Erste Bilanz

Azubi-Mobilität im ländlichen Raum: So lief das Pilotprojekt

Auf dem Gelände der Firma Schniewindt in Neuenrade war das Pilotprojekt im September 2020 vorgestellt worden. Auch Dr. Sarah Schniewindt zog jetzt eine positive Bilanz.
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Auf dem Gelände der Firma Schniewindt in Neuenrade war das Pilotprojekt im September 2020 vorgestellt worden. Auch Dr. Sarah Schniewindt zog jetzt eine positive Bilanz.

Mit dem Vorhaben, mehr Auszubildende für die Unternehmen im Märkischen Kreis gewinnen zu wollen, hatte der Märkische Arbeitgeberverband (MAV) im Spätsommer ein Pilotprojekt in der Modellregion Neuenrade und Balve gestartet.

Weil dieses zunächst nur bis Jahresende 2020 befristet war, sind die Ergebnisse mittlerweile ausgewertet und die Verantwortlichen können eine erste Bilanz ziehen.

Unter dem Motto „MAV macht mobil“ wollte der Verband Jugendlichen im ländlichen Raum dabei helfen, den Ausbildungsplatz, die Berufsschule und die Lehrwerkstatt besser erreichen zu können. Dafür sollte im Rahmen des Pilotprojektes der Aufbau eines Netzwerks zur Verbesserung der Azubi-Mobilität im ländlichen Raum angestoßen werden.

Probeangebote für eine vernetzte Mobilität

Gemeinsam mit den Stadtwerken Menden/Balve und der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) konnten in der Region Neuenrade/Balve Bedarfe ermittelt und Probeangebote für eine vernetzte Mobilität, bestehend aus Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) und E-Mobilität, gemacht werden.

Vier Betriebe nahmen an dem Pilotprojekt teil und orderten für Auszubildende E-Fahrräder beziehungsweise Azubi-Tickets für den ÖPNV. Die E-Scooter sollten unter anderem helfen, Mobilitätslücken außerhalb des regulären Bus- und Bahn-Netzes zu schließen. Die Bedarfsermittlung des MAV in Neuenrade und Balve ergab außerdem, dass Interesse an einer Bus- oder Bahnverbindung zu den Berufsschulen in Iserlohn und Menden besteht. Im Rahmen des Pilotprojektes wurde an ausgewählten Wochentagen probeweise eine Shuttle-Verbindung nach Menden und Iserlohn eingerichtet. Das Projekt zeigte: Die Strecke ist grundsätzlich relevant, sie braucht allerdings einen durchgehenden, regelmäßigen Hin- und Rückverkehr.

MAV spricht von „wertvollen Erkenntnissen“

„Das Pilotprojekt hat die notwendigen Akteure für eine Verbesserung der Mobilität zusammengebracht und wertvolle Erkenntnisse geliefert“, fasst Özgür Gökce, Geschäftsführer des MAV, zusammen.

Auch Dr. Sarah Schniewindt, Geschäftsführerin der Schniewindt GmbH & Co. KG und Vorsitzende des Ortsverbandes Neuenrade im Arbeitgeberverband, lobte das Pilotprojekt, das im September des vergangenen Jahres auf dem Gelände des Unternehmens in der Hönnestadt vorgestellt worden war: „Es war für uns, speziell für unseren Auszubildenden Jonas Timmermann, wirklich eine tolle Sache“, unterstreicht Dr. Schniewindt. Schade sei, dass das Projekt Ende Januar ausgelaufen sei und Jonas Timmermann nun nicht mehr mit dem Bus von seinem Wohnort Eisborn nach Iserlohn fahren könne. „Andererseits kann ich das aber auch verstehen, denn unser Auszubildender war meines Wissens der einzige Fahrgast“, stellt Dr. Schniewindt fest. Viele Unternehmen seien nicht auf das Pilotprojekt angesprungen. „Es müsste uns gelingen, mehr Unternehmen und mehr junge Menschen dazu zu bewegen, so etwas zu nutzen“, bilanziert die Geschäftsführerin des Neuenrader Unternehmens. Sie hoffe, dass das Pilotprojekt nicht coronabedingt einschlafe und diese gute Grundlage weiter ausgebaut werden könne.

Es bieten sich konkrete Perspektiven

Davon ist Özgür Gökce überzeugt: „Ich freue mich sehr, dass sich nun auch konkrete Perspektiven bieten.“ So sollen nach einer ersten Auswertung der Projektergebnisse zunächst fünf konkrete Maßnahmen realisiert werden:

Die MVG wird im Rahmen einer Marktforschung Grundlagen für eine regelmäßige ÖPNV-Verbindung zwischen Neuenrade/Balve und Iserlohn erheben. Auch die Anbindung an Menden wird dabei aus der Perspektive von Azubis untersucht. Da eine solche Analyse frei von Corona-Effekten sein sollte, wird sie frühestens im Sommer stattfinden können. MAV-Mitgliedsunternehmen werden unter Vermittlung durch den Verband ihre Sichtweisen und Bedarfe einbringen können.

ALF-Linie umgestellt

Die MVG hat zum Fahrplanwechsel am 1. Februar den Fahrplan der ALF-Linie 25 so umgestellt, dass auch von einigen abseits gelegenen Orten eine ÖPNV-Verbindung entsteht, die eine rechtzeitige Ankunft zum Berufsschulbeginn in Iserlohn sicherstellt. „ALF“ steht für Anruf-Linien-Fahrt, das heißt, damit die Fahrt durchgeführt wird, ist eine telefonische Anmeldung bis spätestens 20 Uhr am Vortag notwendig.

Für das nächste Ausbildungsjahr streben MVG und Stadtwerke Menden ein integriertes Mobilitätsangebot an, bestehend aus ÖPNV-Ticket plus E-Fahrzeug-Buchung. Beides soll zu marktfähigen Preisen vertrieben werden.

Einrichtung einer E-Scooter-Station

Die Stadtwerke Menden prüfen die Einrichtung einer E-Scooter-Station am Bahnhof Menden, um Auszubildenden, die dort beispielsweise mit der Hönnetalbahn aus Neuenrade und Balve ankommen, den Weg zur Berufsschule zu erleichtern.

Langfristig arbeiten MVG und Stadtwerke daran, eine digitale Plattform für die Buchung vernetzter Mobilitätsangebote im Rahmen eines Förderprojektes aufzubauen. Der MAV wird auch dabei die Perspektive der heimischen Industrie einbringen.

Auch MVG zeigt sich zufrieden

Zufrieden mit den Ergebnissen des Pilotprojektes zeigt sich auch die Märkische Verkehrsgesellschaft. „Stadtwerke, MAV und MVG sind hier erste gemeinsame Schritte in Richtung einer bedarfsorientierten, verkehrsmittelübergreifenden und durchgängigen öffentlichen Mobilität gegangen“, so Stefan Janning, Bereichsleiter Angebot bei der MVG. „Darauf wollen wir in diesem Jahr weiter aufbauen.“

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