Region um Neuenrade sehr beliebt

Angeln: Mentaler Ausgleich nicht nur in Corona-Zeiten

Ein gutes Angelrevier: Das Vorstaubecken der Sorpe.
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Ein gutes Angelrevier: Das Vorstaubecken der Sorpe.

In dem einen Tal die Lenne, in dem anderen Tal die Hönne, mit der Sorpe ist eine große Talsperre auch direkt um die Ecke. Dazu gibt es jede Menge Teiche, selbst die Ruhr kann man ins heimische Angelrevier noch mit einbeziehen.

Kein Zweifel: Die Region rund ums Hönne- und Lennetal mit Neuenrade, Werdohl und Balve ist ein gutes Revier für Angler.

Aus dem Ruhrgebiet kommen sie gar angereist: Die Fliegenfischer, die einen leicht snobistischen Ruf genießen, um hier mit selbst gebundenen Fliegenimitaten als Köder auf Forellen- und Äschenjagd zu gehen, aber auch die Ansitzangler, die vor allem in Seen und Teichen Karpfen, Brassen, Rotaugen oder Schleien nachstellen. Es gibt die Raubfischangler, die mit Wobblern, Blinkern und Gummifischen Hecht, Zander, Barsche, Seeforellen oder Welse wollen. Und da sind noch die Gelegenheitsangler, denen es ganz egal ist, welchen Fisch sie fangen. Und es gibt jene, die den Fischfang als erfreulichen Nebeneffekt beim Aufenthalt in der freien Natur erfahren.

Kompensation für den Alltag

Doch nicht nur für Tages- und Wochenendtouristen spielt die Fischwaid eine Rolle: Es gibt auch viele heimische Angler, die mit diesem Hobby eine Kompensation für ihren Alltag finden – gerade in Corona-Zeiten. Wer die Fischereiprüfung in der Tasche, seine Fischereiabgabe bezahlt und sich beim Inhaber des Fischrechtes eine Erlaubnis geholt hat, der darf in Deutschland angeln. Die Prüfung ist dabei nicht ohne: Die umfassende Fischwelt gilt es zu kennen, ökologische Kenntnisse gilt es nachzuweisen und natürlich, welcher Fisch mit welchem Gerät zu fangen ist. Schonzeiten und Mindestgrößen der Fischarten müssen die Angler ebenfalls drauf haben. Ein mehrwöchiger Kurs zur Vorbereitung ist deshalb erforderlich. Eine theoretische und eine praktische Prüfung (Zusammenstellen der Fangausrüstung) gilt es zu absolvieren.

Manche Hinterlassenschaften der Angler gefährden die Umwelt. Aber: Hänger im steinigen Untergrund lassen sich manchmal nicht vermeiden, so dass Schnurreste mit Posen oder alten Haken bei Niedrigwasser zutage treten. Doch viele Fischer sorgen bei regelmäßigen Aufräum- oder Umweltaktionen für saubere Ufer.

Bei der praktischen Prüfung fahren die Teilnehmer allerdings nicht an ein Gewässer, sondern stellen in einem Raum einer Behörde zum Beispiel eine Pilkangel für den Dorschfang zusammen. Art der Angelrute, Schnurstärke, Köder, Fangstellen – all das ist wichtig, um beispielsweise einen Hecht zu fangen, ohne dass dieser zahnbewehrte Fisch die Schnur durchbeißt, die Rute knackt, um dann mit Köder und Schnurresten im Maul elendiglich zu verenden. Ein Hecht kann durchaus 15 bis 20 Kilogramm schwer werden – da muss auch eine große Ente vorsichtig sein. Andere Raubfische wie der Wels bringen es auf mehr als zwei Meter Körperlänge.

Rekordwels mehr als 2,50 Meter lang

Der Deutsche Rekordwels war mehr als 2,50 Meter lang und brachte mehr als 100 Kilogramm auf die Waage. Er wurde am Niederrhein gefangen. Für so ein Tier ist der Dackel, der schwimmend das Stöckchen aus dem See holt, nur ein kleinerer Snack. Große Welse soll es in der Sorpe geben, auch kapitale Hechte sind nachgewiesen. Große Hechte gibt es vereinzelt sogar in der Lenne. Der Fluss glänzt ansonsten aber eher mit schmackhaften Forellen, bärtigen Barben und leicht nach Thymian schmeckenden Äschen. Der Lennefischbestand ist allerdings nicht mehr ganz so gut, seitdem sich Kormorane dort tummeln, niedrige Wasserstände sind auch nicht hilfreich.

Viele Angler haben sich organisiert, haben das Fischrecht bestimmter Gewässerstrecken gepachtet. Wer Mitglied beim Angelverein Neuenrade ist, kann zum Beispiel in der Lenne und in der Regel auch in der Altenaer Talsperre angeln. Durch Verbindung zum Ruhrgebiet sind auch günstige Angelscheine für die dortigen Kanäle möglich.

Befriedigung des Jagdinstinktes und Gewässerpflege

Natürlich: Um es platt zu sagen geht es beim Angeln auch um die Befriedigung des Jagdinstinktes, aber es gibt eben auch den Aspekt der Gewässerpflege: Die Fischwelt wird überwacht, Verunreinigungen der Gewässer werden bemerkt, Fischbestände gepflegt. Werdohler Fischer züchten sogar die Sauerländer Bachforelle und leisten einen Beitrag zur Erhaltung dieser Art. So werden im Werdohler Husbergtal Forelleneier gezüchtet. Wenn die Fische geschlüpft, zehn Wochen alt und etwa zwei Zentimeter groß sind, werden sie in die Lenne gesetzt. Probleme bereiten aber die teils niedrigen Wasserstände. Vor allem an der Hönne und zunehmend auch an der Lenne ein häufiger auftretendes Phänomen.

Industrie profitiert

Die Angelindustrie ist mittlerweile ein echter Wirtschaftsfaktor. Rollen sind technisch komplexe Gebilde, die Angelruten sind ebenfalls Hochtechnologie und die vielen künstlichen Köder sind ohne komplexe Industrie kaum denkbar. In der heimischen Drahtindustrie profitieren jedenfalls Stahldrahthersteller. Globalisierung macht die Ausrüstung günstiger. Übrigens werden Lebendköder gezüchtet, Fliegenmaden und der Klassiker, der Tauwurm. Frisch aus dem Kühlschrank werden sie den Anglern angeboten.

Und unbestreitbar steckt in jedem Angler die Freude an der Natur. Der Großteil geht fair mit den gefangenen Fischen um. Doch es gibt schwarze Schafe, die das Gewässer mit gefährlichen Schnurperücken, alten Haken oder leeren Köderdosen vermüllt hinterlassen und nicht waidgerecht mit den Tieren umgehen. Auswüchse wie Wettangeln sind mittlerweile verboten. Schwarzangeln gibt es auch, doch sollte man sich nicht erwischen lassen. Die Kontrolldichte ist hoch und auch die Polizei kontrolliert. Genau wie Wilderei ist das Schwarzangeln eine Straftat, die sehr teuer werden kann.

Angler setzen sich für die Umwelt ein

Natürlich darf auch nicht vergessen werden, dass sich viele Angler für die Umwelt einsetzen und bewusst leben. Mit Aufräumaktionen sorgen sie zum Beispiel für saubere Uferränder und räumen dabei gleich auch den Unrat von Nichtanglern weg.

Der Neuenrader Mirko Buhrow ist seit 35 Jahren leidenschaftlicher Angler. Täglich begleitet ihn dieses Hobby. Buhrow möchte die Faszination dieses Hobbys gerne teilen. „Gerade in Corona-Zeiten ist das Fischen eine gute Möglichkeit, dem eingeschränkten Alltag für ein paar Stunden am Wasser zu entfliehen“, sagt Buhrow.

Angeln ist langweilig: Alles nur ein Vorurteil?

Doch eben nicht nur zu Corona-Zeiten, zumal vom ersten Angeltag an ein erfolgreich abgelegter Angelschein Voraussetzung ist. Buhrow weist zudem das Vorurteil zurück, dass Angeln langweilig sei. Er verweist auf die Möglichkeiten des Raubfischangelns. „Dabei sucht der Angler mit künstlichen Ködern die Fische, geht dafür am Ufer entlang, wirft immer wieder die Rute aus und kann so durchaus ins Schwitzen kommen“, erklärt Mirko Buhrow. Wer sich diese Technik in bewegten Bildern anschauen möchte, sei beim Videoportal Youtube gut aufgehoben. „Dort werden diese Techniken präsentiert“, erläutert Buhrow. Nett anzusehen seien Kanäle wie „Ich geh angeln“, „Barschalarm“ sowie aus dem NDR bekannte Staffeln von „Rute raus, der Spaß beginnt“.

Mirko Buhrow präsentiert eine kapitale Forelle.

Mirko Buhrow ist aber dennoch klar, dass „Angeln nicht jedermanns Sache ist“ – aber wer mal am Wasser sei und zudem die Natur beobachte, werde sehen und entdecken: Biber oder die bunten Eisvögel. „Beim Angeln ist man eigentlich in einer anderen Welt und kann dabei den Alltagsstress schnell vergessen. So mancher Angelausflug bleibt unvergessen“, verrät Buhrow.

Lehrgang zur Fischereiprüfung: Viele Angebote

Viele Vereine bieten einen Lehrgang zur Fischereiprüfung an. Onlinekurse gibt es bei „fishing-king.de“. Mit Ausnahme von Bayern ist der Kurs in den anderen Bundesländern als Vorbereitung anerkannt. Die Prüfung selber wird in der heimischen Region vom Märkischen Kreis abgenommen. Ist diese Prüfung bestanden, bekommen Neueinsteiger bei Angelvereinen auf Anfrage für das jeweilige bewirtschaftete Gewässer eine Jahreserlaubnis, da ist die Ersparnis gegenüber Tagesscheinen in der Regel recht groß. Zudem werden oft noch Jahresscheine für Gewässer des Landesfischereiverbandes angeboten. Die Zahl der Mitglieder ist teilweise allerdings begrenzt: Die Vereine haben bestimmte Kontingente an Jahreskarten. Sofern die Kontingente nicht erschöpft sind, werden in der Regel neue Mitglieder in den Vereinen aufgenommen.

Der Sportfischereiverein (SfV) Neuenrade nimmt jedenfalls gerne neue Angelfreunde auf. Der Verein bietet zur Jahreskarte für die Lenne zusätzlich auch noch die Jahreskarte vom Landesfischereiverband an. Damit darf dann beispielsweise in sämtlichen Kanälen im Ruhrgebiet und einigen Seen geangelt werden.

Weitere Informationen bekommen Interessierte online unter www.sfv-neuenrade-ev.de.

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