Situation zerrt an den Nerven

Arbeiten in Corona-Zeiten: Pflegekräfte berichten aus ihrem Alltag

Für ihren Einsatz in der Corona-Pandemie durften sich die Pflegekräfte des Seniorenzentrums jetzt über Gutschein-Geschenke des Fördervereins freuen. Vorsitzende Lieselotte Ernst (Dritte von links) überreichte die Gutscheine an die Pflegekräfte (von links) Kathrin Bank und Barbara Schilling sowie Einrichtungsleiterin Petra Wegener.
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Für ihren Einsatz in der Corona-Pandemie durften sich die Pflegekräfte des Seniorenzentrums jetzt über Gutschein-Geschenke des Fördervereins freuen. Vorsitzende Lieselotte Ernst (Dritte von links) überreichte die Gutscheine an die Pflegekräfte (von links) Kathrin Bank und Barbara Schilling sowie Einrichtungsleiterin Petra Wegener.

Die Pandemie bestimmt seit Monaten den Alltag im Evangelischen Seniorenzentrum in Neuenrade. Auch wenn die Einrichtung bislang coronafrei geblieben ist, ist es eine belastende Zeit für Bewohner und Pflegekräfte. Für ihren besonderen Einsatz in dieser schwierigen Zeit durften sich die 61 Pflegekräfte jetzt über eine kleine Belohnung freuen.

„Corona ist bei uns im Haus alltagsbestimmend“, sagte Petra Wegener. Die Leiterin des Evangelischen Seniorenzentrums (ESZ) in Neuenrade erklärte: „Umso mehr sind wir froh, dass wir hier bislang keinen Corona-Ausbruch hatten – nicht bei den Bewohnern und nicht unter den Kollegen.“

„Sie haben in dieser schweren Zeit tagtäglich so viele Herausforderungen zu bewältigen“, lobte deshalb Lieselotte Ernst, Vorsitzende des ESZ-Fördervereins, die insgesamt 61 in der Pflege Tätigen des Seniorenzentrums. „Und jetzt kommt auch noch der Umbau und der damit verbundene Umzug nach Altena dazu“, so Ernst.

Gutscheine als Zeichen der Wertschätzung

„Als kleines Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung“ überreichte Ernst als Vertreterin des Fördervereins 61 Gutscheine im Wert von jeweils 25 Euro in der Neuenrader Einkaufswährung N’Euro, so dass jede Pflegekraft einen Gutschein bekommt. -

„Die vergangenen Monate waren sehr schwierig für die Bewohner“, sagte Pflegekraft Kathrin Bank. „Die leiden doch sehr.“ Auch für die Mitarbeiter sei die Situation natürlich schwierig und belastend, „aber die Senioren sind viel wichtiger“.

Mobilitätseinschränkung als größter Einschnitt

Der größte Einschnitt für die Frauen und Männer, die im Evangelischen Seniorenzentrum leben, sei die Mobilitätseinschränkung. „Der Alltag ist für sie einfach sehr unflexibel geworden. Und Besucher kommen auch noch weniger.“ Ihre Kollegin Barbara Schilling ergänzte: „Bei der kalten Witterung zuletzt kamen viele gar nicht mehr an die frische Luft.“

Sie schilderte aus ihrem Berufsalltag: „Viele der Senioren fragen uns immer wieder besorgt: Was dürfen wir denn noch machen?“ Unsicherheit herrsche im Seniorenzentrum vielleicht sogar noch mehr, als sonst überall im Land sowieso schon. So etwas mitzuerleben, da waren sich Bank und Schilling einig, sei besonders bedrückend. Schilling sagte: „Wir unterstützen uns gegenseitig, mit Rat und Tat – aber auch einmal mit einem guten Wort und einem offenen Ohr.“

Job ist deutlich intensiver geworden

Der Pflegejob habe im zurückliegenden Jahr derart an Intensität gewonnen, dass es seit Ausbruch der Pandemie härter geworden sei, nach Feierabend noch richtig abschalten zu können. Bank erzählte, dass ihr Partner und Gespräche im Familienkreis hilfreich seien. Schilling sprach eher von Ruhe, von einer Tasse Tee und von langen Spaziergängen dorthin, wo niemand sei.

„Das alles zerrt schon ganz schön an den Nerven“, sagte Kathrin Bank. Einrichtungsleiterin Petra Wegener berichtete von einem Gespräch mit einer anderen Beschäftigten, „die von einer wachsenden Pandemie-Müdigkeit sprach“. Sie selbst könne das Wort „Corona-Verordnung“ manchmal schon nicht mehr hören, räumte Wegener freimütig ein. „Man wird dünnhäutiger mit der Zeit. Manchmal ist mir schlicht zum Weinen zumute“, gab Kathrin Bank ein Einblick in ihr Seelenleben Mund.

Das Redebedürfnis steigt

Unter den Bewohnern steige das Redebedürfnis, je länger die Pandemie andauert, sagte Barbara Schilling. Etliche erzählten dabei viel mehr als sonst von früher: „Das ist einer der positiven Effekte der Corona-Krise. Das ist total klasse, den Leuten zuhören zu dürfen.“

Schilling und Bank gehören zu den vielen ESZ-Beschäftigten, die sich gegen Corona durch die mobilen Teams impfen ließen. „Das war ja gar keine Frage für mich. Ich bin bei meiner Arbeit ganz nah dran an den Menschen. So war ich froh, dass wir mit die Ersten waren, die geimpft werden konnten“, sagte Kathrin Bank. Kollegin Barbara Schilling ergänzte: „Das waren wir den Bewohnern einfach schuldig, dass wir uns impfen lassen.“

Vorfreude auf die Impfung

Auch sie freue sich bereits auf die Impfung, sagte Fördervereins-Vorsitzende Lieselotte Ernst. „Ich bin 70 Jahre alt und somit in der zweiten Gruppe dran. Sonst bin ich ja eine Impfgegnerin, aber in diesem Fall bin ich die Erste, die ,Hier’ ruft und den Finger hebt, sobald meine Altersklasse an der Reihe ist.“

Die Bewohner im Seniorenzentrum dürfen täglich besucht werden, müssen sich vor dem Betreten der Einrichtung testen lassen. Allerdings werden Besucher nur montags bis samstags am Hauseingang. Wer sonntags zu seinem Angehörigen oder befreundeten Bewohner möchte, muss ein negatives Testergebnis vorweisen können, das maximal 48 Stunden alt ist.

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