Mehr Zeit für die Familie

Facharzt steigt in Hausarzt-Praxis im MK ein - und soll sie später übernehmen

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Arbeiten künftig gemeinsam in einer Praxis: (von links) Aouss Khateb, Dr. Paul Gotthardt, Dorita Kellermann, Larissa Levermann und Steffie Besser.

Neuenrade  Es ist eine gute Nachricht für die Neuenrader Gesundheitsversorgung: Die Nachfolge für den alteingesessenen Hausarzt und vor dem Pensionsalter stehenden Dr. Paul Gotthardt ist gesichert.

Viele Gespräche, aber auch der Wunsch des designierten Nachfolgers, mehr für seine Familie da zu sein, haben dazu geführt, dass sich in Neuenrade ein weiterer Arzt ansiedelt. Der Allgemeinmediziner Gotthardt hat Aouss Khateb eingestellt, einen Facharzt für Innere Medizin, der mittelfristig die Praxis an der Werdohler Straße übernehmen will. 

Im Rahmen eines Pflichtjahres wird der gestandene Facharzt nun in Sachen Allgemeinmedizin eingearbeitet. In gut zwei Jahren, so die Vorstellungen von Gotthardt, soll Khateb übernehmen. Mittelfristig wird wohl noch eine Medizinerin hinzustoßen: Dr. Kamal Oudin, Ehefrau von Khateb. 

Khateb ist mit 52 Jahren ein erfahrener Mediziner und hat in diversen Kliniken (unter anderem in St. Elisabeth in Iserlohn und im Iserlohner Bethanienkrankenhaus) gearbeitet. In der Region ist der Internist kein Unbekannter. „Ich bin einer von denen, die in der Werdohler Klinik die geriatrische Abteilung aufgebaut haben“, sagt Khateb im Gespräch mit der Redaktion. Die Geriatrie befasst sich speziell mit den Krankheiten des Alters. Unter anderem habe er gute Erfolge mit „der ergotherapeutischen Komplexbehandlung“ erzielt, berichtet Khateb über eines seiner Fachgebiete. Bei dieser Behandlung gehe darum, „die immobilen Patienten wieder auf die Beine zu bringen“. 

Für Kollege Gotthardt ist das eine ganz besonders wichtige Qualifikation: „Nachdem sie in der Geriatrie fit gemacht worden sind, haben die Menschen die Chance, nach Hause zu kommen.“ Soll heißen, wieder ein eigenständiges Leben zu führen. Auch nach der Entlassung kümmere man sich um die Patienten. Zudem sei Khateb sehr erfolgreich. „Die Zahlen sind sehr gut.“ 

Aouss Khateb ist Palästinenser mit israelischem Pass. Vor mittlerweile 40 Jahren kam er nach Deutschland, wo er zunächst in Münster landete, ein Jahr Deutsch lernte und anschließend entschied zu bleiben. Zunächst wollte Khateb Zahnarzt werden und studierte ab 1989 auch Zahnmedizin an der Kieler Uniklinik. Doch nach einer Handgelenksverletzung mit chronischer Gelenkentzündung als Folge war für ihn klar, dass er den Beruf nicht würde ausüben können. „Ein Zahnarzt muss zu viel Handarbeit leisten“, sagte sich Khateb damals. 

So sattelte er auf Medizin um, studierte in Frankfurt zu Ende und machte seinen Facharzt für Innere Medizin. Seitdem hat Khateb sich längst etabliert und in Werdohl niedergelassen. In Neuenrades Nachbarstadt hat er ein Haus gekauft und ist Vater von Zwillingen geworden. Besonders die Vaterschaft war für ihn ausschlaggebend, bei Dr. Gotthardt in die Praxis einzusteigen. „Ich will nicht verpassen, wie meine Kinder aufwachsen. Ich will für meine Familie da sein. Ich fühle mich auch wohl hier“, sagt der 52-Jährige. 

Lange genug hat Khateb Arbeitszeiten und diverse Dienste in Klinikbetrieben mitgemacht, um zu wissen, wie wenig Zeit für die Familie bleibt. Vor seiner Entscheidung habe Khateb mit vielen Kollegen gesprochen. Rat holte er such auch bei Dr. Hans-Paul Brauer, Oberarzt in der Stadtklinik Werdohl. Was letztlich mit den Ausschlag gab: Gotthardts Praxis ist auf dem neuesten Stand und die Arbeitszeiten können als selbstständiger Mediziner familienfreundlicher gestaltet werden. Die Patientenzahl der Praxis liegt weit über dem Durchschnitt und hat Potenzial. 

Khateb bringt sein besonderes Know-how als Internist und aus der Geriatrie mit in die Praxis. Ob und in welchem Umfang er noch in spezielle Gerätschaften investieren wird, vermochte er noch nicht zu sagen. Einstweilen wird er sich einarbeiten in die speziellen Bedürfnisse einer Hausarztpraxis, die durchaus einem kleineren Betrieb ähnelt. Neben den beiden Ärzten arbeiten dort noch Steffie Besser, Larissa Levermann, Dorita Kellermann, Petra Gott

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