Protestaktion in Neuenrade

Baumfällungen ohne Erlaubnis: Eigentümer nimmt Strafe in Kauf

Die stellvertretende sachkundige Bürgerin Janine Lohmann protestiert mit einem Plakat gegen die Fällung von teilweise geschützten Bäumen wie Linden und Buchen.
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Die stellvertretende sachkundige Bürgerin Janine Lohmann protestiert mit einem Plakat gegen die Fällung von teilweise geschützten Bäumen wie Linden und Buchen.

Es ist ein ungewohnter Anblick: Das kleine Wäldchen ist futsch und nun herrscht freier Blick auf die Weinbau-Fläche und den Schießstand der Neuenrader Schützen. Ein Dutzend abgeholzter Laubbäume und Nadelholzstämme liegen auf dem Parkplatz Hinter der Stadt.

Diese Aktion ist natürlich nicht unbemerkt geblieben. Auch bei der Stadtverwaltung nicht. Denn die Bäume wurden einfach ohne Genehmigung gefällt. Die Stadt registriert hier einen Verstoß gegen die Baumschutzsatzung.

Immer wieder bleiben Leute stehen. Zudem prangt dort schon ein Protestplakat: „Baum ab? Nein Danke – Erst stirbt der Baum, dann stirbt der Mensch“ ist dort zu lesen. Aufgestellt hat das Plakat Janine Lohmann. Sie ist parteilose stellvertretende sachkundige Bürgerin im Nachhaltigkeitsausschuss und Mitglied der Grünen-Ratsfraktion. Zudem ist sie Pfadfinderin und hat etwas für Bäume übrig. „Jeder Baum, der einigermaßen gesund ist, sollte erhalten werden,“ ist ihre Maxime. Sie verweist vor diesem Hintergrund auch auf den käferholzbedingten Kahlschlag rund um Neuenrade.

Bereits vor zwei Jahren gegen Abholzung protestiert

Dass sie so flott ein Protestplakat parat hat, liegt einfach daran, dass sie und andere vor zwei Jahren gegen Abholzung und Beschneidung von Bäumen an der Feuerwache protestiert hatten. Doch es ist nicht nur das. „Ich verfüge über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.“ So hakte sie direkt beim Bürgermeister nach, als sie von den Baumfällungen erfuhr. Dass nun keine Genehmigung vorliegt, ärgert sie enorm. Wäre alles seinen Gang „mit Genehmigung und Ersatzpflanzung gegangen“, hätte sie nichts unternommen. Nun aber protestiert sie. Die Bäume wurden kurz vor dem 1. März gefällt, danach ist das nicht mehr statthaft.

Auf dem Kohlhage-Gelände sind die Baumstämme gelagert.

Bei der Stadtverwaltung sagte Bauamtsleiter Marcus Henninger, dass unter den gefällten Bäumen einige seien, die nicht unter die Satzung fielen, aber auch Buchen und Linden, die geschützt seien. „Der Eigentümer bekommt Post von uns,“ sagte er. „Mir liegt kein Antrag vor.“ Dass auf dem Gelände eine Bebauung vorgesehen ist, bestätigte der Bauamtsleiter, vermochte aber Konkretes nichts zu sagen. Und das Gelände sei auch grundsätzlich planungsrechtlich bebaubar, ein alter Bebaungsplan liege vor. Dass möglicherweise Schadstoffe auf dem ehemaligen Kohlhage-Gelände liegen, ist für den Bauamtsleiter „eine lösbare Geschichte“, und die Nähe zur Schießanlage spiele für Bauplanungen zunächst wohl keine Rolle.

Verwaltung scheut sich nicht, Strafen zu verhängen

Ärger mit ungenehmigten Abholzungen gab es schon häufiger. Die Stadtverwaltung scheut sich nicht, gehörige Strafen zu verhängen und Auflagen für Ersatzpflanzungen auszusprechen. So wurde es zum Beispiel unangenehm teuer für den Evangelischen Kirchenkreis, der Bäume am alten Friedhof ohne Genehmigung gefällt und beschnitten hatte.

Die Satzung gibt genau vor, wann Genehmigungen fällig werden. Dabei spielen Baumumfang (geschützt ab 80 Zentimetern Umfang), Baumart, Gefährdungen, Baumkrankheiten und weitere Kriterien eine Rolle. Wer gegen die Satzung verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die kann für den Normalsterblichen teuer werden. Bis zu 25 000 Euro können unter anderem fällig werden. Der Eigentümer meldete sich am Mittwoch nicht auf eine telefonische Nachfrage.

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