Ein Herz für altes Blech

Bauernsohn will Papas alte Traktoren zurückholen

Der grüne Güldner ABN, Baujahr 1955, auf dem Andreas Wiesemann-Hesse hier mit seiner Tochter Hannah sitzt, war das erste exemplar, dass der Bauernsohn aus Altenaffeln restauriert hat.
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Der grüne Güldner ABN, Baujahr 1955, auf dem Andreas Wiesemann-Hesse hier mit seiner Tochter Hannah sitzt, war das erste exemplar, dass der Bauernsohn aus Altenaffeln restauriert hat.

Drei Traktoren gab es einst auf dem elterlichen Hof des vormaligen Ortsvorstehers von Altenaffeln. Und vor sieben Jahren hat sich Andreas Wiesemann-Hesse in den Kopf gesetzt, die drei Modelle in seinen Besitz zu bringen.

Altenaffeln ‒ Drei Traktoren gab es einst auf dem elterlichen Hof des vormaligen Ortsvorstehers von Altenaffeln. Und vor sieben Jahren hat sich Andreas Wiesemann-Hesse in den Kopf gesetzt, die drei Modelle in seinen Besitz zu bringen. Folglich schloss er sich der seit gut 15 Jahren bestehenden Interessensgemeinschaft der Oldtimerfreunde Altenaffeln an. Und mit der Begeisterung für altes landwirtschaftliches Gerät hat auch längst einen Nachwuchs infiziert. Selbst die 13-jährige Tochter Hannah fährt schon sicher mit dem Traktor – natürlich nur auf dem Privatgelände.

Im Internet trieb Wiesemann-Hesse als erstes den roten Traktor der Firma Güldner – Modell ABN, Baujahr 1955 – auf. „Den habe ich in Bayern gefunden“, erinnert er sich. Vor vier Jahren kam das zweite historische Gerät hinzu: ebenfalls ein Güldner, Modell Toledo, Baujahr 1963. Fundort war in diesem Fall Niedersachsen.

Fünfstellige Summe investiert

Beide Gefährte mussten umfangreich instand gesetzt werden. Wiesemann-Hesse hat nur auf eines geachtet: „Der Motor musste soweit okay sein. Ich kann zwar eine Zylinderkopfdichtung reparieren, aber dann hört es auch schon auf.“ Dennoch: „Beide Trecker habe ich komplett auseinander gebaut, den Rost entfernt und alles neu lackiert.“

Viele alte Teile habe er dabei auch gleich gegen neue ausgetauscht. Dann rechnet er im Kopf: „Der rote hat 3200 Euro gekostet, der grüne 1800. Und zusammen habe ich in beide noch einmal 5000 Euro reingesteckt.“ Reifen wurden erneuert, Verdeckteile wechselte Wiesemann-Hesse. „Und immer wieder habe ich festgerostete Teile erst einmal wieder gängig gemacht“, erinnert sich der Trecker-Fan. „Unzählige Dichtungen mussten zudem ausgetauscht werden.“

Ein Wunsch ist noch unerfüllt

Dabei ging ein Großteil seiner Freizeit drauf: „Die Stunden, die ich da investiert habe, habe ich gar nicht gezählt“, gesteht der Ex-Ortsvorsteher. „Aber an dem Roten habe ich ein Jahr geschraubt. Und an dem Grünen dann noch einmal anderthalb Jahre.“

Auf den alten Familienfotos zu sehen ist dann noch ein Traktor der Firma Hanomag, Modell R27. „Den habe ich noch im Blick“, erklärt der Altenaffelner, „aber die Lust am Schrauben müsste jetzt erst einmal wieder kommen.“ Ein wenig ausgepowert sei er nun schon.

Andreas Wiesemann beschreibt Radioreporterin Katharina Strohmeyer seinen roten Güldner Toledo.

Die lose Interessensgemeinschaft der Altenaffelner Oldtimerfreunde ruht derzeit auch ein wenig. „Ausfahrten könnten trotz Corona zwar eigentlich stattfinden – mit dem entsprechenden Abstand“, erläutert Wiesemann-Hesse. Aber dann grinst er breit und verkündet: „Dass wir nicht auf Tour gehen, liegt jedoch ganz sicher daran, dass wir auf das anschließende Bier momentan verzichten müssten.“

Im Winter zum „Schmiernippel-Stammtisch“

Eigentlich fahren die Oldtimerfreunde in den Sommermonaten an jedem ersten Sonntag im Monat los, mal zur Sorpe, mal zu einem Eisessen und mal auch mit Übernachtung etwas weiter weg, beispielsweise bis nach Olsberg. Im Winter träfen sie sich auch monatlich, sagt Wiesemann-Hesse „zum Schmiernippel-Stammtisch“.

Ob Sommer oder Winter, „von den 40 Mitstreitern sind eigentlich immer 20 bis 25 dabei“ – wie gesagt: Wenn nicht gerade Corona die Lage fest im Griff hat. Mehr kommen dann aber zum Oldtimerfest, welches immer am Mittwoch vor Fronleichnam über die Bühne geht. Dann stellen sie alle 50 Traktoren, über die sie insgesamt verfügen, zusammen. „Es gibt immer Bratkartoffeln mit Spiegelei und das Stockumer Jugendorchester spielt drei, vier Stunden“, schwelgt Wiesemann-Hesse in Erinnerungen an diese jährliche Sause in der Maschinenhalle des Forstbetriebes Ernst in Altenaffeln.

Auf dem Hof mehr Trecker als Tiere

Nicht nur Treckerfreunde seien dann willkommen, sondern alle aus Nah und Fern. „Zuletzt waren immer rund 100 Leute dabei“, weiß Wiesemann-Hesse. Dann schwärmt er: „Was ich an den Oldtimerfreunden Altenaffeln so toll finde: Dass da in Zeiten, wenn Vereine überall aussterben, Jung und Alt zusammen kommen – alle von zwölf bis 80 Jahren sind dabei, wenn wir feiern.“ Entgegen des allgemeinen Trends steige sogar die Zahl der festen Mitstreiter in der Altenaffelner Runde.

Den elterlichen Hof von Andreas Wiesemann-Hesse bewirtschaftet heute sein Bruder. „Dessen Traktoren sind aus den 70er-Jahren und somit selbst schon Oldtimer“, erläutert der dreifache Vater und lächelt. „Heute haben wir mehr Trecker hier als früher Viecher.“ Sein Bruder betreibe ausnahmslos Ackerbau und Forstwirtschaft. „Tiere gibt es nur noch ein paar Mäuse und eine Katze.“

Dann überlegt Wiesemann-Hesse und kommt zu dem Schluss: „Bei den Oldtimerfreunden stammt das älteste Fahrzeug aus dem Jahr 1938.“ Und mit einem Mal hat der Oldtimer-Freund einen Glanz in den Augen. „Nein“, sagt er, „ich habe nicht den Ehrgeiz, den ältesten Traktor von uns zu haben.“ Aber dieser eine Hanomag, der reize ihn dann doch schon noch. Hergestellt wurde dieser von 1953 bis 1957.

Altenaffeln im Radio

Andreas Wiesemann-Hesse präsentiert seine Trecker in dieser Woche auch im Radio. In der Sendung „WDR 4: Mein Nachmittag“ ist Altenaffeln von Montag bis Freitag Ort des Geschehens der Serie „Mein Dorf“. Täglich zwischen 14 und 18 Uhr stellt dort Reporterin Katharina Strohmeyer in jeweils zweiminütigen Beiträgen neben den Oldtimerfreunden auch noch die Oster-Tradition des Riärtelns, die Gaststätte Henblas, den Schalke-Fanclub Sauerlandkreisel 04 sowie das Poltermobil vor. Bei Letzterem handelt es sich um eine Art Planwagen mit fest installierter Klopapier-Kanone, die auf Polterabenden für Stimmung sorgt.

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