Aufwendige Schutzmaßnahmen: So soll in Affeln der Waldboden gerettet werden

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Im Forstgebiet bei Birnbaum wird der Wald gekalkt. Der Boden ist übersäuert wegen des sauren Regens.

Neuenrade – Im Fünf-Minuten-Takt donnert der weiße Hubschrauber heran, schwebt über einem großen, sandfarbenen Haufen und ein Radlader füllt gleich ein paar hundert Kilogramm Kalk in den Behälter.

Der Pilot neigt sein Fluggerät nach vorne, steigt höher und bricht zur nächsten Tour auf, lässt den Kalk ab. Etliche Male wiederholt der Pilot mit dem Helikopter „Écureuil“ das Prozedere, gelegentlich landet er und tankt Kerosin nach. Denn: 200 Liter von diesem Kraftstoff schluckt der Hubschrauber pro Stunde. 

Die Firma DHD-Heliservice hat eine große Wiese an einem Waldrand unweit der Ortschaft Birnbaum kurzerhand in einen Flugplatz umgewandelt. Ein Tanklastwagen steht dort, ein Radlader und ein Sattelzug. Zum Bodenpersonal gehören Bodenkoordinator Ralf Köhler und Radladerfahrer Peter Eichhorn. Pilot Marc Rammelsberg übernimmt die Kalkung. 

Arbeitstier unter den Hubschraubern im Einsatz

Der Flugservice hat gut zu tun, demnächst sind sie sogar am Wuppertaler Stadtpark im Einsatz. Bei Birnbaum kommt nun eben das Arbeitstier unter den Hubschraubern zum Einsatz, 800 Kilogramm kann er heben. Mit seiner Fracht wird der Boden entsäuert. Gesteuert wird mithilfe von GPS. 

Die Waldkalkung in Bildern

Kalkung in Affeln

Die erforderlichen Daten hat Förster Frank Bossong dem Unternehmen zugeleitet. Nun kann metergenau das Gebiet abgeflogen werden. Bossong und sein Team beobachten das Ganze, ziehen Proben von dem eingesetzten Kalk. Dass diese aufwendige Maßnahme nach mehr als einem Jahrzehnt wieder nötig war, zeigten die zuvor entnommenen Bodenproben. Der PH-Wert des Bodens lag zwischen 3,4 und 4. Bossong verweist auf Zitronensäue, die einen PH-Wert von 3,2 habe. Und ab einem Wert von 4,2 werde die Kalkung empfohlen, erläutert Bossong. 

"Saurer Regen" als Ursache

Wird nicht gekalkt, könnte das feine Wurzelwerk der Bäume nachhaltig geschädigt werden. Gleiches gilt für die ökologischen Systeme des Bodens. Die Belastung der Wälder kommt durch den „sauren Regen“. Hatte man die Emissionen der Industrie einst gut in den Griff bekommen, so gelten als Verursacher nun auch der gestiegene Individual- und Transportverkehr sowie die Landwirtschaft. So wurde die Emissionsreduktion der 1990er-Jahre durch das erhöhte Verkehrsaufkommen wieder aufgezehrt. 

Im Forstgebiet bei Birnbaum wird der Wald gekalkt. Der Boden ist übersäuert wegen des sauren Regens.

Nicht nur die Übersäuerung des Bodens mit seinen biologischen Folgen für anspruchsvolle Arten, sowie schlechteres Pflanzenwachstum ist ein Problem. „Durch den sauren Regen ist auch eine Belastung des Trinkwassers durch Schwermetalle möglich“, erläuterte Bossong. Denn gebundene Schwermetalle könnten ausgewaschen werden und das Grundwasser belasten. Wird gekalkt, so werden Säuren neutralisiert. Die Bodenchemie, das Wurzelwachstum, das Bodenmilieu und dem Wald entzogene basische Nährstoffe werden wieder hergestellt. „Der Boden ist das Kapital“, sagt Bossong. 

Kalkung eine "gesellschaftliche Aufgabe"

Der Förster hält die Waldkalkung für „eine gesellschaftliche Aufgabe, denn die Waldbesitzer könnten schließlich nichts für den Säureeintrag“. Daher befürwortet er die Förderung der Kalkung durch den Staat. 90 Prozent der Nettokosten werden in diesem Fall übernommen, doch die restlichen zehn Prozent plus Mehrwertsteuer müsse der Waldbesitzer tragen. Das mache immer noch 70 Euro pro Hektar aus. Verpflichtet zur Kalkung seien die Waldbesitzer nicht. 

Der Kalk – genauer gesagt kohlensaurer Magnesiumkalk – sieht bräunlich aus, hat eine leichte Körnung und setzte sich in Birnbaum wie ein leichter Schleier auf den Boden. Gut zehn bis 20 Jahre hält diese Art der Bodenaufbereitung. Drei Tonnen pro Hektar werden aufgebracht.

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