Kandidatenduell im vollen Kulturschuppen

Das war die Szenerie, die sich in dem gut besetzten Kulturschuppen den Zuschauern bot. - Foto: L. Weiland

Neuenrade - Zum Abschluss des Duells verloren beide Kandidaten kurz die Fassung: Sollten sie doch auf Geheiß des Moderators den jeweiligen Gegner für das Bürgermeisteramt empfehlen.

Von Peter von der Beck

Da geriet Antonius Wiesemann ins Stottern, lavierte herum, sagte sinngemäß, dass er den Bernhard Peters ja schätze, aber dass er erst noch mal ein paar Jahre in Neuenrade Politik machen müsse, bevor das etwas werde. Bernhard Peters seinerseits musste sich bemühen, nicht sarkastisch zu werden. Es sei toll, dass Antonius Wiesemann so mit Neuenrade verwurzelt sei. Er hoffe, dass er eine glückliche Hand habe, wenn er denn gewählt würde und dass er dann in bewährter Manier Hinterzimmerpolitik betreiben könne, um sie dann mit der Mehrheit im Rat durchzudrücken.

Da gab es ein Pfeifkonzert von der CDU-Tribüne. Am Ende wurde es dennoch versöhnlich. Schließlich wollten „alle das Beste für Neuenrade“, hatte Linde gesagt. Der Moderator hatte noch zum Auftakt für Stimmung gesorgt, als er schon mal auf die Mehrheitsverhältnisse hinwies. Er hatte ziemlich zu Beginn der Veranstaltung, nach der Vorstellungsrunde der Kandidaten, einen Vergleich zur Bundesliga gezogen, sprach vom Champion, der vom Herausforderer gestellt werde. „Das ist wie Bayern München gegen Hoffenheim.“

In der Tat: Die Äußerungen Wiesemanns wurden mit sehr viel Applaus quittiert. Bei Peters fiel die Zustimmung geringer aus. So wurde das Kräfteverhältnis der jeweiligen Claqueure oder auch neutralen Zuhörer im Zuschauerraum schnell klar. Wiesemann fühlte sich sichtlich wohl, legte schnell anfängliche Nervosität ab, wurde rhetorisch sicherer, hakte häufiger mal ein. Bernhard Peters blieb meist sachlich, ließ sich durch Kritik nicht aus der Ruhe bringen, blieb bei seiner Linie.

Natürlich kamen die Kandidaten nicht umhin, die allseits bekannten Programmpunkte abzuspulen. So ist Schule natürlich für beide wichtig. Da gab es nicht viel Neues. Das Thema Innenstadtentwicklung und der Streit um die Ortsvorsteher endete in Geplänkel um längst ausgestandene Diskussionen im Rat. Peters favorisiert professionelle Planungshilfe, Wiesemann will alles von der Verwaltung machen lassen. Wiesemann outete sich einmal mehr als Umgehungsstraßenbefürworter, Peters verwies darauf, dass man darauf bestimmt nicht warten könne und jetzt handeln müsse. Die Umgehungsstraßengegener aus dem Publikum verwiesen auf die aktuelle Landespolitik, dass „Sanieren vor Neubau“ gehe und die B229n einfach ein Wolkenkuckucksheim bleibe.

Der Moderator machte selbstverständlich auch die Finanzen zum Thema. Da kam von Wiesemann nichts Konkretes. Er sagte: „Man muss reagieren wie beim privaten Haushalt: nach allen Seiten schauen und sparen. Einnahmen erhöhen, das ist schwer“. An die Gewerbesteuer will er nicht dran. Er möchte die Betriebe nicht weiter belasten. Wesentlich konkreter war da Bernhard Peters. Er will aktiv Betriebe nach Neuenrade holen, will sich beim Sparen vor allem die Immobilien anschauen und forderte Transparenz ein. Den Kaisergarten will er „in die schwarzen Zahlen bringen“, kulturelle Veranstaltungen will er konzentrieren, über den Kulturschuppen müsse man nachdenken auch über die Villa am Wall und den preiswerten Eintritt. Sonst sah er nicht viel Potenzial für Einnahmeerhöhungen. Wiesemann bekam indes viel Applaus für seinen Spruch, dass „Kultur für alle zugänglich bleiben“ soll. Das Thema Kultur bietet in Neuenrade offenbar gewaltiges Streit-Potenzial. So trat eine parteiunabhängige Zuhörerin lautstark in den Ring. Sie sei erstaunt und erschrocken wie Peters Kulturschuppen und Villa am Wall so runterreden könne. Die Veranstaltungen in der Villa hätten nichts Elitäres. Und was er den mit den Gebäuden machen wolle – abreißen? Johlen und Applaus gab es für die Frau. Peters blieb ruhig und bei seiner Linie: Die Wirtschaftlichkeit müsse auch da beachtet werden.

Zudem ergab sich noch ein Unterschied: Während Peters die private-public Partnership und den vermehrten Einsatz von Ehrenamtlichen forcieren will, sagte Wiesemann, dass er eher eine neutrale Stadt befürworte und man sich nicht in Abhängigkeiten begeben dürfe.

Bei der Fragerunde drängten sich die Grünen nach vorne. Dietrich Maurer wollte wissen, warum die FWG mit dem Jugendraum im Knusperhäuschen eine Konkurrenz für das Jugendzentrum etablieren wolle und wie er denn das Jugendparlament umsetzen wolle. Peters hatte aber seinen Hausaufgaben gemacht. Das sei doch eine Ergänzung und man werde an Konzepten arbeiten. Beim Jugendparlament orientiere man sich an erfolgreichen Modellen anderer Städte.

Bleibt noch, dass die Kandidaten ihre Visionen für Neuenrade darlegen sollten. Doch Peters und Wiesemann sind Realisten. Luftschlösser hat keiner im Sinn.

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