Ausstellung: Napoleon und Neuenrade

Die Ausstellung im Rathausfoyer läuft bis zum 4. April.

Neuenrade - Dr. Rolf Dieter Kohl eröffnete am Mittwoch im Rathausfoyer die Ausstellung des Stadtarchivs Neuenrade und des Vereins für Geschichte und Heimatpflege Neuenrade e.V. zum anstehenden Gertrüdchen. Die kleine Ausstellung ist ein historisch-informativer Rückblick auf die Jahre 1808 bis 1813, als Neuenrade mit der Grafschaft Mark zwangsweise dem Großherzogtum Berg (Düsseldorf) zugeordnet war und Europa unter dem Diktat von Napoleon I. Bonaparte, zu leiden hatte.

Heimatforscher Dr. Kohl hat es mit relativ wenigen Schriftstücken aus Archiven, Museen und privaten Exponaten verstanden, einen Teil der Neuenrader Geschichte deutlich zu machen, der auf den Einfluss von Napoleon zurückgeht. Europa war damals weitgehend unter französischer Herrschaft, Rechtsregeln und Dekrete fußten auf dem “Code Napoleon“. Für deren Durchsetzung hatte Napoleon seinen Schwager Joachim Murat zum I. Regenten des Großherzogtums Berg bestimmt. Murat blieb aber nur zwei Jahre als I. Regent, danach wechselte er nach Neapel, wurde König –und weitere zwei Jahre danach erschossen.

Zum Nachfolger von Murat im Großherzogtum Berg bestimmte Napoleon seinen Sohn aus zweiter Ehe. Da aber das vierjährige Kind nur de jure die Position des Regenten wahrnehmen konnte, übernahm Napoleon dieses Amt de facto und war damit für Neuenrade, das mitten in der einstigen Grafschaft Mark lag, selbst zuständig. Die Zeit unter Napoleon muss bei den Neuenradern unterschiedlich gewertet worden sein. Während in den Gotteshäusern in der Stadt Neuenrade und im Dorf Dahle sogar für Napoleon I. Bonaparte, und sein Wohlergehen gebetet wurde, kam der heimischen Kaufmannschaft die französische Herrschaft durchaus entgegen.

Anders muss das Volk gedacht haben. Der Aufforderung, Soldat in der Großherzoglich-Bergischen Infanterie-Brigade zu werden, folgten mehrere Neuenrader nicht. In den vorliegenden Schriftstücken ist nachzulesen, dass sie per Dekret als Fahnenflüchtlinge gesucht wurden. Diejenigen, die den Dienst als Soldat leisteten, kehrten teilweise nicht zurück.

Erst die Völkerschlacht bei Leipzig (1813) brachte für Napoleon I., Bonaparte, die entscheidende Niederlage, auch im Großherzogtum Berg brach die französische Herrschaft zusammen – in Neuenrade wurde das von der Bevölkerung bejubelt. Durchziehende und zurückkehrende Soldaten wurden am unteren Stadttor (heute etwa Höhe DRK-Begegnungsstätte) freudig begrüßt, die Stadt- und die Schützentrommel wurde geschlagen und unter Begleitung der Neuenrader Schützen wurden die Soldaten mit Fahnen nach Altena geleitet. 1815 fand die politische Neuordnung statt, Preußen erhielt seine rheinisch-westfälischen Provinzen zurück. Neuenrade kehrte damit in sein angestammtes Herrscherhaus, der Grafschaft Mark, zurück, die Ära Napoleon war beendet.

Ein halbes Jahr hat Dr. Rolf-Dieter Kohl an dem Zustandekommen der Ausstellung gearbeitet, Ausgangspunkt seiner Überlegungen, so machte er in seiner Einführungsrede deutlich, war der 200. Jahrestag der Leipziger Völkerschlacht. Der Neuenrader Geschichtsforscher hat es mit der Ausstellung geschafft, ein Stück Neuenrader Geschichte darzustellen. Es ist auf seine sorgfältigen und umfassenden Recherchen zurückzuführen, dass „zum Gertrüdchen jeder sehen und lesen kann, dass Neuenrade für sieben Jahre doch mehr mit Napoleon zu tun hatte, als es viele wussten oder wissen“ würdigte anerkennend Bürgermeister Klaus-Peter Sasse. Die Ausstellung ist bis zum 4. April zu sehen.

- Von Udo Schnücker

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