Borkenkäfer frisst sich weiter durch

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Ein trostloser Anblick: Auch im Affelner Wald sind viele Fichten vom Borkenkäfer befallen und müssen gefällt werden. Welches Ausmaß die Schäden tatsächlich haben, ist noch längst nicht absehbar.

Neuenrade/Affeln – Affelns Revierförster Frank Bossong will sich eigentlich nicht ausmalen, was passieren könnte, wenn das frühsommerliche Wetter und die Trockenheit noch länger anhalten.

„Das ist leider ideal für die Borkenkäfer. Jetzt werden sie wieder aktiv“, stellt er fest. Ein Großteil der Insekten habe den Winter unter der Rinde geschädigter Fichten verbracht und sei jetzt bereit zur Partnersuche und anschließender Eiablage. „Die Käfer fliegen jetzt aus und die Fichtenbestände werden weiter dezimiert“, befürchtet Bossong. 

Dabei sei noch immer nicht erkennbar, wie groß die Schäden aus dem Vorjahr sind. Viele Fichten sind zwar bereits gefällt oder zumindest entsprechend markiert worden, aber immer wieder entdeckt der Förster neue Schäden, die zum Jahresende noch nicht sichtbar gewesen seien. „Es ist ein Faß ohne Boden. Und wenn wir auch nur einen halbwegs normalen Sommer vor uns haben, werden wir riesige Probleme bekommen“, stellt Frank Bossong fest.

Für die Waldbauern sei die Situation auch jetzt schon dramatisch. Längst nicht jeder Waldbesitzer sei vermögend, deshalb spiele das Zeitmanagement beim Holzverkauf eine große Rolle. Wenn eine Fläche abgeholzt werden müsse, entstünden schnell beträchtliche Lohnkosten. „Bis aber das Geld aus dem Verkauf des Holzes beim Waldbauern ankommt, vergeht mitunter eine geraume Zeit“, weist Bossong auf die finanzielle Problematik hin. 

Andererseits müssten aber Stämme, die vom Borkenkäfer befallen sind, so schnell wie möglich aus dem Wald. „Dünne Stämme, die man kaum los wird, sind deshalb teilweise im Hacker gelandet. Nur, damit das Brutmaterial verschwindet.“ 

Von einer „Katastrophe für die Waldbesitzer“ spricht auch Förster Franz-Josef Stein, der sich um den Neuenrader Wald kümmert. Er berichtet, dass sich die Situation durch die Corona-Krise weiter zugespitzt habe. Bereits seit Februar sei die Holzverschiffung nach China stark rückläufig. „Ganz langsam öffnet sich der chinesische Markt wieder“, sieht der Förster eine Chance, das Käferholz nach und nach wieder exportieren zu können. 

Doch die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) könnten deshalb nicht aufatmen. „Über die Preise, die für Borkenkäferholz gezahlt werden, müssen wir hier nicht sprechen. Die sind verheerend“, erklärt Stein. Er stellt fest: „Die Waldbauern schreiben mittlerweile rote Zahlen.“ Wie sein Kollege Bossong entdeckt auch Franz-Josef Stein regelmäßig neue Schäden im Forst. „Kyrill hat innerhalb einer Nacht 650 Hektar, also ein Drittel der FBG-Fläche, vernichtet. Wie groß die Borkenkäferschäden schon jetzt sind, können wir immer noch nicht absehen.“ Er befürchtet, dass die Insekten dem Orkan Kyrill noch den Rang ablaufen könnten. „Am Ende könnte das Schadensausmaß sogar noch über das von Kyrill hinausgehen.“ Doch seriöse Aussagen über den Gesamtschaden könne augenblicklich einfach noch niemand treffen.

Besonders problematisch ist aus Sicht des Försters, dass immer neue kleine Flächen betroffen seien und somit auch der so genannte Waldmantel an vielen Stellen aufgebrochen werde. „Der Waldmantel hat eine wichtige Schutzfunktion“, stellt der Förster fest. Als Wandmantel bezeichnet man die äußeren Bäume, die zum einen tiefer beastet aber auch tiefer verwurzelt seien als die Bäume innerhalb eines Waldgebietes. „Der Waldmantel schützt den Wald unter anderem vor Sonnenbrand, aber er bietet auch einen gewissen Schutz gegen Wind“, erklärt Franz-Josef Stein. Tragischerweise befalle der Borkenkäfer zuerst immer die äußeren Bäume eines Waldes – der somit seinen schützenden Mantel verliere.

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