Tiergesundheit

Physiotherapeutin für Pferde, Hunde und Kaninchen

Massage für Mily: An ihrem eigenen Hund demonstriert Anita Jacke, wie eine Behandlung von ihr abläuft.
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Massage für Mily: An ihrem eigenen Hund demonstriert Anita Jacke, wie eine Behandlung von ihr abläuft.

Neuenrade – „Es hat mir einfach zu sehr gefehlt“, sagt Anita Jacke und lächelt verlegen. Und so hat sie sich nach fast vier Jahren Pause erneut selbständig gemacht – und zwar als Physiotherapeutin für Tiere. „Das ist gar nicht so selten mehr. Vor sieben, acht Jahren kam das richtig in Mode.

Die nächste Kollegin gibt es in Sundern und dann wieder in Iserlohn.“ Jacke hat ursprünglich Industriekauffrau bei Thyssen Krupp (heute VDM Metals) in Werdohl gelernt. Sie hat zudem Betriebswirtschaftslehre studiert. „Ich war aber immer schon tierbekloppt“, bringt sie auf den Punkt, weshalb sie nebenberuflich noch Tier-Physiotherapeutin wurde. „Meine Eltern hatten schon immer einen Hund und ich habe bereits als Jugendliche Reitstunden genommen.“ Dann lacht sie kurz auf und verdeutlicht: „Ich habe halt ein großes Herz und ein Helfersyndrom.“ Immer nur im Büro zu sitzen, sei für sie nicht der richtige Weg gewesen.

Die Neuenraderin lernte von 2009 bis 2011 zwei Jahre in der Abendschule am Institut für Tierheilkunde in Lünen, bis sie die Abschlussprüfung für ihren Zweitberuf ablegen konnte. „Die Ausbildung ist fast deckungsgleich mit der eines Human-Physiotherapeuten. Ich darf dennoch keine Menschen behandeln“, verrät sie.

Zur Abschlussprüfung gehörten drei Teile: eine schriftliche Prüfung, ein Praxisteil und eine Facharbeit, in welcher Jacke einen realen Fall eines Schäferhundes mit Kreuzbandriss beschrieb – mit Befundaufnahme, Therapieplan, Erzielung der Behandlungserfolge sowie abschließendem Fazit.

2012 eröffnete Jacke ihre damals schon ausschließlich mobile Tierphysiotherapie-Praxis. „Pferde passen sowieso in kein Behandlungszimmer. Und auch Hunde sind in ihrer gewohnten Umgebung viel ruhiger. Die riechen ja sonst die vielen anderen Artgenossen, die zuvor bei mir gewesen wären.“ Dann schiebt sie hinterher: „Und für gehbehinderte Vierbeiner wäre es allein eine Tortour, ins Auto zu kommen. Da mache ich lieber Hausbesuche.“

Hauptsächlich Hunde und Pferde

Mehr und mehr wurde der jungen Frau die Doppelbelastung mit zwei Vollzeit-Jobs zu viel. Sie versuchte, ihre Studenzahl bei Thyssen Krupp zu reduzieren. Doch das gelang nicht. Also wechselte sie zur Menke GmbH in Neuenrade, aber auch dort wurde aus ihrem Halbtagsjob mit der Zeit eine Vollzeitbeschäftigung. Als sie sich schließlich bei einem Reitunfall noch den Fuß brach, gab sie Ende 2016 ihren Job als Tier-Physiotherapeutin vorläufig auf.

Die 37-Jährige hat nun zum Beginn des November erneut ein Gewerbe angemeldet „und ich habe jetzt schon viele Termine im Kalender stehen“, freut und wundert sie sich sehr, wie ihre alten Kunden sofort wieder auf der sprichwörtlichen Matte stehen.

„Ich behandele hauptsächlich Hunde und Pferde, aber auch ein Kaninchen war mal dabei und gelegentlich eine Katze“, gibt Jacke Auskunft über ihre Kundschaft. „Bei Nutztieren ist das einfach nicht wirtschaftlich und Katzen sind nicht so kooperativ bei der Therapie“, weiß sie. „Grundsätzlich würde ich aber alles behandeln“, zeigt sie sich offen. Dann überlegt sie kurz und schränkt doch noch etwas ein: „Naja, jedenfalls Tiere mit vier Beinen – bei einer Spinne wäre bei mir dann doch eine Schmerzgrenze überschritten.“

Wie aber weiß Jacke, was ihren Patienten gut tut – die sprechen ja schließlich nicht mit ihr? Die Physiotherapeutin schildert, wie sie sich vorsichtig den Leidgeplagten Haustieren nähert: „Ich komme erst einmal in Alltagskleidung und sehe nicht aus wie der Tierarzt.“ Dann sagt sie weiter: „Zunächst spreche ich dann nur mit den Besitzern und beobachte die Tiere, bei Pferden etwa das Ohrenspiel.“

Schließlich erklärt Jacke ihren Trick: „Ich habe das komplette Tier letztlich schon einmal angefasst, bevor ich aber zu der Stelle des Schmerzes komme.“ Sie denkt einen Augenblick nach, bevor sie fortfährt. „Auch wenn meine Behandlung den Tieren mal kurz weh tut“, ist sich Jacke sicher, „merken sie doch, dass ihr Schmerz danach schnell abnimmt. Dann fassen sie Vertrauen zu mir.“

Bisher noch nie gebissen worden

Ihre Kunden seien zumeist schon bei einem Tierarzt gewesen, bevor sie Anita Jacke kontaktierten. „Manchmal werden sie auch zu mir überwiesen.“ Viele Tränen der Besitzer seien ihr Dank genug. Dann erzählt sie von einem Hund, der laut Tierarzt nur noch einige Wochen zu leben hatte, der aber aufgrund ihrer Therapie doch noch fast zwei gute Jahre erlebt habe.

Jacke steht auf vom Tisch, holt ihren Behandlungskoffer heran, öffnet diesen und zeigt den Inhalt. Da ist eine pulsierende Magnetfeldmatte, mit der sie den Kreislauf ihrer Patienten in Schwung bringen kann. Als nächstes zeigt sie ihre Akkupunkturnadeln. Dann demonstriert sie ein Rüttelgerät. „Damit komme ich bis zu zehn Zentimeter in den Körper rein. Das schaffe ich mit einer Massage per Hand nicht.“ Im Koffer sind auch Salben. Medikamente verabreichen darf sie indes nicht. Einmal jährlich wird die Tier-Physiotherapeutin vom Veterinäramt überprüft.

Gebissen worden sei sie noch nie. Die einzige, die je aggressiv auf sie reagiert habe war Mily. Die heute achteinhalbjährige Hündin, die vor siebeneinhalb Jahren von einem Zug überrollt wurde und so ein Bein verlor, ist aber seit sieben Jahren bei Frauchen Anita Jacke zuhause. „Wir haben uns dann bald gegenseitig ins Herz geschlossen. Am Anfang musste sie aber, wenn ich kam, einen Maulkorb tragen.“

Kontakt

Termine bei Anita Jacke gibt es nur nach individueller Absprache. Möglich ist diese über ihre Facebook-Seite, über das Kontaktformular auf ihrer Homepage www.animal-fit.net, per E-Mail oder telefonisch unter der Rufnummer 01 79 / 3 21 10 77.

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