Langfinger vor dem Amtsgericht

+

NEUENRADE - Wegen Diebstählen im Neuenrader Freibad und in einem Gasthof musste sich ein 32-Jähriger jetzt im Amtsgericht Altena verantworten. Zuständig war das Schöffengericht, weil der Angeklagte am 13. Mai nach dem Diebstahl im Kiosk des Freibades die Schwimmmeisterin Andrea-Kendziora Kühn zur Seite geschubst hatte, um flüchten zu können.

Die Schwimmmeisterin war zu Boden gegangen, hatte sich aber nicht ernsthaft verletzt. Doch die Tat war wegen dieses Vorgehens als räuberischer Diebstahl angeklagt worden – Mindeststrafe ein Jahr. Zweieinhalb Monate später griff der 32-Jährige in die Kassen-Schublade eines Gasthofes und bekam fünf 50-Euro-Scheine in die Finger. Die kehrten jedoch sofort zurück in ihre Schublade, als die Bedienung den Dieb anherrschte: „Was machst du?“

Der Angeklagte gestand fast alles: „Wenn das so war, tut es mir leid“, sagte er mit Blick auf den Sturz der Bademeisterin und entschuldigte sich bei der Zeugin. Die 95 Euro hatte der 32-Jährige in bar mitgebracht, um sie noch im Gerichtssaal zu übergeben. Alle finanziellen Schäden waren somit beglichen.

Der Angeklagte bestätigte auch den Diebstahl im Gasthof, den er mit rund 2,6 Promille Alkohol im Blut begangen hatte. Dennoch bestritt er auf Nachfrage, ein Alkoholproblem zu haben. „Das ist keine Lösung. Ich habe seit drei Monaten nichts mehr getrunken.“

Staatsanwalt Axel Nölle sah den Tatvorwurf des räuberischen Diebstahls als nicht erwiesen an. Der Schubser gegen die Schwimmmeisterin habe nicht der Sicherung der Beute gedient, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Kleidung des Angeklagten befand. Abzuurteilen seien deshalb nur zwei Diebstähle und eine Nötigung. Der Strafantrag lag deshalb bei vergleichsweise milden 90 Tagessätzen zu je zehn Euro. Für den Angeklagten, der von der Unterstützung seiner Lebensgefährtin lebt, ist das dennoch viel Geld.

Richter Dirk Reckschmidt minderte die Strafe auf 75 Tagessätze zu je zehn Euro und empfahl dem Angeklagten, die Strafe abzuarbeiten. Angeklagter und Staatsanwalt verzichteten auf weitere Rechtsmittel gegen das Urteil.

- Von Thomas Krumm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare