Für jeden Winter gerüstet

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Klaus Peter Korte und Bernd Uerpmann vor dem Streusalzsilo.

Neuenrade - Um den Winterdienst der 12 000-Einwohnerstadt Neuenrade zu gewährleisten ist schon ein gehöriges Equipment und jede Menge Man-Power nötig: Ein Salzvorrat von 100 Tonnen zum Saisonbeginn, ein Lastwagen und drei Kleinschlepper und 13 Baubetriebshofmitarbeiter.

Hinzu kommen drei Subunternehmer mit ihren Fahrzeugen und der nötigen Man- und Materialpower. Der Winter kann also kommen. Wenn es denn auch mal wieder einen Winter gäbe. Bernd Uerpmann ist nun schon seit mehr als 30 Jahren dabei – ein Veteran in dem Job und die warmen Winterperioden der vergangenen Jahre dauern ungewöhnlich lange für seinen Geschmack. Er kann sich noch an andere Zeiten erinnern: 1984 war auch für die Profis kaum ein Durchkommen. Gut kann sich Uerpmann noch an zweieinhalb Meter hohe Schneewehen erinnern. Gleichwohl gibt es natürlich auch in warmen Wintern viele Einsätze.

Und geräumt wird dabei nach einer strengen Reihenfolge. Zunächst sind die Hauptverkehrsadern mit Steigungen und Bushaltestellen an der Reihe. Auch die Stellen vor öffentlichen Gebäuden, Treppenanlagen und Überwege werden vordringlich behandelt. Häufig wird das von den Fußtruppen übernommen, die mit Eimer und Schaufel ausgerüstet sind. Erst dann folgen die Sammelstraßen und ganz zum Schluss sind die untergeordneten Straßen an der Reihe – Wohnstraßen eben.

Nicht alles geht beim Schneeräumen immer so ganz glatt. Verdruss bereiten parkende Autos. Da kann es knapp werden, weil das Räumfahrzeug mit Schild drei Meter breit ist. Parken Autos beidseitig oder zu weit mittig, dann passt der Lastwagen nicht durch. Und rückwärts im Dunkeln aus einer schmalen Straße zu fahren bereite keine Freude, sagt Uerpmann. Auch mit dem Salzeinsatz ist das so eine Sache: „Eigentlich“, so sagt Bernd Uerpmann, „soll nur auf verkehrswichtigen und gefährlichen Straßen gestreut werden“. Aber Uerpmann kennt natürlich alle neuralgischen Stellen. Auch werden die Streu- und Räumeinsätze dokumentiert in sogenannten Räum- und Streubüchern. Die offizielle Reihenfolge der Straßen wird darin aufgezeichnet. Das ist auch hilfreich, wenn es zu Konflikten kommt. Denn Kritik bekommen die Mannen des Bauhofes schon mal häufiger zu hören, wenn es Anwohnern nicht schnell genug geht.

 Dabei wissen die Bauhofmitarbeiter natürlich nicht, wann es anfängt zu schneien. Wenn der Schneefall erst zu Beginn des Berufsverkehrs einsetzt – dann ist der Räumdienst entsprechend später unterwegs. Fängt es dagegen schon um 4 Uhr an zu schneien, dann kann die immerhin 80 Kilometer lange Räumstrecke schneller bewältigt werden. Das Zeitfenster für die Räumpflicht kann sich sehen lassen: Von 5 bis 22 Uhr ist Dienst.

 Zudem: Der Neuenrader Räumdienst ist nur innerhalb der Stadt- und Gemeindegrenzen zuständig. Für den Kohlberg oder die Serpentinen zwischen Neuenrade und Werdohl ist der Landesbetrieb zuständig. Doch auch hier gibt es ein fein abgestimmtes Einsatzsystem, wissen Peter Korte und Bernd Uerpmann zu berichten. Wenn es passe, dann kooperiere man natürlich. Lange ist Uerpmann schon im Dienst. Und in all den Jahren hat sich einiges verändert. „Die Ansprüche der Bürger sind gewachsen, die Technik ist besser geworden, und es gibt weniger körperliche Arbeit“, sagt er. Auch die Computertechnik hält im Winterdienstgeschäft Einzug. Einige Kommunen nutzen GPS für die Dokumentation. Dass aber selbstfahrende Streufahrzeuge zum Einsatz kommen, werde nicht so schnell geschehen, glauben Uerpmann und Korte.

Von Peter von der Beck

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