Besondere Aktion in Neuenrade

Aus 400 Jahre alter Eiche werden Frühstücksbrettchen

Etwas mehr als 1,60 Meter maß der Stamm der 400 Jahre alten Eiche im Durchmesser und wog zwischen fünf uns sechs Tonnen.
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Etwas mehr als 1,60 Meter maß der Stamm der 400 Jahre alten Eiche im Durchmesser und wog zwischen fünf uns sechs Tonnen.

Es handelt sich um echte Unikate. Um Produkte, die aus dem Herzen der Stadt Neuenrade kommen, die ein Stück Geschichte sind: Andreas Raphael und Claudius Schulte vom Subraumstudio wollen am Samstag mit dem Verkauf der sogenannten Wallbretter beginnen.

Viel Arbeit steckt in den Produkten, von denen jedes individuell aussieht. Bei den Wallbrettern handelt es sich um Frühstücks- und Schneidebrettchen, die aus dem rund 400 Jahre alten Holz einer Kupfereiche gefertigt wurden. Die geschichtsträchtige Eiche stand bis 2019 in der Eichenallee am Wall, bis sie gefällt werden musste. „Das hat ordentlich gerummst, als die umfiel“, erinnert sich Andreas Raphael noch an die Fällung. Schon während der Fällaktion war er von einer älteren Frau angesprochen worden, die ihm berichtete, dass man im Zweiten Weltkrieg Kinder bei einem plötzlichen Fliegerangriff in dem hohlen Baum versteckt habe. Das Holz hat also Geschichte.

Inspiriert von den Sturmbrettchen in Düsseldorf, schlug Raphael Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) deshalb vor Holzbrettchen aus der Eiche zu fertigen. Die Brettchen sollen im Alltag an die Geschichte der Stadt erinnern. Wiesemann habe der Idee schnell zugestimmt, so Raphael.

Die Sturmbrettchen aus Düsseldorf

Infolge des Sturmtiefs „Ela“, das an Pfingsten 2014 über Deutschland zog, mussten in Düsseldorf und vielen anderen Städten Nordrhein-Westfalens tausende Bäume gefällt werden. Ein großer Teil der meist mehr als 100 Jahre alten Stämme wurde geschreddert und als Hackschnitzel weiterverwertet. 32 der Bäume aber konnte sich eine Projektgruppe, bestehend aus Bürgern der Stadt Düsseldorf, sichern. Sie fertigten aus den Stämmen die Sturmbrettchen, bei denen es sich – so wie auch bei den Wallbrettern – um Schneidebrettchen handelt. Ziel der Sache war unter anderem, den Verlust der Bäume nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sondern an den Sturm und die verlorenen Bäume zu erinnern. „In jedes Brettchen ist der genaue GPS-Standort der Bäume, der Name des entsprechenden Düsseldorfer Parks, das Alter des Baumes und die Baumart eingraviert“, wird das Design auf der Homepage erklärt. Insgesamt wurden rund 10 000 Sturmbrettchen verkauft. Der Erlös aus den Verkäufen wurde verwendet, um 35 neue Bäume in Düsseldorf zu pflanzen.

Die richtigen Herausforderungen begannen erst nach der Fällung

Nach der Fällung ging es dann richtig los mit den Herausforderungen. „Wir haben versucht den Stamm mit einem üblichen Kran anzuheben, aber dabei bewegte sich gar nichts“, erzählt Raphael. Eine grobe Rechnung ergab, dass das riesige Holz zwischen fünf und sechs Tonnen gewogen haben dürfte. Zwei Radlader der Neuenrader Baufirma Ossenberg habe es gebraucht, um den rund fünf Meter langen Stamm, der einen Durchmesser von mehr als 1,60 Metern hatte, auf einen Lkw zu wuchten. Dieser transportierte das Holz zu Dirk Edelhoff in das historische Sägewerk in Wocklum.

Aus dem Stamm der Kupfereiche wurden die Wallbretter hergestellt, die Andreas Raphael und Claudius Schulte ab Samstag verkaufen wollen.

„Es stellte sich heraus, dass das Sägewerk in Wocklum das einzige im näheren Umkreis ist, das solche Formate überhaupt noch verarbeiten kann“, berichtet Raphael. In Wocklum wurde der Stamm aufgeschnitten und getrocknet. Trotz des historischen Alters des Sägewerks wurde bei der Verarbeitung des Eichenstammes „zukunftsweisend und umweltfreundlich“ gearbeitet. „Das Sägewerk besitzt noch die kaiserlichen Wasserrechte und arbeitet – wenn es die Niederschläge zulassen – mit Wasserkraft. Das gefiel uns ganz besonders gut“, sagt Andreas Raphael.

Holz der seltenen Kupfereiche

Konrad Horsch, Tischlermeister aus Iserlohn, kümmerte sich im Anschluss um die Weiterverarbeitung des Holzes. Idealerweise stellte sich beim Schneiden der Bretter heraus, dass es sich um eine seltene Kupfereiche handelte, bei der die Farbe des Holzes mehr ins Rötliche geht und die Maserung stärker ausgeprägt ist. „Das war einfach Glück und für unseren Verwendungszweck natürlich ein perfekter Zufall“, betont Raphael.

Das geschichtsträchtige Holz reichte für rund 560 Wallbretter in zwei verschiedenen Größen.

Jedes Brett wurde einzeln bearbeitet, die kleineren Frühstücksbrettchen mit einem Loch für ein Ei versehen. „Wir haben die Kanten gebrochen und jedes Wallbrett geölt“, erklärt Raphael. Die Bretter sind echte Handarbeit. Durch das Ölen wird das Holz versiegelt, sodass bei der Verwendung zum Beispiel geruchsintensiver Zwiebelsaft nicht einziehen kann. Auch die Maserung tritt noch deutlicher hervor. Weil auf den Brettchen Nahrung zubereitet wird, musste eine spezielle, natürliche Versiegelung aus Leinöl und Bienenwachs verwendet werden, die sogenannte Woodbutter.

Produktion hat rund zwei Monate gedauert

Gut zwei Monate habe es gedauert bis alle Wallbretter fertig veredelt waren. In dieser Zeit entwarf Mediengestalterin Lena Hammecke aus Neuenrade auch spontan das Logo, das mit einem Brenneisen in das Eichenholz eingearbeitet wurde. Zu jedem Wallbrett wird beim Kauf ein Echtheitszertifikat ausgehändigt, auf dem das Logo ebenfalls zu sehen ist. „Wir wurden von vielen Seiten gut unterstützt. Auch von der Stadt und dem Stadtmarketing. Ohne all die Hilfe wäre das nicht machbar gewesen“, sagt Raphael. Er und sein Kollege Claudius Schulte sind froh und dankbar und freuen sich auf die Verkäufe, die am Samstagmorgen im Subraumstudio beginnen sollen – coronabedingt natürlich unter Vorsichtsmaßnahmen.

Brettchen und Teelichthalter

Rund 560 Wallbretter sind aus dem 400 Jahre alten Eichenstamm entstanden. 500 davon sind kleinere Frühstücksbrettchen. Sie sind für 19 Euro zu erwerben. Die übrigen 60 sind größere Schneidebretter, die 49 Euro kosten. Darüber hinaus gibt es passend zur Adventszeit Teelichthalter in zwei verschiedenen Ausführungen für 5 und 15 Euro. Der Verkauf startet am Samstag im Subraumstudio an der Ersten Straße 31. Auch im Online-Shop unter www.wallbrett.de können Exemplare bestellt oder zur Abholung im Subraumstudio vorbestellt werden. Für die Lieferung nach Hause werden zusätzliche Versandkosten berechnet. Geöffnet ist das Ladenlokal an der Ersten Straße am Samstag von 10 bis 16 Uhr.

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