, aus denen die Grünen die Planungen mit Skepsis begleiten“, schreibt Naumann in eier Pressemitteilung.

Christiane Vollmer ergänzt: „Jetzt geht es darum, die Niederheide für ökologische Verbesserungen in Neuenrade zu nutzen. Die Offenlegung der Hönne kann das Kleinklima in der Innenstadt verbessern, ebenso wie der Erhalt des alten Baumbestandes an der geplanten Trasse für die Einfahrt zum Discounter. Ein integriertes Verkehrskonzept, in dem Fußgänger und Radfahrer gleichberechtigt neben dem Autoverkehr mitgedacht werden, ist erforderlich.“

Aufenthaltsqualität soll für alte und junge Menschen stimmen

Auch Bündnisgrünen-Vertreter Tom Reismann, der im Ausschuss für Schule, Sport, Jugend und Soziales sitzt, wird in der Mitteilung zitiert: „Wir wünschen uns ein breites Beteiligungsverfahren, damit die Aufenthaltsqualität an der Niederheide für junge und alte Menschen gleichermaßen stimmt. Möglichkeiten zu spielen, spazieren zu gehen und Zeit mit anderen zu verbringen, sind ebenso wichtig wie Einkaufsmöglichkeiten.“

Um ihre Positionierung noch einmal deutlich zu machen, wollen sich die Grünen im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung am 20. Januar im Saal des Hotels Kaisergarten, in dem es unter anderem um Vertragsangelegenheiten in Sachen Niederheide geht, bei der Abstimmung enthalten. Zudem werde man „intensiv nachfragen“, sagte Vollmer. In Sachen Hönne-Offenlegung verwies sie zudem auf die Empfehlung der Unteren Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises, die das ebenso empfohlen hätte.

Freilegung würde „Nutzbarkeit des Grundstücks erheblich einschränken“

Zum Hintergrund: Im März vergangenen Jahres hatte Ulrich Naumann die Sache mit der Hönne ins Spiel gebracht: Demnach sollte die Hönne im Plangebiet freigelegt werden. Bauamtsleiter Marcus Henninger sagte seinerzeit, dass die verrohrte Hönne dort ziemlich tief liege, eine Freilegung mithin einer Gracht gleichen würde, was für das Gewässer nichts bringe. Ein Gewässer zu renaturieren bedeute aber, diesem Raum zu geben. Die Hönne müsse also mäandern und brauche Ausdehnungspotenzial. Das kollidiere allerdings mit dem Bauprojekt und „würde die Nutzbarkeit des Grundstückes erheblich einschränken“. Auch die Reservefläche für die Schule gelte es zu berücksichtigen. „Wenn die Hönne dort ans Licht geholt werden soll, wäre das „ein Paradigmenwechsel“, sagte Henninger damals. Er reduzierte seine Ausführungen auf die Entscheidung: Discounter oder Freilegung der Hönne.

Auch seitens der Freien Wählergemeinschaft (FWG) war damals die Verbesserung des Umfelds angeregt worden. Detlef Stägert brachte einen Fahrradweg ins Spiel, der Grüne Naumann einen Steg, der über die Hönne führen könnte. Während der Radweg durchaus noch Thema ist, obwohl der über ein Firmengrundstück führen würde, wurde seitens der Verwaltung auf die hohen Kosten für einen Steg verwiesen. „Technisch möglich, aber auch sehr kostspielig“, hieß es damals im Bau- und Planungsausschuss.

Bürgermeister: „Jetzt ist das zu spät“

Seit gut vier Jahren werde das Plangebiet Niederheide in vielen Formaten öffentlich behandelt. Es habe genug Möglichkeiten gegeben, Anregungen anzubringen und mitzuwirken, ließ Baumatsleiter Marcus Henninger auf Nachfrage durchblicken. Bürgermeister Anontius Wiesemann sagte zum Ansinnen der Grünen: „Das ist alles mal angesprochen worden, es gab aber keine Konkretisierung. Jetzt ist das zu spät“.

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