Arge Zukunftssorgen

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Corinna Duppke, Medizinische Fachangestellte, an ihrem Arbeitsplatz. Sie liebt ihren Beruf. Sie macht sich generell Sorgen um ihre beruflichen Zukunft – aber auch um ihren Berufsstand. 

Neuenrade - Drei Minuten aus dem Leben einer Arzthelferin: Während sie mit einem Patienten telefoniert und gleichzeitig etwas in den PC eingibt, klingelt das andere Telefon hartnäckig und zwei Patienten stehen vor dem Tresen. Das Wartezimmer ist zudem gut gefüllt, neue Patienten kommen...

 Natürlich kennt die Arzthelferin die Kunden mit Namen. Ein Mann vor dem Tresen fragt mit drängender Stimme nach Telefonnummern für Fachärzte. Die Frau hinter dem Tresen bleibt ruhig, schreibt alles auf und nimmt den nächsten Anruf entgegen. Und die Post kommt auch noch. Zwischendurch marschiert sie los und überbringt Botschaften auf Zetteln in die Behandlungszimmer oder brieft die Ärztin und umgekehrt.

Kein Zweifel: Der Job einer Medizinischen Fachangestellten stellt höchste Ansprüche an Organisationsvermögen und Empathie. Corinna Duppke gehört zu diesem Kreis. Sie arbeitet in einer Kleinstadtpraxis in Neuenrade und sie macht sich Sorgen. Denn die gesamte Nachfolgediskussion, um die Landärzte – nicht nur in Neuenrade – erschüttert den Medizinbetrieb. Es geht um Patienten, um viel Geld und Jobs.

Corinna Duppke jedenfalls macht sich Sorgen. 51 Jahre alt ist sie und war immer berufstätig. Sie liebt ihre Arbeit und „kennt alle Patienten aus dem FF“. Sie mag das Familiäre. Sie ist ein empathischer Mensch. Ihre Arbeit in der Gemeinschaftspraxis Heidrich-Meisner und Veronika Gumenjuk ist natürlich nicht bedroht. Doch angesichts der Entwicklung schaut sich Duppke um und gewahrt das Alter der Hausärzte in Neuenrade und anderswo. Und Corinna Duppke sieht auch das Nachfolgeproblem und die Entwicklungen des Medizinbetriebes nicht nur bei den Hausärzten. „Und die Krankenhäuser machen auch noch zu“. Für die Fachangestellte ist klar: „Alle Stellen sind bedroht“.

Ein gutes Dutzend Jahre muss sie noch arbeiten. Sie macht sich Gedanken um ihre Zukunft. Sollte sie irgendwann mittelfristig ihre Stelle verlieren, weil der Chef in den Ruhestand geht, so werde sie sicher bis in die nächste Großstadt fahren müssen, glaubt sie. Dort werde es dann wohl noch Stellen geben. Corinna Duppke bedauert die Entwicklung ihres Berufsstandes. „Es ist so tragisch, was damit passiert“. Nervige Bürokratie, Kostendruck, niedrige Gehälter, sie glaube nicht, dass Medizinische Fachkraft als Berufsoption für junge Leute attraktiv sei. Da hat sie arge Bedenken.

In der Tat scheint der Verdienst als Medizinische Fachangestellte angesichts der inhaltlichen Anforderungen nicht üppig. Wer 17 Berufsjahre auf dem Buckel hat und in die einfachste Tätigkeitsgruppe eingestuft ist, verdient laut Bundesärztekammer rund 2500 Euro Brutto. Natürlich gibt es höhere Einstufungen und Weiterbildungen. Corinna Duppke gibt jedoch zu bedenken, dass ein Hausarzt mit einer kleinen Praxis sich nicht unbedingt diese spezialisierten Fachkräfte leisten.

Neue SV-Serie Arzt-Report

Auf dem Land – vor allem in Westfalen – fehlen immer mehr Hausärzte. Eine 70-Stunden-Woche und überfüllte Praxen sind der Normalfall. Viele Ärzte sind weit über 60 und finden keine Nachfolger. Die Notlage ist der Politik seit langem bekannt – doch eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht. Der Süderländer Volksfreund möchte wissen, wie dramatisch die Lage vor Ort tatsächlich ist. Wir sprechen mit Ärzten, mit Sprechstundenhilfen, mit Patienten und dokumentieren dies in unserer neuen SV-Serie „Arzt-Report“. Wenn Sie uns Ihre Praxis öffnen möchten, um von Ihren Erfahrungen zu sprechen – oder wenn Sie uns Ihre Sicht als Patient berichten wollen, wenden Sie sich an uns. Telefon: 02392 - 500578 Email: sv@mzv.net

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