Arno Bommersbach geht nach 41 Jahren in Rente

Arno Bommersbach verewigt als Kajakfahrer auf dem Präsent.

Neuenrade - Ein Neuenrader Urgestein verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand. Mit einem kleinen Grillfest im Kreise des mittlerweile überschaubaren Kollegiums gab der Hauptschullehrer Arno Bommersbach am letzten „richtigen“ Arbeitstag am Freitag seinen Abschied. Offiziell läuft sein Arbeitsvertrag aufgrund des Erreichens der Altersgrenze Ende Juli aus.

„Altersteilzeit oder Rente mit 63 war für mich nie ein Thema. Ich habe mit meinem Job wirklich Glück gehabt“, sagt Bommersbach nach 41 Jahren im Dienste an der Niederheide. An den Beginn seiner Karriere kann sich der studierte Deutsch-, Geschichte- und Sportlehrer noch gut erinnern. Am 1. August 1973 stieg Bommersbach als so genannter Lehramtsanwärter in den Referendariatsdienst ein. Dass es den Saarländer nach Neuenrade verschlug, war purer Zufall. Damals waren die Amtssitze in Düsseldorf, Arnsberg und Lüdenscheid für die Vergabe der Arbeitsplätze zuständig. Nach Abschluss der Referendariats meinte der junge Bommersbach: „Ich würde gerne hier bleiben“. Unterstützt wurde er damals vom Schulrat Werner Fornasier, der sich für sein Bleiben in der Hönnestadt stark gemacht hatte.

„Ich war immer Klassenlehrer“, sagt Arno Bommersbach während er die Jahrzehnte Revue passieren lässt. Das sind aber nicht die einzigen Erinnerungen, die er mit in den Ruhestand nimmt. An die Klassenfahrten mit Selbstverpflegung denkt er gerne zurück, die seien ganz anders gelaufen als die Fahrten, bei denen man bedient wurde. „Wenn wir Essen für 60 Kinder zubereiten mussten, bekam der Letzte sein Mittagessen halt erst um 16 Uhr. Das machte aber nichts. Alle nahmen’s locker“, berichtet Bommersbach von einer Tour Mitte der siebziger Jahre ins niederländische Domburg. Die Klassenfahrt, die er mit 25 anderen auf einem Flachboot entlang der westfriesischen Inseln verbrachte, ist ihm aufgrund der besonderen Atmosphäre im Gedächtnis geblieben. Oder wie er in nur drei Tagen mit 50 Kindern zur Möhne reiste – zu Fuß. „Übernachtet wurde in Langscheid, Arnsberg und dann in Körbecke an der Möhne“, berichtet der Lehrer.

Dass sich mal ein Schüler am Telefon als dessen eigener Vater ausgab, um „seinen Sohn zu entschuldigen“ hat Bommersbach nicht vergessen, auch nicht die Kajak-Tour, die er im Mai diesen Jahres unternahm. Aufgefrischt wurde die Erinnerung durch ein Geschenk, das ihm die Kollegen überreichten. „Ach ja – da war doch was“, meinte der künftige Pensionär als er sich in einer Zeichnung als kleine Figur auf einem Kajak wiedererkannte, mit der ein Ball verziert worden war. Gleich am ersten Wehr auf der Ruhr bei Hattingen erwischte es Bommersbach – eiskalt. „Ich bin gekentert“, berichtet er und erzählt sofort weiter, wie einige Schüler trotz sehr frischer Wassertemperaturen ins kühle Nass sprangen, um ihren „Arno“ zu bergen.

Arno Bommersbach scheint in seinem Lebensabschnitt als Hauptschullehrer einer Berufung nachgegangen zu sein. Mit harter Arbeit verbinde er anderes. Er hat seinen Job geliebt und deshalb sei es ihm auch so leicht gefallen, gibt er zu – und reicht das letzte Würstchen weiter.

NACHTRAG: Einen Tag nach dem Grillfest meldet sich Arno Bommersbach beim SV-Mitarbeiter. Ihm sei noch etwas ganz wichtiges eingefallen, was er unbedingt noch loswerden wolle, ist zu hören. Und dann bricht er eine Lanze für die Hauptschule, die im Laufe der Zeit seiner Meinung nach unverschuldet an Wert verloren habe. Man müsse sich doch nur mal in Neuenrade umschauen, beginnt er und listet anschließend eine Vielzahl von Unternehmen aus den Bereichen Handwerk, Industrie und Dienstleistungen auf, in denen ehemalige Hauptschüler Karriere gemachte haben – oder sogar auf dem Chefsessel sitzen. Und die Liste wird länger und länger, während Bommersbach durch die Jahrgänge „zappt“. Letztlich ist er überzeugt, dass Neuenrade ohne die Hauptschüler nicht so reibungslos funktionieren würde, wie es aktuell geschieht. Sie verlegen Hochspannungskabel, verpassen Häusern neue Fassaden, planen Schaltschränke oder decken Dächer. Sie sitzen in den unterschiedlichsten Führungsetagen, haben sich hochgearbeitet und stehen in ihren Jobs ihren Mann. „Das sind die, die von uns kommen“, sagt Bommerbach mit einem stolzen Unterton.

- Von Markus Jentzsch

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