Freispruch für 78-Jährigen nach "Verkehrsduell"

Symbolbild

Unna/Neuenrade - Eine Zufallsbegegnung zwischen zwei Autofahrern in Fröndenberg endete am Dienstag mit einem Verfahren vor dem Amtsgericht Unna. Dort stand ein Neuenrader Rentner wegen Straßenverkehrsgefährdung. Der 78-Jährige beteuerte seine Unschuld - letztlich mit Erfolg.

In Fröndenberg trafen die Fahrer Mitte Juni aufeinander und das, so zumindest der ursprüngliche Vorwurf, fast im wortwörtlichen Sinne. Drei Mal, das beklagte der Gegner des Neuenraders, habe der ohnehin zu langsam fahrende Rentner vor ihm abrupt gestoppt, so dass er selbst habe bremsen müssen, um eine Kollision zu vermeiden.

Zudem habe der Ältere ihm, als er ihn später - zugegebenermaßen trotz durchgezogener Linie - überholt habe, unter anderem den Mittelfinger gezeigt. Im Zeugenstand erinnerte sich der Gegner: „Das war wirklich phänomenal. Das kommt in meinen Kopf nicht rein, so eine Fahrweise. Es war ganz offensichtlich, dass er mich ärgern wollte.“ Und das, obwohl er dem Rentner keinen Anlass gegeben habe.

Nichts davon wollte der Neuenrader vor Gericht so stehen lassen. Der Fahrer hinter ihm habe permanent laut gehupt und vielmehr ihm per Geste zu verstehen gegeben, dass er nicht richtig im Kopf sei. Er habe angehalten - ein Mal, weil er sich dank der Hupe erschrocken habe und beim zweiten Mal wegen eines Staus.

Schon seine Erinnerung an die Ereignisse des Sommertages brachte den 78-Jährigen erneut in Rage: „Die Leute sind krank, die dürfen überhaupt nicht auf die Straße.“ Und zuletzt beteuerte er im Brustton der Überzeugung: „Ich habe nichts Falsches getan.“

Das sah das Gericht etwas anders. Der Neuenrader habe sehr wohl etwas falsch gemacht, er sei zu langsam gefahren und habe den Straßenverkehr behindert. Sein Tempo spreche dafür, dass er vielleicht nicht mehr in der Lage sei, sein Auto zu führen.

Darüber habe das Gericht aber nicht zu entscheiden. Zudem sei es auch fraglich, ob sein Gegner die ganze Zeit habe hupen müssen. Eine tatsächliche Gefährdung des Straßenverkehrs könne jedoch nicht festgestellt werden. Alles spreche gegen einen Schädigungsvorsatz. Dem entsprechend wurde der Rentner freigesprochen. - sam

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