Ausschussmitglieder informieren sich über Aufforstung

Mondlandschaft am Imberg

Forstamtsleiter Jörn Hevendehl (links) und die Revierförster Frank Bossong und Ronja Mertens informierten am Imberg über die geplante Wiederaufforstung.
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Forstamtsleiter Jörn Hevendehl (links) und die Revierförster Frank Bossong und Ronja Mertens informierten am Imberg über die geplante Wiederaufforstung.

„Hier ist es ja trostloser als auf dem Mond“ – mit diesen Worten kommentierte ein Mitglied des Neuenrader Ausschusses für Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit und Forsten den Anblick am Imberg.

Das Gremium war vor ein paar Tagen vor Ort, um sich über das Ausmaß des Fichtensterbens und die Möglichkeiten der Wiederaufforstung zu informieren.

Als Experten begleiteten Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland, Affelns Revierförsterin Ronja Martens und ihr Neuenrader Kollege Frank Bossong die Kommunalpolitiker. Zunächst steuerte die Gruppe eine der Flächen an, auf der sich bereits wieder junge Bäume und die sogenannte Begleitflora angesiedelte hat. Anschließend fuhren die Ausschussmitglieder an frisch gerodeten, ehemaligen Fichtenbeständen vorbei.

Vielfältige Waldfunktionen

Hevendehl wies auf die große Bedeutung des Waldes für die Menschen hin. Er diene nicht nur als CO2-Speicher und Holzlieferant, sondern auch als Wasserspeicher. Die temperaturausgleichenden Effekte seien ebenfalls von Bedeutung: „Auch bei großer Hitze ist es im Wald noch angenehm kühl.“

Gerodete Flächen im Wald sich selbst zu überlassen, sei meist nicht die beste Lösung, sagte Hevendehl. Frank Bossong lieferte Hintergrundwissen: „Auf vielen Flächen kommt alles mögliche hoch, aber Bäume erst mal nicht.“ Da Klettenlabkraut, Adlerfarn, Gräser und später auch Brombeer-Sträucher es jungen Bäumen schwer machen würden, seien auch nach einer Aufforstung in den ersten Jahren immer wieder Pflegemaßnahmen erforderlich. Zudem sei man an einem schnellen Baumwachstum interessiert: „Nur alte Wälder speichern viel CO2“, stellte Hevendehl fest.

Auf vielen Flächen kommt alles mögliche hoch, aber Bäume erst mal nicht.

Frank Bossong, Revierförster in Neuenrade

Auch sei es wichtig, künftig auf Mischwald zu setzen. „Jeder Baum hat seine Chancen und Risiken. Durch eine Mischung kann man das Risiko streuen“, erklärte der Leiter des Forstamtes. Denn auch die durch Hitze und Wassermangel gestressten Buchen bereiten den Fachleuten Sorgen. Ebenso die Eschen, die zunehmend von einem aggressiven Pilz befallen werden.

Auf der besichtigten Fläche am Imberg wolle man zunächst zwei Flächen mit einer Größe von jeweils einem Hektar aufforsten, berichtete Ronja Martens. Eine Fläche solle von den Teilnehmern des Bergwaldprojektes eingegattert werden, um sie vor Wildfraß zu schützen. „So haben wir den direkten Vergleich, und sehen, ob die Wiederaufforstung ohne Wildschutz überhaupt funktioniert.“

Mindestens vier Baumarten

Da am Rande der Borkenkäferfläche Eichen wachsen, habe man sich für eine Mischung aus Eiche, Birke und Kiefer entschieden. Als vierter Baum komme die Esskastanie oder die Vogelkirsche in Frage. Dazu würden sich ohne menschliches Zutun jeweils noch Birken gesellen.

Dass man vier Baumarten zur Wiederaufforstung verwenden wolle, habe noch einen weiteren Hintergrund, berichtete Kämmerer Gerhard Schumacher. „Das ist in den Förderrichtlinien festgeschrieben. Und wir haben im Stadtwald so große Schäden, dass ohne Förderung nicht wieder aufgeforstet werden kann.“

Zur gesamten Schadenshöhe konnte Schumacher noch nichts Konkretes sagen. „Bäume, die heute noch grün sind, können in zwei Wochen schon komplett braun sein“, sagte Ronja Martens. Frank Bossong ergänzte, er rechne damit, dass der Borkenkäfer einen Fichten-Totalschaden verursacht habe: „Am Ende werden wohl nur ein paar junge Bäume übrig bleiben.“

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