Angeklagter tätigt Falschaussagen / Richter vertagt Verfahren auf Anfang Januar

„Ich war nicht am Steuer“

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Der Richter vertagte das Verfahren auf Anfang des kommenden Jahres.

Neuenrade - Völlig zerstört wurde eine Bushaltestelle, als am Morgen des 19. September 2015 der Fahrer eines Renault Twingo gegen 6 Uhr die Kontrolle über das Fahrzeug verlor und in das Schutzhäuschen vor der Adresse Am Zollhaus 4 in der Neuenrader Innenstadt krachte.

Dabei entstand ein Schaden von imposanten 25 853,66 Euro. Der 20-jährige Besitzer des ebenfalls schrottreifen Wagens hatte diesen verliehen, war nicht an Bord und erzählte der Polizei am nächsten Tag eine erfundene Geschichte. Der Wagen sei gestohlen worden, behauptete er. 

"Habe der Gruppe das Auto geliehen"

Im Amtsgericht Altena zeigte er sich dann beim zweiten Anlauf erneut zu einer Klärung des Vorfalls geständig: „Ich gebe zu, dass ich eine Falschaussage gemacht habe.“ Er könne aber nicht sagen, wer gefahren sei. „Ich habe der ganzen Gruppe das Auto geliehen.“ 

Bei der Polizei hatte er noch Angaben gemacht zu jener Person, die das Auto gegen die Bushaltestelle gelenkt haben und dann geflüchtet sein sollte. Deshalb sitzt neben ihm auf der Anklagebank ein 23-Jähriger, dem ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vorgeworfen wird. 

Nun aber behauptete der 20-jährige, dass er diesen wiederum zu Unrecht bezichtigt habe – gefahren sei jemand anders, vor dem er allerdings Angst gehabt habe. Deshalb habe er sich die nächste Geschichte ausgedacht und seinen Mitangeklagten zu Unrecht bezichtigt. 

Derjenige, der nach diesem Stand der Dinge stattdessen in die Bushaltestelle gefahren sein sollte, war als Zeuge geladen. „Ich war nicht am Steuer“, versicherte er und bestätigte die alte Version, derzufolge der 23-jährige Angeklagte gefahren sein sollte. Anschließend habe dieser dem Besitzer des Wagens 1500 Euro dafür angeboten, dass er der Polizei die Geschichte von seinem gestohlenen Twingo auftischte. 

Ziel des Ausflugs: ein Saunaclub

Der 23-jährige Angeklagte bot einiges auf, um dem Verdacht, er sei zum Zeitpunkt des Unfalls gefahren, entgegenzutreten. Ziel des Ausflugs sei ein Saunaclub in Hamm gewesen, in dem die Besatzung des Twingo in der Nacht vom 18. zum 19. September einige Stunden verbracht habe. 

Als die Jungs auf der Rückfahrt um 4.17 Uhr im Hammer Süden von einer stationären Radaranlage geblitzt wurden, saß er tatsächlich nicht am Steuer. Er habe nach dem amtlichen Foto das Fahrzeug verlassen, um bei einem Bekannten in Hamm zu übernachten, behauptete der 23-Jährige. Deshalb könne er den Unfall gar nicht verursacht haben. 

Und tatsächlich gab es einen durchaus glaubwürdigen Zeugen, der davon berichtete, wie er den jungen Mann in den Mittagsstunden des Unfalltages zurück nach Neuenrade gefahren habe. Das wiederum ließ die Frage aufkommen, warum der 23-Jährige die Gelegenheit nicht genutzt haben sollte, schon direkt nach dem Saunaclub-Besuch in die Hönnestadt zurückzufahren. 

Und es war auch nicht ganz auszuschließen, dass er sich zur Beschaffung eines Alibis nach dem Unfall nach Hamm zurückbegeben hatte. Leider befand sich unter den immerhin zehn angereisten Zeugen nicht jener, bei dem er in Hamm zum Zeitpunkt des Unfalls geruht haben wollte. Richter Dirk Reckschmidt vertagte das Verfahren daraufhin auf den 3. Januar.

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