Neue Chance

Vom Problemfall zur Ausbildungs-Überfliegerin

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Angelika Kunde (Arbeitsagentur), Laura Rösner (Auszubildende), Marianne Biedermann, Sabine Kruth und Silke Andrzcjewski (jeweils BZH, von links).

Neuenrade - Nach der Hauptschule reichten für Laura Rösner die Noten nicht für den Realschulabschluss. Auf Bewerbungen hagelte es Absagen. Dank einer besonderen Ausbildung kam nun alles anders.

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass sich die heute 22-Jährige Altenaerin an die Agentur für Arbeit gewendet hat: Nach der Hauptschule war sie zum Berufskolleg gegangen, dort reichten die Noten nicht für den Realschulabschluss. Zahlreiche Bewerbungen verliefen wenig erfolgreich.

Gemeinsam mit Berufsberaterin Angelika Kunde versuchte Laura Rösner, ihre Interessen und Stärken herauszuarbeiten. „Das ist immer ein ganz individueller Prozess“, erklärt Angelika Kunde.

Nach anfänglichen Bewerbungen bei Steuerberatern oder Rechtsanwälten kamen beide auf die, wie Laura Rösner selbst sagt, „schöne Idee“ einer Bewerbung als Verkäuferin.

Eine besondere Form der Ausbildung

Nachdem sich auch dort zunächst kein Erfolg einstellte, schlug Angelika Kunde die sogenannte Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) vor. „Das ist eine gute Möglichkeit für junge Menschen, die ansonsten den Anschluss an den Arbeitsmarkt verpassen würden“, erläutert Kunde.

Nach einem Vorstellungsgespräch folgten sechs Wochen im Bildungszentrum des Handels (BZH) in Iserlohn, wo Laura Rösner gemeinsam mit anderen Auszubildenden ihre Fähigkeiten kennenlernen und sich einen Praktikumsbetrieb suchen konnte.

Danach arbeitete sie zwei Tage pro Woche in einem Bekleidungsgeschäft in Altena, zwei Tage ging sie zur Berufsschule. Jeweils einen Tag verbrachte sie am BZH, das diese Form der Ausbildung anbietet.

Im BZH gibt es individuelle Unterstützung

Dort bekommen die Auszubildenden genau die Unterstützung, die sie brauchen, wie Silke Andrzcjewski, Bereichsleiterin des BZH, betont. Das könnten soziale Kompetenzen, Lösungen für persönliche oder berufliche Problemen oder auch inhaltliche Hilfestellungen sein.

In einer Gruppe aus drei Auszubildenden zum Verkäufer oder zur Verkäuferin – hinzukommen drei Jugendliche, die den Beruf des Fachlageristen lernen – können die jungen Menschen sogar in einem eigens eingerichteten Kaufladen die Abläufe im Einzelhandel simulieren.

Das BZH steht währenddessen im Kontakt mit Arbeitgebern und Arbeitsagentur, erklärt Marianne Biedermann, sozialpädagogische Fachkraft des BZH. Ziel ist es, nach einem Jahr in die Regel-Ausbildung zu wechseln. Das funktioniert nicht bei allen: Laura Rösner etwa brauchte noch etwas Unterstützung und blieb ein weiteres Jahr am BZH.

Die gleiche Prüfung wie bei anderen Azubis

Dort spielte natürlich auch die Prüfungsvorbereitung eine Rolle, denn die Abschlussprüfung nimmt die Industrie- und Handelskammer nach den gleichen Maßstäben wie für alle anderen Auszubildenden ab.

Für Laura Rösner hat sich die Vorbereitung gelohnt: Sie schloss die Prüfung zur Verkäuferin mit der Note „Sehr gut“ ab. „Am Anfang brauchte sie etwas Zeit zur Eingewöhnung. Aber es kristallisierte sich schnell heraus, dass sie eine Überfliegerin ist“, lobt Sabine Kruth, praktische Unterweiserin beim BZH.

Laura Rösner jedenfalls wollte auch noch ein drittes Ausbildungsjahr anschließen und Kauffrau im Einzelhandel werden. Also hieß es wieder: Bewerben. Letztlich konnte sie sich diesmal sogar eine Arbeitsstelle aussuchen.

Die Ausbildungsstelle konnte sie sich aussuchen

Der Ausbildungsvertrag einer Tankstelle lag schon vor, als sich Elektro Filter aus Neuenrade meldete. Seit dem 1. August arbeitet sie als Auszubildende in dem Fachgeschäft.

Diese Entscheidung bereut Rösner nicht, wie sie sagt: Zwar habe sie das neue Sortiment zunächst einmal kennenlernen müssen. „Aber ich bekomme dort sehr viel Unterstützung.“ Außerdem habe sie nach der Ausbildung zahlreiche Möglichkeiten, beruflich Fuß zu fassen.

Berufsberater finden die passende Lösung

Die unterstützte Ausbildung eigne sich nicht für jeden Jugendlichen, erklärt Angelika Kunde. „Aber es gibt viele Möglichkeiten für junge Menschen, bei denen in Schule und Ausbildung nicht von Anfang an alles glatt läuft.“

Dann helfe ein individuelles Gespräch mit einem Berufsberater der Arbeitsagentur. Im Fall von Laura Rösner kann sich das Ergebnis jedenfalls sehen lassen.

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