Ende September

Arztpraxis in Affeln wird geschlossen

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Zum Ende des Monats schließt die Landarztpraxis Beringhoff in Affeln endgültig ihre Türen. Patienten müssen sich dann auf den Weg nach Neuenrade machen.

[Update] Affeln - Die Affelner Arztpraxis wird zum Ende des Monats geschlossen. Ihre Schließung ist Ausdruck des Ärztemangels auf dem Land. Die Verantwortlichen versuchen gegenzusteuern.

Betriebliche Gründe nennt Michael Beringhoff für die Schließung seiner Praxis an der Hauptstraße in Affeln, in der er sich bisher mit zwei älteren Kollegen an vier halben Tagen pro Woche um die Patienten gekümmert hat.

Auf Nachfrage erklärt Beringhoff, dass auch Altersgründe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben, die Praxis nach sieben Jahren zu schließen. „Wir suchen seit Jahren junge Ärzte, aber wir finden einfach keinen Nachwuchs.“

Nicht nur Affeln, sondern auch Neuenrade und Werdohl (sie bilden gemeinsam einen sogenannten Mittelbereich) erscheinen wenig attraktiv für den Mediziner-Nachwuchs: In beiden Städten arbeiten nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) insgesamt 18 Hausärzte, von denen keiner jünger als 40 Jahre ist.

Mehr als die Hälfte der Hausärzte in Neuenrade und Werdohl ist älter als 65. Wenn sie in Rente gehen, steht es noch schlechter um die Gesundheitsversorgung der Menschen in beiden Städten.

Alte und weniger mobile Menschen haben es schwer

Das Problem sieht auch Dr. Paul Gotthard, Vorsitzender der Medizinischen Gesellschaft Werdohl-Neuenrade. Große Sorgen mache ihm die Frage, wie es um die hausärztliche Versorgung bestellt sei, wenn ein Kollege etwa wegen Krankheit ausfälle oder sogar seine Praxis schließen müsse.

Die Räume der Landarztpraxis stehen zur Vermietung.

Ab Oktober hätten es vor allem alte und weniger mobile Menschen schwer, die nicht auf eigene Faust von Affeln ins mehrere Kilometer entfernte Neuenrade fahren können. „Die Ärzte werden ihre Patienten aber sicherlich nicht im Stich lassen.“

Trotzdem müsse überlegt werden, wie diese Menschen auch in Zukunft versorgt werden könnten. Für Notfälle müssten auch Rettungsdienst oder Krankentransport eingebunden werden.

Neuenrade braucht junge Ärzte

Die Politik in Land und Bund habe die Problematik – wenn überhaupt – viel zu spät erkannt. Patienten, die oft wegen Kleinigkeiten zum Arzt gingen, verschärfen das Problem aus Sicht von Dr. Gotthard zusätzlich.

Um die medizinische Versorgung in Zukunft sicherzustellen, braucht es also junge Ärzte. Die Verantwortlichen im Rathaus setzen auf Anwerbung.

Flyer und Plakate, die schon an den Universitäten beim Mediziner-Nachwuchs für die Hönnestadt werben, haben das Leben in der Natur, bezahlbaren Wohnraum und ein aktives Miteinander hervor. Bürgermeister Antonius Wiesemann sichert auf Plakaten seine „persönliche Unterstützung“ zu.

Die Verantwortlichen schaffen Anreize

Im Gespräch erklärt Wiesemann, der Ärztemangel sei im Rathaus schon lange ein Thema. Mitglieder aller politischen Gremien bildeten eine Arbeitsgruppe, in der die hausärztliche Versorgung beraten wird, und auch der Stadtmarketingverein beteiligt sich an der Suche nach jungen Medizinern.

Möglich sind Vergünstigungen etwa im Bereich Wohnraum oder Mobilität. „Als Bürgermeister stehe ich dahinter“, betont Wiesemann. Bernd Buntenbach, stellvertretender Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, könnte sich künftig ein Stipendium für Nachwuchs-Ärzte vorstellen, ähnlich wie es der Märkische Kreis vergibt.

Die Affelner Praxis ist eine Filiale der Praxis in Neuenrade.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung nimmt das Thema ernst, wie Pressesprecher Jens Flintrop erklärt. So steht Neuenrade gemeinsam mit Werdohl und fünf weiteren Kommunen aus dem Märkischen Kreis im Förderverzeichnis der KVWL.

Ärzte, die sich an einem dieser Orte niederlassen, bekommen nochmal besondere finanzielle Anreize, zum Beispiel durch Zuschüsse zur Praxisausstattung.

Wie geht es jetzt weiter?

Trotz aller Schwierigkeiten: Panik angesichts der Schließung in Affeln hält Dr. Paul Gotthard für übertrieben. Andernorts seien derartige Entfernungen ganz normal. „Bisher waren die Affelner sehr gut betreut.“

Die Praxis von Michael Beringhoff an der Zweiten Straße in Neuenrade bleibt weiterhin wie gewohnt geöffnet. Auch die Rezeptsammelstelle und der Medikamenten-Bringdienst in Affeln werden weiterhin angeboten.

Michael Beringhoff beruhigt zudem: „Eine Mitarbeiterin macht Hausbesuche bei immobilen Patienten. Das wird ein zusätzliches Angebot von uns sein.“

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