Nachlass

Hinter diesem Bild steckt eine traurige Geschichte

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Die Aufnahme aus dem Nachlass von Hans Suhr zeigt Wilhelm Kohlhage und seine Schwester Adele, die bei dem Unfall vor mehr als 50 Jahren verletzt wurde.

Neuenrade - Am Anfang war es nur ein Bild. Doch als mehrere Neuenrader sich mit Hinweisen zu der historischen Aufnahme melden, führt die Spur zu einem tragischen Unfall.

Anfang Juli bittet Stadtarchivar Rolf Dieter Kohl im Süderländer Volksfreund um Informationen zu einem Foto, das er aus dem Nachlass von Hans Suhr übernommen hatte. Ein Mann und eine Frau sind in der Aufnahme zu erkennen, augenscheinlich besser gekleidet. Wer diese beiden Menschen sind, weiß Kohl zu diesem Zeitpunkt nicht.

„Die Telefone haben nicht mehr stillgestanden“, wird er einige Tage später im Gespräch mit unserer Zeitung berichten. Bei dem gut angezogenen Paar handelt sich allem Anschein nach um Geschwister. Doch was die meisten Anrufer bewegt, ist ein Unfall, der irgendwie mit der Fotografie in Verbindung stehen muss.

Ungebremst kracht der Lkw in das Haus

Friedrich-Wilhelm Kohlhage kann sich noch gut an das Unglück erinnern, denn er arbeitete nicht weit vom Ort des Geschehens. Ausführlich erzählt er von den Ereignissen im März des Jahres 1960.

Aus Dahle kommend ist ein Lastwagen in Richtung Neuenrade unterwegs. Im Fahrzeug befinden sich der Fahrer, seine Frau und der neunjährige Sohn. Auf der Abfahrt vom Kohlberg verliert der Mann die Kontrolle über sein Fahrzeug, kracht ungebremst in ein Haus.

Der Fahrer und seine Frau werden eingeklemmt, das Gebäude stürzt teilweise ein. Das Kind überlebt den Unfall nicht.

Das Kind wird von den Trümmern erschlagen

Was dann passierte, berichtet der Süderländer Volksfreund am 30. März 1960, dem Tag nach dem Unglück: „Die Ehefrau, die sich ebenfalls in dem Fahrzeug befand, konnte erst nach längerer Zeit aus den Trümmern gezogen werden und wies Verletzungen auf.“

Der Fahrer erlitt einen Nervenzusammenbruch, der Sohn wurde „von den herabstürzenden Mauerbrocken auf der Stelle getötet“.

Schwer beschädigt wurden der Lastwagen und das Haus.

Beschuldigt wurde zunächst der Fahrer selbst: Er sei auf der stark abschüssigen Straße in einem zu hohen Gang gefahren, wodurch die Motorbremse nicht habe wirken können. Nach der 30 Meter langen, unkontrollierten Fahrt durch einen Vorgarten konnte erst die Hauswand das Fahrzeug zum Stillstand bringen.

Ein Neuenrader Bürger kennt die Lösung

In welchem Zusammenhang der Unfall im Jahr 1960 mit dem Foto steht, kann schließlich Jürgen Hosse auflösen. Er erkennt seine Verwandten Wilhelm und Adele Kohlhage wieder, die mit dem zuvor erwähnten Friedrich-Wilhelm Kohlhage allerdings nicht verwandt sind.

Adele befand sich zur Zeit des Unfalls im später schwer beschädigten Haus, wurde durch Trümmerteile am Bein verletzt. Mit einem Schienbeinkopfbruch musste sie ins Krankenhaus. Das Bein sei letztlich „auf natürlichem Wege wieder zusammengewachsen“, berichtet Hosse.

Monate später steht der Fahrer vor Gericht

Monate nach dem Unglück steht der 29-jährige Lkw-Fahrer vor Gericht – wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Heraus kommt, dass der Unfall wohl eine Verkettung höchst unglücklicher Umstände war.

In der Nette verfuhr sich der Duisburger, kurz vor Neuenrade versagte völlig überraschend die Bremse und der Gang sprang heraus. Ihm, der bei dem tragischen Unfall seinen Sohn Rüdiger verloren hatte, war kein Vorwurf zu machen.

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