Zum 24. August: Darum schließt die Stadttor-Apotheke in Neuenrade

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Dieser Wasserschaden hat sich laut Dr. Simons im September 2018 ereignet.

Neuenrade - Die Apotheke am Stadttor im Ärztehaus an der Werdohler Straße schließt voraussichtlich zum 24. August. Das teilte Inhaber Dr. Sven Simons am Montag mit.

Die Gründe sind nach seiner Darstellung eine Vielzahl von Wasser- und Abwasserschäden, durchfeuchtete und nachhaltig beschädigte Bausubstanz sowie Schimmelpilzbildung. 

„Innerhalb der letzten zwei Jahre ist es zu 13 teils schweren Wasser- und Abwasserschäden gekommen“, schreibt der Apotheker. Der erste laut Simons im August 2017, der aktuellste im Juli 2019. Die Schäden traten demnach „wiederholt in allen Bereichen der Apotheke und in weiteren Etagen und Räumen des Gebäudes auf“. 

"Sanierungsrückstau im Gebäude"

Simons schreibt in seiner Stellungnahme weiter, dass durch den aufgetretenen „Sanierungsrückstau im Gebäude“ Wände, Decken, Fußböden und die weitere Einrichtung erheblich gelitten hätten. „Die entstandenen Schäden sind nicht nur oberflächlich seit langer Zeit sichtbar, sondern hätten – so sein Vorwurf – „mangels zeitnaher fachgerechter Sanierung“ auch zu einer „nachhaltigen Beschädigung der Bausubstanz“ geführt. Nur mit erheblichem Aufwand könne das behoben werden, behauptet der Apotheker. 

Dass nun der Betrieb der Apotheke ohne Risiken für die Kundschaft möglich gewesen sei, habe man nur dem Einsatz des Apothekenteams zu verdanken. „Elektronische Feuchtigkeitsdetektoren haben wir installiert, gemeinsam teilweise nachts und am Wochenende geräumt, getrocknet und umorganisiert.“ Ziel sei es gewesen, den Apothekenbetrieb stets sicherzustellen und keinen Tag Schließung zuzulassen. 

Schimmelpilz: Bausubstanz befallen?

Nun habe in den vergangen Tagen ein von der Industrie- und Handelskammer NRW öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger an mehreren Stellen der Bausubstanz Schimmelpilzbefall festgestellt. Das stelle ein Gesundheitsrisiko für Mitarbeiter und Kunden dar. Dr. Simons hat zudem den Amtsapotheker als Überwachungsbehörde eingeschaltet. Er weist auch darauf hin, dass es gerade für Apothekenräume besondere gesetzliche Anforderungen gebe. Die Betriebsräume müssten „in einwandfreiem baulichen und hygienischen Zustand sein“. Apothekenkunden- und Patienten müssten sich darauf verlassen können, dass „die Lagerung, Beratung und auch Herstellung von Medikamenten unter Sicherstellung höchster Hygiene- und Sicherheitsanforderungen erfolge“, schreibt Simons. 

Letztlich bleibe ihm angesichts der beschriebenen baulichen Mängel und dem damit verbundenen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Risiko keine andere Wahl, als den Betrieb der Apotheke voraussichtlich ab 24. August einzustellen. 

Gertruden-Apotheke übernimmt

Den Apothekenservice werde bis auf weiteres das Team der Gertruden-Apotheke (Inhaberin Apothekerin Alexandra Simons) am Stadtgarten fortführen. Dort werde das Raum- und Service-Konzept der Gertruden-Apotheke so schnell wie möglich erweitert. Mit Unterstützung des dortigen Vermieters (E-Holding) werde die Gertruden-Apotheke bis zum Jahresende vergrößert. Einen alternativen Standort für die Apotheke am Stadttor „sehe er zurzeit nicht“, sagte Dr. Simons auf Anfrage. 

Diesen Schaden dokumentiert Dr. Simons für „Dezember 2018“.

Der Vermieter des Ärztehauses, Fritz-Dieter Hillecke, sagte, dass die Wasserschäden eben passiert seien. „Das ist ärgerlich, klar. Aber, ich kann es nicht ändern.“ Und: „Wenn es irgend einen Schaden gab, sind wir sofort aktiv geworden. “ Alle Schäden seien ersetzt worden. Es sei erstes Ziel, dass eben der Kunde nicht auf dem Schaden sitzen bleibe. Als eine Ursache für die Wasserschäden gab Hillecke an, dass es durch eingewachsenes Wurzelwerk in einem der Abflussrohre zu einem Stau gekommen sei. Auch seien inzwischen neue Wasserleitungen installiert. 

Vermieter sieht keinen Sanierungsstau

Zeitlich schwierig sei die Renovierung der gesamten Leitungen geworden, weil es nicht einfach sei in jedem Fall Zugang zu Praxisräumen zu bekommen, um dort Arbeiten durchzuführen. So lasse der Arzt während des Urlaubs keine Handwerker in seine Praxisräume. Hillecke betonte zudem: „Von Sanierungsstau kann nicht die Rede sein.“ Andere Mieter des Gebäudes, wie zum Beispiel Optiker Olaf Biedebach, sagten, dass sie bislang keine Probleme gehabt hätten. Auch von Dr. Gotthard hieß es: „Komme absolut klar, ich habe keine Probleme gehabt. Ich habe aber auch keine Räume im Erdgeschoss.“ Dr. Hildebrand war gestern nicht zu erreichen – seine Praxis ist ab heute wegen Urlaubs geschlossen. 

Das Ärztehaus war jüngst immer wieder Thema im Zusammenhang mit dem Medizinischen Versorgungszentrum, das in Neuenrade etabliert werden soll. SPD und FWG hatten es als Alternativstandort für die Praxis von Dr. Beringhoff ins Spiel gebracht. Das Ärztehaus sei barrierefrei zugänglich, zudem stünden Räumlichkeiten zur Verfügung oder könnten kurzfristig frei gemacht werden. Dabei gab es Streit. Zu einem Zeitpunkt als der Bürgermeister mit seinem Bauamtsleiter das Objekt besichtigt hätte, seien keine Räumlichkeiten verfügbar gewesen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das doch der Fall gewesen sein. Allerdings hatte wiederum Bürgermeister Antonius Wiesemann in der jüngsten Ratssitzung angemerkt, dass er von einem Renovierungsstau gehört habe.

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